Oftersheim

Volkstrauertag Erinnerung an die Opfer von Kriegen und Gewalt / Bürgermeister Jens Geiß mahnt, die bedrückenden Schicksale nicht zu vergessen / Obelisk mit Inschrift als Mahnmal

Gedenkfeier auf dem Friedhof wegen Corona abgesagt

Archivartikel

Oftersheim.Der Volkstrauertag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. Der Volkstrauertag wurde erstmals am 1. März 1925 begangen.

Seit 1952 wird der Volkstrauertag immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Diese Zeit wird theologisch durch die Themen Tod, Zeit und Ewigkeit dominiert. In diesem Jahr fällt der Gedenktag auf den 15. November. Doch nicht nur an die Toten der Weltkriege wird dabei erinnert, sondern an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen – bis in die Gegenwart.

Niederlegung eines Kranzes

In all den Jahren fand auch in Oftersheim immer eine Gedenkfeier auf dem Friedhof statt, die mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal des Oftersheimer Friedhofs verbunden war. Dort ist links (wenn man davor steht) zu lesen: „1914 – 1918, 85 Gefallene 15 Vermisste“. Auf der rechten Seite des Steinsockels steht: „1939 – 1945, 241 Gefallene 160 Vermisste“. Hans-Dieter Schmidt hat dazu vor einigen Jahren in unserer Zeitung geschrieben: „Denkt man an die damaligen Einwohnerzahlen des Dorfes (1914 bis 1918 über 3000 Einwohner und 1939 etwa 4000 Bürger), so kann man das Leid und den Schmerz in der Gemeinde erahnen.“ Schaut man auf den Obelisken, auf den man rechter Hand von der Trauerhalle zugeht, liest man einen Vers aus der Bibel: „Der Herr aber ging bei dir vorüber und sah dich in deinem Blute liegen und sprach zu dir: Du sollst leben.“ (Hesekiel 16,6).

„Aufgrund der Corona-Pandemie sehen wir in diesem Jahr von einer Gedenkfeier jedoch ab“, teilt Bürgermeister Jens Geiß mit, der meint: „Trotzdem können wir der Opfer von Krieg und Terror gedenken. Aufgrund der bedrückenden Schicksale muss die Botschaft, die an uns alle von diesem Tag heute ausgeht, lauten: Nie wieder! Der Volkstrauertag ruft vor allem dazu auf, Zeichen von Hoffnung und Versöhnung zu setzen, und fordert uns dazu auf, unsere Verantwortung für den Frieden zu übernehmen“, sagt Jens Geiß.

Ein Tag des Nachdenkens

Friede beginne bei jedem von uns, ergänzt der Bürgermeister. Es gehe um unseren inneren Frieden, um den häuslichen Frieden, um den Frieden im Umgang mit Kollegen oder Nachbarn. Der Volkstrauertag sei ein Tag des Nachdenkens darüber, wie wir heute auf Krieg und Gewalt reagieren und was wir – ganz persönlich, aber auch als reiches Land in einem freien und zumeist friedlichen Europa – für Freiheit und Menschlichkeit auf der Welt tun können.

Die aktuelle Diskussion zeige, dass Hass und Gewalt schon mit der Wortwahl beginnen. Von der Verrohung der Sprache sei die Grenze schnell zu tätlichen Übergriffen bis hin zu Mord überschritten, mahnt er. az/zg

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