Oftersheim

Benjamin Jungbluth über die neuen Regeln für mehr Nachtruhe in Oftersheim

Fast wie bei Al Capone

Archivartikel

Die Methode ist durch den berüchtigten US-amerikanischen Mafia-Boss Al Capone bekannt geworden: Wenn man einen Verbrecher nicht wegen seiner eigentlichen Taten rechtskräftig belangen kann, kann man ihn mit etwas Geschick auf Umwegen schnappen. Ahndet man nämlich mit voller Härte auch kleinere, einfacher nachzuweisende Vergehen, ist das Ergebnis letztlich das Gleiche. So wurde Al Capone nicht etwa wegen Mordes, Zuhälterei oder Schutzgelderpressung verurteilt, sondern landete wegen Steuerhinterziehung im Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz.

Nun ist die Lage in Oftersheim – da sind sich Gemeindeverwaltung und Polizei einig – nicht ganz so dramatisch wie im Chicago der 1930er-Jahre. Doch das Prinzip ist das Gleiche. Weil man den zumeist jugendlichen Störenfrieden die Belästigungen der Anwohner nur schwer gerichtsfest nachweisen kann, gibt es neue Regeln, deren Verstöße bei Bedarf eindeutig geahndet werden können: Wer sich „nach Sonnenuntergang“ im Gemeindepark oder auf dem Lessingplatz aufhält, kann belangt werden.

Natürlich bleiben Grauzonen. Wenn nur der Jugendliche, der zuvor Lärm verursacht haben soll, allein wegen seiner Anwesenheit belangt wird, nicht aber der daneben sitzende ruhige Bürger, ist das rechtsstaatlich in der Tat fragwürdig. Und wann ist die Sonne eigentlich genau untergegangen – vielleicht gar an einem stark bewölkten Tag? Im Gemeindepark sind die neuen Regeln außerdem noch nicht ganz umgesetzt worden: Hier verkünden die Hinweisschilder weiterhin, dass ab 22 Uhr Schluss ist, ganz unabhängig vom Stand der Sonne. Ein wenig hakt sie eben doch, die Hilfskonstruktion, die den Anwohnern endlich mehr Nachtruhe bringen soll. Und gleichzeitig hat sie einen großen Vorteil, der zumindest den Gemeinde-Kämmerer entspannter schlafen lässt: Sie kostet nichts.

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