Oftersheim

Kandidatengespräch Holger Höfs und Denis Müller gehen als erfolgreiche Geschäftsleute für die FDP in den Wahlkampf ums Landtagsmandat im Wahlkreis

Ein Nein zum Entenpfuhl – Ja zur Geothermie

Archivartikel

Oftersheim/Region.Mit Holger Höfs schickt die FDP einen Oftersheimer als Kandidaten für den Wahlkreis Schwetzingen ins Rennen bei der Landtagswahl. Er wurde im „Schützenhaus“ einstimmig gewählt, ebenso wie Zweitkandidat Denis Müller. Auch er wohnt in der Hardtgemeinde. Im Interview haben wir mit den beiden über ihre Ziele und Vorstellungen sowie über die liberale Landespolitik gesprochen.

Herr Höfs, warum haben Sie sich als Landtagskandidat beworben?

Holger Höfs: Ich bin seit 1999 FDP-Mitglied und seit fünf Jahren im Kreisvorstand. Damit habe ich immer tiefere Einblicke in die Politik bekommen. Seit zwei Jahren bin ich Vorsitzender der Liberalen Initiative des Mittelstands (LIM Rhein-Neckar). In all den Jahren habe ich angenommen, Bürokratie für mittelständische Unternehmen werde abgebaut. Aber das Gegenteil ist der Fall – es wird leider immer mehr. Und das war auch der ausschlaggebende Punkt für meine Kandidatur.

Was befähigt Sie für ein Mandat?

Höfs: Ich bin kein Politiker, sondern Handwerksmeister und ich weiß, wo der Schuh drückt. Man steht direkt im Arbeitsleben.

Seit 2011 ist die FDP nicht mehr in der Regierungsverantwortung im baden-württembergischen Landtag. Warum fehlt sie?

Höfs: Es fehlen die klaren Worte, besonders in Bezug auf die ausufernde Bürokratie. Die administrativen Tätigkeiten für kleinere und mittlere Unternehmen werden immer größer. Diese teils sinnlose Belastung ist eine Zumutung für alle Beteiligten.

Sie argumentieren jetzt als Unternehmer. Welche Gründe haben andere Bürger, FDP zu wählen?

Höfs: Die FDP steht für die Rechte des Bürgers gegenüber allen Ebenen des vermeintlich allmächtigen Staats. Wir Bürger bilden den Staat. Deshalb haben wir nicht nur das Recht, sondern die Verpflichtung selbstbewusst für ihn einzutreten. Die FDP steht auch für Umweltschutz – aber nicht durch Verbote, sondern durch technischen Fortschritt. Mit Verboten kann man die Umwelt nicht schonen. Ein Beispiel dafür ist die Mobilität. Wir brauchen eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge, die nicht mit Batterien, sondern mit Brennstoffzellen angetrieben werden. Es muss einen Energie-Mix geben, damit man auch größere Strecken bewältigen kann.

Bleiben wir mal bei der Umwelt: Der Kiesabbau im Entenpfuhl ist ja ein Thema. Wie stehen Sie dazu?

Höfs: Das sollte man so lassen, wie es ist. Durch den Kiesabbau im Entenpfuhl bekäme man Probleme mit dem Grundwasser. Und in der Nähe ist unser Wasserwerk Hardt.

Wie sieht’s mit der Geothermie in Brühl oder anderswo im Kreis aus?

Höfs: Ich bin pro Geothermie, weil es eine Energiequelle ist, die bei uns vor Ort erschlossen werden kann. Wenn es die Chance gibt, den Boden anzubohren und daraus einen Mehrwert zu ziehen, bin ich dafür. Es ist besser, heimische Ressourcen zu nutzen, als Öl zu importieren. Wichtig ist mir aber ein optimaler Standort. Ich glaube nicht, dass der – wie jetzt – so nahe an der Gemeinde liegen sollte. Da gibt es bestimmt andere. Aber der Grundgedanke von Geothermie ist richtig.

Und wie soll’s Ihrer Meinung nach mit dem Hockenheimring als Formel-1-Strecke weitergehen?

