Oftersheim

Evangelische Kirche 57 Jubelkonfirmanden erinnern sich an ihren großen Tag

Einsegnung bei Fliegeralarm

Oftersheim.Unter dem Geläut der Glocken zogen 57 Jubelkonfirmanden wie damals durch die Kirchentür ein. „Für die Goldenen und Diamantenen Konfirmanden war es dieselbe Tür“, schauten die Pfarrerinnen Sibylle Rolf und Esther Kraus in ihrer Predigt zurück.

„Nur die Gnadenen, Eisernen und Kronjuwelenen sind noch durch die barocke Tür der alten Kirche eingezogen!“

Und diese Zeit bewegte vor allem die vier anwesenden Kronjuwelenen Konfirmanden sehr. Mitten im Krieg 1944 waren sie konfirmiert worden. Helene Reutner berichtete, wie sie vom Pfarrhaus in der Mannheimer Straße zu zweit in die Kirche springen mussten, weil Fliegeralarm war.

Ungewisser Zukunft entgegen

Es war ein kalter Tag, es hatte gefroren. Und kalt war es auch, als sie die Kirche wieder verließen, einer ungewissen Zukunft entgegen. Nur eines war ihnen gewiss: Der Zuspruch Jesu, der der gleiche geblieben ist bis heute: ‚Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht wird gerettet. Er wird aus- und eingehen und Weide finden!’ Und dann versetzten sich die beiden Pfarrerinnen in Konfirmanden hinein, wie sich ihnen im Laufe ihres Lebens die Tür Jesu geöffnet haben mag.

Für Ernst zum Beispiel hatte diese Tür immer mit Jesu Worten in Verbindung gestanden: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ und „Selig sind die Barmherzigen!“ Sie halfen ihm, seine eigene Linie im aufkommenden Wohlstandsdenken zu bewahren. Für Birgit bekam die Tür Jesu in ihrer Ehe Bedeutung, als sie hinter ihrer erträumten Liebe zurückgeblieben war.

Auf der Schwelle der Tür Jesu konnte sie ihrem Mann und sich selbst vergeben, bis sich ihr der Himmel wieder neu ein Stück öffnete. Erika überforderte sich in der Erziehung ihrer Kinder. Dabei lernte sie, hinter der Tür Jesu neuen Atem zu schöpfen, ausspannen und sich neu zu besinnen. Hans von den Goldenen hatte sich die Tür Jesu bei der die Taufe seines Enkels ganz neu geöffnet und ihn hinter das irdische Sein schauen lassen.

Und die 89-jährige Christa, so stellten sich die beiden Predigerinnen vor, hatte sich die Tür Jesu schon eine ganze Weile für ein anderes Leben geöffnet – dann, wenn sie einmal sterben würde.

Angst davor hat sie keine, hat sie doch immer wieder einmal hinter die Tür sehen dürfen und einen Schein vom dahinter liegenden Glanz auf ihrem Gesicht gespürt.

Stärkung für den Weg ins Alter

Nach der Verlesung der Namen aller Jubelkonfirmanden, segneten die Pfarrerinnen ihre Jubelkonfirmanden erneut für ihren Weg ins Alter hinein. Und im anschließenden Abendmahl unter den Klängen des Kirchenchores stärkten sie sich für diesen Weg.

„Tut mir auf die schöne Pforte“ – dieses Lied klang in den Jubelkonfirmanden noch nach, als sie sich am Nachmittag zum Kaffee in ihren Jahrgangsgruppen im Gemeindehaus trafen.

Rege ging es zu und lebendig. Sie hatten sich viel zu erzählen. Und beim Abschied bedankten sie sich für den schönen Tag, der sie auf ganz eigene Weise auf ihre Leben hat zurückschauen lassen. ek

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