Oftersheim

Christuskirche Gebete und Musik vereinen Gläubige in einer halben Stunde / Verbindung zu Jesus „im stillen Kämmerlein“ als Mutmacher

Der Gottesdienst soll fröhlich sein

Archivartikel

Oftersheim.Kurz vor zehn Uhr läuteten am Sonntagmorgen die Glocken der Christuskirche, ein vertrauter Klang in Zeiten, wo so vieles ungewohnt ist. Auch der erste Gottesdienst nach neun Wochen Pause wegen der Corona-Pandemie ist anders als sonst. Auf Grundlage der Empfehlungen der Landeskirche mussten die Gläubigen, die in die Christuskirche zum Gottesdienst kamen, zwei Meter Abstand zueinander halten, am Eingang in die Kirche ihre Hände desinfizieren, jede Berührung wie das Händereichen vermeiden, auf den gemeinsamen Gesang verzichten sowie Mund-Nase-Abdeckung tragen.

Um den Abstandsregelungen und Hygienevorschriften zu genügen, war die Besucherzahl in der Christuskirche auf 46 beschränkt. Auf jeder Kirchenbank durften nur drei Gläubige sitzen – mehr Menschen pro Bank waren nur erlaubt, wenn diese im selben Haushalt leben. Die Gottesdienstbesucher mussten zudem einen Erhebungsbogen ausfüllen, dessen Daten für eine Nachverfolgung von Infektionsketten im Falle einer Covid-19-Erkrankung herangezogen werden.

Mitsummen ist gestattet

„Neue Wege gehen wir in Oftersheim“, sagte Tobias Habicht zu Beginn des Gottesdienstes. Und damit meinte er, dass zwar wieder öffentlich Gottesdienst gefeiert werden darf, doch nicht so wie früher. Um zu gewährleisten, dass sich niemand in der Kirche ansteckt, musste der gesamte kirchliche Ablauf neu geregelt werden. Doch sah er Möglichkeiten, auch unter diesen Bedingungen eine würdevolle Feier zu gestalten.

Auf einer großen Leinwand im Altarraum wurde zunächst ein Video mit dem Titel „Singen verboten“ eingeblendet, das sich auf witzige Weise mit den Verboten in der Kirche auseinandersetzte. Und weil der Gottesdienst, wie Pfarrer Habicht sagte, Mut machen, zuversichtlich und fröhlich sein soll, stimmte Organist Rainer Ruhland das Lied 169 aus dem evangelischen Gesangbuch an, in dem es heißt: „Der Gottesdienst soll fröhlich sein. So fangen wir nun an. Gott lädt uns alle zu sich ein, und keiner ist dafür zu klein. Singt nun Halleluja.“ Dabei durfte die Gemeinde mitsummen, den Text aber, der ebenfalls auf die große Leinwand eingeblendet wurde, nur in Gedanken mitlesen.

Im Verlauf des Gottesdienstes, der auf 30 Minuten beschränkt war, wechselte sich Orgelmusik mit Gebeten ab, die Pfarrer Habicht laut vorsprach: den Psalm 95, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Die Bedeutung des Betens legte der Pfarrer seiner Predigt zugrunde, ausgehend vom 6. Kapitel des Matthäusevangelium, wo es heißt: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ Das stille Kämmerlein, von dem hier die Rede ist, ist kein bestimmter Raum, der unordentlich oder aufgeräumt sein kann, sondern ein ganz privater Bereich, an dem man sich ungestört an Gott wendet. Das kann natürlich ein Kämmerlein sein, in dem die Menschen in den letzten Wochen so viel Zeit verbracht haben, es kann aber auch der Weg sein, den man jetzt oft zu Fuß geht, das kann bei Spaziergängen in der freien Natur sein, beim Laufen über Wiesen und Felder. „Ich bin überzeugt“, so Habicht, „dass es jeder Ort sein kann, in dem ein echtes Gespräch mit Gott zustande kommt.“ Das hilft, zur Ruhe zu kommen, die Gedanken in die Tiefe zu führen und voller Vertrauen zu Gott zu beten.

Jeder muss seinen individuellen Raum finden, in dem er Gott begegnen kann und Habicht wünschte sich, dass die Gottesdienstbesucher bald auch wieder gemeinsam ihre Stimmen zum Lob Gottes erheben können. Die Erfahrungen dieses ersten öffentlichen, gemeinsamen Gottesdienstes sind die Grundlage dafür, wie die Gottesdienste weiter geplant werden.

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