Höfs: Ich bin Formel-1-Fan (lacht). Die Formel 1 ist ein Technologieträger. Da sieht man, was alles möglich ist. Zum Beispiel kann man einen Turbo über Batterien aktivieren, die Fahrzeuge haben Energierückgewinnung und leistungsstärkere Motoren mit weniger Hubraum. Auch bei der Verringerung des Kraftstoffverbrauchs wird in der Formel 1 viel Grundlagenforschung betrieben, die dann zur Serienreife gebracht werden kann. Man sieht ja, dass viele Entwicklungen schon in normale Autos übernommen wurden. Wichtig wäre, die Regeln so zu modifizieren, dass daraus ein Fortschritt entstehen kann – beispielsweise durch gedeckelte Verbrauchswerte.

Denis Müller: Aber der Hockenheimring ist darüber hinaus ja auch hier für die Umgebung extrem wichtig, gerade was die Themen Tourismus und Veranstaltungen betreffen. Lokal ansässige Hotels sowie die Gastronomie profitieren sehr vom Ring.

Wie kann man die Finanzierung sicherstellen?

Müller: Damit der Hockenheimring im Vergleich zu anderen Veranstaltungsstätten konkurrenzfähig bleibt, muss man ihn definitiv fördern. Das sollten Stadt, Land und Kreis aber nicht alleine leisten müssen. Es sollten sich Sponsoren, Automobilfirmen und Veranstalter beteiligen. Aber der Hockenheimring ist mehr als nur Formel 1 und DTM, er ist eine Eventfläche. Das kann man wunderbar für Konzerte nutzen, wie man bei Ed Sheeran gesehen hat. Dies wird viel zu wenig genutzt.

Eine weitere Säule der Mobilität ist die Bahn als Personennahverkehr und als Güterverkehr, der wegen der Lärmemission gehörig in der Diskussion steht. Wie sieht Ihre Lösung da aus?

Höfs: Da die Züge heute andere Räder und Antriebe haben, also leiser sind, ist das nicht mehr das große Problem. Wichtiger ist, Züge einzusetzen, die emissionsfrei elektrisch oder mit einem Wasserstoffantrieb fahren, also auf dem neuesten Stand der Technik sind. Eine vernünftige Taktung in Stoßzeiten für die Nutzer wäre sinnvoll. Zum Thema Güterverkehr hatten wir in Oftersheim im vergangenen Jahr Besuch vom FDP-Bundestagsabgeordneten Christian Jung (Mitglied des Verkehrsausschusses). Er konnte genau sagen, wohin die Züge fahren – anhand Ihres Geräuschpegels. Wenn die Güterzüge auf dem Weg in die Schweiz sind, sind sie viel leiser, weil es dort strengere Lärmschutzbestimmungen gibt. Das sollte man auch bei uns umsetzen – indem man die Gesetzgebung ändert und in neue Technologien investiert.

Die FDP ist nach eigener Anschauung die Partei für kleine und mittelständische Unternehmen. Die Corona-Krise hat einige gehörig in Schieflage gebracht. Wo besteht dringender Handlungsbedarf?

Höfs: Zum Beispiel bei der Digitalisierung. Wir nutzen immer mehr Homeoffice und viele Firmen verkaufen ihre Waren und Dienstleistungen übers Internet. Hierfür benötigt man ein funktionierendes schnelles Datennetz. Diese Entwicklung hat man in Deutschland größtenteils verschlafen.

Gibt es Branchen, wo es gut geklappt hat?

Höfs: Man sieht es zum Teil bei Gaststätten. Die haben teilweise auf Hausverkauf und Online-Bestellungen umgestellt und wenigstens noch einen gewissen Umsatz generiert.

Müller: Ein anderes Thema sind die Start-ups. Firmen, die kurz vor der Corona-Krise auf den Markt gekommen sind und Kreditefür die Gründung aufgenommen haben, aber keine Rücklagen bilden konnten. Hier hätte man stärker unterstützen können. Beispielsweise hätte man in einem zweiten Schritt Hilfen anbieten können, die an Maßnahmen geknüpft werden, wie den Ausbau der Digitalisierung. Damit hätte man die Firmen zukunftssicherer gemacht.

Höfs: Das ist sehr firmenlastig. Wir haben ja auch noch andere Themen.

Welche meinen Sie konkret?

Höfs: Was mir wichtig ist, das ist die Einwanderungspolitik. Wir brauchen in Deutschland ein Einwanderungsgesetz, möglichst nach kanadischem Vorbild. Menschen, die arbeiten wollen und einen gewissen Bildungsstandard aufweisen, sollten nach einem Punktesystem einwandern können. Menschen die man gerne ins Land lässt, weil wir einen Fachkräftemangel haben. Nur so kann es funktionieren. Jemand, der etwas zur Gesellschaft beiträgt, soll auch einen Mehrwert erhalten. Natürlich ist es humanitär, Menschen aufzunehmen, wenn in ihrer Heimat Krieg ist. Aber danach sollten sie wieder nach Hause gehen, um beim Aufbau ihres eigenen Landes zu helfen. Natürlich haben wir in Deutschland auch sehr viele Geflüchtete, die sich produktiv in unsere Gesellschaft einbringen, aber wir haben leider auch Menschen, die versuchen, unsere liberale Gesellschaft auszunutzen. Diese gilt es durch stärkere Kontrollen an unseren europäischen Außengrenzen abzuweisen Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Rentner eine ausreichende Rente erhalten und sie nicht doppelt besteuern müssen. Und dass Kinder eine vernünftige Ausbildung erhalten und alleinerziehende Mütter oder Väter Unterstützung vom Staat erhalten.

Und was ist Ihnen wichtig, Herr Müller?

Müller: Das Thema Gleichberechtigung. Bei uns in der FDP spielt die Hautfarbe, die sexuelle Ausrichtung, die ethnische Herkunft oder das Geschlecht keine Rolle. Es geht um den Menschen. Wir sind komplett offen und liberal aufgestellt. In unserer Partei wird niemand diskriminiert. Das zeichnet uns gegenüber einigen anderen Parteien aus. Ich bin selbst mit einem Mann verheiratet und da sehe ich, dass es in der Gesellschaft noch viel Handlungsbedarf gibt. Eine Heirat von gleichgeschlechtlichen Paaren ist erlaubt. Das Thema Adoption sieht schwieriger aus. Da gibt es noch viel zu tun. Das macht es gleichgeschlechtlichen Paaren schwer, eine Familie zu gründen. Man bemerkt Vorurteile, die in unserer Gesellschaft weit verbreitet sind. Als Beispiel nenne ich die Blutspende: Homosexuelle dürfen kein Blut spenden mit der Begründung, dass sie ein höheres Risiko für Geschlechtskrankheiten haben. Dies ist Unsinn. Jede Blutspende wird auf alle Krankheiten untersucht. Es macht keinen Sinn, eine Bevölkerungsgruppe pauschal auszuschließen.

Die FDP kritisiert auch die Bildungspolitik. Woran krankt es da?

Höfs: Man vereinheitlicht die schulische Ausbildung zu sehr. Die Gemeinschaftsschulen werden zu sehr bevorzugt. Wir brauchen sie schon auch – aber nicht nur. Wir sollten berufliche Gymnasien genauso fördern. Wir haben zum Beispiel in Schwetzingen das Technische Gymnasium als Vorzeigeobjekt oder auch die Carl-Theodor-Schule mit kaufmännischer Ausrichtung. Das finde ich super. Dort werden die Jugendlichen aufs reale berufliche Leben vorbereitet. Sie haben einen großen Vorsprung, wenn sie ein Studium oder eine Lehre im Handwerk oder der Industrie beginnen. Nicht zu vergessen ist die Duale Hochschule in Mannheim, in der Theorie und Praxis fest miteinander verkoppelt sind.

Müller: Ein Problem liegt aus meiner Sicht auch bei den Lehrkräften. Jedes Unternehmen versucht, seine Mitarbeiter zu schulen und immer auf dem neuesten Stand zu halten. Das wird bei den Lehrern komplett vernachlässigt, gerade was die Digitalisierung betrifft. Ein Fortbildungsangebot fehlt. Und ein weiteres schlimmes Thema ist, dass alle neuen Lehrkräfte in Baden-Württemberg nur befristet eingestellt werden. Die Landesregierung arbeitet mit Zeitverträgen, das heißt, sie werden in den Sommerferien entlassen und danach vielleicht wieder irgendwo eingestellt. Wie will man denn auf diese Weise motivierte Lehrer kriegen, die den Schülern innovativ den Stoff rüberbringen? Das kann überhaupt nicht funktionieren. Es hat sich auch schon vor Corona gezeigt, dass wir jedes Jahr mehr Unterrichtsausfall hatten. Wenn wir als starker Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen wir auch die Schüler so nachziehen, dass sie konkurrenzfähig sind und gut vorbereitet in gute Berufe gehen können. Aber das vergisst die grün-schwarze Landesregierung eben leider.

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