Oftersheim

St. Kilians-Kirche Erstes katholisches Gotteshaus nach der Reformation in Oftersheim / Weihe durch Bischof Knecht vor 111 Jahren

Echte Leistung der armen Gemeinde

Oftersheim.Es ist sicher kein klassisches Jubiläum, aber immerhin eine prägnante Zahl, die durchaus einer Erwähnung wert ist: Am 20. Mai 1909 – also vor 111 Jahren, wurde die Kirche St. Kilian geweiht. Es war das erste katholische Gotteshaus in der Hardtgemeinde nach der Reformation, bis zu dem Zeitpunkt mussten die Kirchgänger den Gottesdienst in Schwetzingen besuchen. Durch den sprunghaften Anstieg der Einwohnerzahlen gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde aber schließlich der Ruf nach einer eigenen Kirche immer lauter. So hat man im Jahr 1881 unter Stadtpfarrer Josef Münch in Schwetzingen einen „Kapellenfond Oftersheim“ gegründet. 1892 hat der Stiftungsrat den Bauplatz für 3000 Mark erworben. Er lag direkt am Leimbach – damals noch am Rande des Dorfes, an das Gewann „Biegen“ und die Gänsweide angrenzend – und wurde später durch den Ankauf weiterer Gärten ergänzt.

Es mutet heute geradezu bewundernswert an, wenn man in den Archivalien nachliest, welcher Anstrengungen und Bittgesuche der „armen Kirchengemeinde“ unter dem Schwetzinger Stadtpfarrer Ignaz Blöder und der zuständigen Institutionen es bedurfte, um das Werk eines eigenen Kirchenbaus samt zugehörigem Pfarr- und Gemeindehaus zu stemmen. Während Letzteres bereits 1906 vollendet war, wurde die Kirche im Jahr 1907 nach Plänen von Ludwig Maier vom Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg mit einer Kostenberechnung von 95 000 Mark genehmigt und am 29. September des gleichen Jahres der Grundstein gelegt. Das „Schwetzinger Tageblatt“ schrieb dazu am nächsten Tag unter anderem: „Bemerkenswert ist, daß Oftersheim die Ehre hat, der erste Ort, oder doch einer der ersten, zu sein, welcher den Namen unseres nunmehrigen Großherzogs Friedrich II. in einer Urkunde der Nachwelt überliefert hat . . .“, war doch dessen Vorgänger Friedrich I. kurz zuvor verstorben.

Am 20. Mai 1909 fand schließlich aus Anlass der Firmung im Kapitel Heidelberg die feierliche Konsekration statt. Sie wurde von Weihbischof Dr. Friedrich Justus Knecht aus Freiburg vollzogen, damals Vorstand des Bonifatiusvereins und ein unermüdlicher Förderer des Oftersheimer Bauvorhabens, wie die historischen Quellen berichten.

Ensemble prägt das Ortsbild

Seither prägt der Kirchenbau zusammen mit dem Pfarrhaus als neugotisches und damit gemäß denkmalpflegerischer Statuten schützenswertes Bauensemble mit der umgebenden Grünanlage auch weiterhin das Ortsbild als eines seiner Wahrzeichen.

Vor dem Hintergrund des anstehenden Gemeindehausprojektes bedarf es aber auch heute nach 111 Jahren eines Kraftaktes und ähnlich guten Zusammenwirkens aller beteiligten Gremien, um dieses Projekt zu realisieren.

Aus Respekt gegenüber den Leistungen früherer Generationen und zum Wohle auch des künftigen Gemeindelebens in St. Kilian.

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