Oftersheim

Asylkreis Beim Sommerfest werden Sprachbarrieren locker überwunden / Seit 30 Jahren engagieren sich Menschen für die Flüchtlingshilfe in der Hardtgemeinde

Heidi Joos dankt Mitstreiterinnen der ersten Stunde

OFTERSHEIM.Die Grillhütte wurde zur Bühne und die von Bäumen beschattete Wiese davor zum großen Treffplatz für viele Nationen beim Sommerfest des Asylkreises. Der Wunsch nach einem bunten Miteinander erfüllte sich, nach und nach kamen viele Familien, setzten sich, Kinder begannen zu spielen.

Asylkreis-Sprecherin Heidi Joos motivierte: „Überwinden Sie Ihre Scheu und sprechen sich gegenseitig an. Im Gespräch können wir vieles voneinander erfahren – über andere Kulturen und Lebensweisen und auch über uns selbst.“ Das sei spannend und bereichere.

Ihr Appell fiel auf fruchtbaren Boden und in kürzester Zeit herrschte ein ordentliches Stimmen- und Sprachengewirr. Besonders dicht war die Vielfalt der unterschiedlichen Sprachen am internationalen Buffet. Dort gab es duftende Reisgerichte wie das irakische „Briani“ mit Gemüse, Hühnerfleisch und Rosinen oder in einer Variante mit Erbsen und Lammfleisch, beides dezent gewürzt mit allerlei duftenden Gewürzen. Türkischer Couscous lockte mit frischer Petersilie und leichtem Pfefferminzgeschmack, dazu mundeten Falafeln.

Eintöpfe mit Lamm oder Huhn

Wer’s deftiger und heiß mochte, entschied sich für einen der Eintöpfe: „Kalampolo“ ist ein irakisches Gericht mit Lammfleisch, Kohl und Reis. „Lubiya Polo“ verbindet grüne Bohnen mit Reis und Hähnchenfleisch – einfach und schmackhaft.

Die Köchinnen teilten ihr Essen selbst aus, stapelten auf den „Internationalen Tellern“ von allem etwas und wünschten guten Appetit. Kaum satt, preschten die Kinder los zu den Spielen. Der Platz um die Grillhütte eignet sich bestens zum Kicken – es ist ja immer noch Fußballweltmeisterschaft, auch wenn Deutschland raus ist – und Kinder spielen sowieso gerne Ball.

„Zusammen feiern, essen und trinken, Musik hören und tanzen“, schilderte Heidi Joos, das sollte den Nachmittag bestimmen. Es klappte.

Bevor allerdings die Trommelgruppe „Fischlabor“ die Grillhütte zur Bühne machte, war Zeit für Dankesworte. Heidi Joos richtete sich an die Mitstreiter der ersten Stunde, die mit ihr gemeinsam vor 30 Jahren den Helferkreis gründeten und mit der erneuten Flüchtlingswelle vor wenigen Jahren wieder mit im Boot sind.

Im Jahr 1988 habe man den Asylkreis gegründet, weil schon damals Menschen aus Eritrea, Laos, der Türkei, Pakistan und aus den Balkanländern geflüchtet sind und nach Oftersheim kamen.

„Einige davon sind hiergeblieben, ihre Kinder haben Berufe gelernt und Familien gegründet“, sprach sie von der erfolgreichen Integration und appellierte an Interessierte zur Mitarbeit.

Betreuung der Kleiderstube

Von den Gründern war beim Fest Hannelore Krainick anwesend, die aktiv geholfen hat, dass Menschen in Oftersheim ankommen und sesshaft werden konnten. Was sie auch derzeit für eine junge Flüchtlingsfamilie tut. Außerdem Anneliese Weick-Hepp, sie hat vor vielen Jahren die zu jener Zeit gegründete Kleiderstube mit betreut und kümmerte sich um ganz verschiedene Familien, auch, als die damaligen Flüchtlinge zentral nach Schwetzingen verlegt wurden. Aktuell ist sie „Springerin“ und gerne im Einsatz, um zu helfen. In die Runde gehören noch Hildegard Schmidtke und Monika Mertins, die beim Fest in Urlaub waren. Ihnen und allen ehrenamtlichen Helfern dankte auch Bürgermeister Jens Geiß. Das Thema Flüchtlinge begleite den Ort schon lange, sagte er, es habe seine Wurzeln in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als mit der Ankunft der Flüchtlinge Ende der 1940er Jahre aus 4000 Oftersheimer Einwohnern schlagartig 5000 wurden. „Derzeit sind rund 180 Geflüchtete bei uns, das Verhältnis zur Einwohnerzahl mit rund 12 000 ist also ein ganz anderes, die Integration klappt“, stellte er fest und wünschte ein schönes Fest.

Zeit für „Fischlabor“ um deren Gründer Rolf Lautenbach und Manfred Kleinecke, die mit Congas, Djemben, Timbales, Kalebassen, Tambourin und Kleinpercussion-Instrumenten einen entspannten Klangteppich über die Szenerie legten und so manchen Besucher zum Tanzen anregten.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional