Oftersheim

Reportage Besuch auf der Raststätte Hardtwald an Heiligabend / Reisende machen Pause auf ihrer Fahrt in die Heimat

Der Weg führt sie zur Familie

Archivartikel

Oftersheim.Es ist später Vormittag am Heiligen Abend. Auf der Autobahn A 5 ist mäßiger Verkehr. Vereinzelte Lastkraftwagen stehen auf dem Parkplatz. Die Raststätte Hardtwald ist für viele Weihnachtsreisende ein Ort für eine Pause. Schnell den Tank auffüllen und weiter auf die Piste heißt es da für viele. Andere parken ihr Auto, vertreten sich die Füße, recken und strecken sich nach bereits längerer Fahrtstrecke.

Eine türkisch sprechende Großfamilie ist mit zwei schwer beladenen Fahrzeugen unterwegs. „Wir sind auf dem Weg in die Türkei zum Rest unserer Familie“, berichtet die Familie Arslan aus Weinheim, dass es nach Stuttgart zum Flughafen geht. Irgendwann in der Nacht heben sie ab. Der Bruder würde sie abholen, mit einem Nachbarn, damit die Plätze in den Autos ausreichen, schildern sie. In einem Randbezirk von Antalya wird dann miteinander gefeiert – das Wiedersehen, Weihnachten, Silvester. In zehn Tagen steht der Abschied an, die Rückreise.

Sie freuen sich aufs Essen

Ute Weihrauch erzählt: „Um diese Zeit ist die Autobahn schon herrlich leer“, deshalb habe sie sich mit ihrer Mutter Gisela Rothacker auf den Weg zum Bruder nach Karlsruhe gemacht. Worauf sie sich freuen? „Aufs Wiedersehen, die Zeit zusammen“, sagen sie einhellig. Weihrauchs Tochter kommt im Laufe des Nachmittags auch dorthin, die Familie des Bruders auch, das Wohnzimmer wird gut besetzt sein. Aufs Essen freut man sich auch, es gibt Heringssalat und gefüllte Eier – Familientradition am Heiligen Abend. „Am ersten Feiertag stehen Gans, Knödel und selbstgemachtes Rotkraut auf dem Menü“, sagt Weihrauch erwartungsvoll. Zwischenstopp haben beide gemacht, weil es Zeit war für einen Kaffee und ein paar Schritte zu Fuß.

Florian Bruhn aus Michelstadt ist mit seinen beiden Geschwistern unterwegs. Auch die drei brauchen einen Kaffee und eine Runde frische Luft. „Wir fahren zu unserer Mutter“, erklärt der Fahrer. Durbach bei Offenburg ist ihr Ziel, knapp zweieinhalb Stunden Fahrzeit. Was sie erwartet? „Die Familie und leckeres Raclette-Essen heute Abend“, stellt Bruhn fest, dass man sich zwar übers Jahr öfter sieht, aber eigentlich alle immer nur an Weihnachten oder bei Familienfesten zusammenkommen: „Das ist immer klasse, wir haben uns viel zu erzählen.“ Er fröstelt, geht in die Gaststätte, kommt mit Kaffee und den Geschwistern wieder. Alle drei klettern in den Kleinwagen zwischen Taschen und Geschenkpakete, winken und sind wieder unterwegs.

Ein Mittelklassewagen parkt auf dem gerade leer gewordenen Platz ein. „Die Schwiegereltern“, meint Peter Welleroth, der gerade ausgestiegen ist, auf die Frage, wer besucht wird. Nach und nach klettern Ehefrau Evi und die drei Kinder Jonas, Katharina und Lisa aus dem Auto. Richtung Böblingen führt der Weg, konkret nach Herrenberg. Gut eine Stunde ist die Familie schon unterwegs, die Fahrt begann in Frankfurt. „Oma und Opa freuen sich auf den Abend mit uns“, erzählen die Kinder, dass es Würstchen und Kartoffelsalat zum Essen und natürlich die Bescherung gibt. „Und wir bleiben über Nacht.“ Einen Snack und ein Heißgetränk später winkt auch diese Familie zum Abschied und wünscht eine frohe Weihnacht. Am ersten Feiertag sollte es für die Welleroths wieder nach Hause gehen.

Es zeigt sich: Eine Raststätte an einer viel befahrenen Autobahn ist Begegnungsort vieler Biografien und Kreuzung etlicher Wege mit diversen Starts und Zielen.

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