Oftersheim

Evangelische Kirchengemeinde Offener sein für das, was kommt

Eine Woche des Perspektivwechsels

Oftersheim.Wem kann ich in dieser Woche zur Nächsten werden? Mit dieser Frage im Herzen begann ich die Woche. Inspiriert wurde ich von der Geschichte des barmherzigen Samariters vom vergangenen Sonntag. Ich hatte eine Predigt gelesen, in der die Perspektive einmal umgedreht wurde. Es hieß dann nicht mehr: „Wer ist denn mein Nächster?“ Sondern die Frage lautete nun: „Wem kann ich zum Nächsten werden?“

So startete ich in die vergangene Woche. Eine Woche, in der es meine Aufgabe war, meine Lehrpfarrerin Sibylle Rolf sieben Tage lang im Pfarramt offiziell zu vertreten. Das gehört zur Ausbildung dazu. Eine zweite solche Woche wird im Januar folgen. Es wurde eine Woche der Perspektivwechsel. Von „Wer ist mein Mitmensch? Was muss ich wem tun?“ zu „Wem werde ich zum Mitmenschen? Wovon lasse ich mich anrühren?“

Danke, ich habe geliebt

Und wenn morgen die Welt unterginge, dann möchte ich sagen können: Danke, ich habe geliebt. Mein Herz habe ich verschenkt, obwohl ich Angst hatte. Ich habe geküsst, auch wenn zu arbeiten ergiebiger gewesen wäre, ich habe Münzen in Mützen geworfen und morgens im Bus gelächelt. Ich merkte: Mit einer solchen Haltung bin ich viel offener für das, was kommt. Es könnte ja schließlich sein, dass ich jemandem zur Nächsten werden kann.

Wenn ich ans Telefon gehe, wenn ich jemandem die Tür zum Pfarramt öffne, wenn ich jemanden besuche, wenn ich an der Kasse im Supermarkt stehe. Und ich merkte auch: Manchmal bin ich mir nach einer Begegnung gar nicht so sicher, wer hier nun wem zum Nächsten, zur Nächsten wurde. Perspektivwechsel eben.

Perspektivwechsel: von der Vikarin zur Pfarrerin. Von der zweiten Reihe in die erste. Von klein zu groß. Vom barmherzigen Samariter zu Zachäus. Der kleine Zachäus begleitete mich wie ein Schatten des barmherzigen Samariters. Seine Geschichte war Thema des Sonntagsgottesdienstes. Auch Zachäus legt einen Perspektivwechsel hin. Er, der auf Bäumen sitzt. Herabgewürdigt, weil er klein ist. Hochnäsig, weil er klein ist. Zachäus kommt von seinem hohen Ross, seinem hohen Baum herunter, als Jesus ihn anblickt. Unter diesem gütigen, liebevollen Blick merkt er: Es reicht!

Und wenn morgen die Welt unterginge, dann möchte ich sagen können: Danke, ich habe gelebt und die Lebensmittel nicht zu meiner Lebensmitte gemacht und mein Bankkonto nicht meine Freiheit bestimmen lassen und mein Glück nicht an die Couch gehängt, die ich mir leisten konnte – oder auch nicht.

Kein barmherziger Aktionismus

Die Geschichte von Zachäus bewahrt mich vor barmherzigem Aktionismus. Schließlich kann niemand immer für alle ein offenes Ohr, Zeit und Energie haben. Unsere Ressourcen sind endlich. Und an meinem freien Tag bin ich manchmal ganz schön geschafft. Andere ansehen, mich anrühren lassen, zur Nächsten werden – das alles kann ich nur, weil auch ich angesehen werde. Weil ich mit Augen der Liebe angesehen werde. Weil ich angesehen werde von der Güte in Person: von Gott. Und er sieht in mir viel mehr, als ich selbst sehe. Diese Erfahrung machte auch Zachäus. Im kleinen, korrupten Zachäus sieht Jesus einen großzügigen Mann. Im verachteten Samariter sieht Jesus einen warmherzigen Mitmenschen. Ich frage mich, was er in mir sieht.

„Eine große Freude ist es, wenn man so gesehen wird, wie man ist. Eine noch größere Freude aber, wenn man so gesehen wird, wie man noch nicht ist, aber gerne wäre“, sagte Theresa Reinhardt. Was Gott wohl in Ihnen sieht? Und ein weiteres Zitat von Susanne Niemeyer heißt: „Wenn morgen mein Leben endete, dann möchte ich sagen können, danke, ich habe geglaubt, dass Gottes Reich mitten unter uns ist und der Eintritt ist frei.“

Nun ist es für mich Zeit für einen erneuten Perspektivwechsel: Die nächsten vier Wochen bin ich in Heidelberg in der Theoriephase. Sibylle Rolf und Tobias Habicht hingegen sind aus der Vertretung und dem Urlaub zurück in Oftersheim und lassen Sie herzlich grüßen. Und ich wünsche Ihnen einen aussichtsreichen Start in die neue Woche und freue mich auf ein Wiedersehen.

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