Oftersheim

Evangelische Kirchengemeinde Erinnerung an die erste Pfingst-Freizeit der Oftersheimer Jugend 1954 mit 40 Teilnehmern

In Badenweiler lachte die Sonne

Archivartikel

Oftersheim.Die Pfingstferien sind seit fast 70 Jahren die Zeit, in der die evangelische Kirchengemeinde ihre Jugendfreizeit anbietet. Darauf machte uns die langjährige Gemeindepfarrerin Esther Kraus aufmerksam und schickte uns einen Bericht, den wir im Folgenden gerne veröffentlichen. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere Teilnehmer daran. Und das schreibt uns Esther Kraus:

„Siegwald Kehder schaut gerne auf den Beginn der bis heute beliebten Freizeiten der evangelischen Jugend zurück: 1952 wurde die Sehnsucht nach gemeinsam verbrachten Tagen in vielen geweckt. Fünf Mädchen und zwei Buben aus Oftersheim hatten an einer Freizeit der evangelischen Gemeindejugend Badens in Ludwigshafen am Bodensee teilgenommen. Begeistert hatten sie von einem Besuch auf der Insel Mainau mit ihren tropischen Pflanzen erzählt sowie einer Fahrt in die Schweiz mit den noch im Sommer von Schnee bedeckten Bergen. Sie schwärmten von der guten Gemeinschaft und brachten neue Lieder mit.

Ein Jahr später führte die Freizeit der evangelischen Jugend Badens weitere neugierig Gewordene gar ins Ausland nach Gosau im österreichischen Salzkammergut. Und dann kam Pfarrer Richard Ding nach Oftersheim. Er nahm die Begeisterung gerne auf und verkündete: ,Eine Freizeit im Sommer können wir selbst organisieren!’ Gesagt, getan. Und so fuhren im Jahr darauf 40 Jungen und Mädchen zu ihrer ersten Freizeit nach Sehringen in den Schwarzwald. Von diesen unvergesslichen Tagen des Jahres 1954 berichteten sie damals in unserer Zeitung“, gehen die einleitenden Worte nun über in den Zeitungsartikel:

„Wochenlange Regenperioden waren vorausgegangen, als sich die Oftersheimer Jugend auf den Weg nach Sehringen, einem kleinen Vorort von Badenweiler, machte. Doch dort angekommen lachte die ganzen acht Tage die Sonne.

Bereits die Bahnfahrt war ein Erlebnis für die Jugendbündler. In Freiburg hatte man während des fünfstündigen Aufenthaltes Zeit zur Besichtigung des Münsters und anderer Sehenswürdigkeiten.

Hinauf auf den Hochblauen

Am Montag ging es hinauf auf den Hochblauen. Ein mehrstündiger, anstrengender Weg forderte die Jungen und Mädchen, bis sie bei klarem Wetter eine herrliche Aussicht bis auf die Gletscher der Schweizer Alpen genießen konnten. Nach kurzer Erfrischung ging es mit Gesang wieder bergab, dem Jugendheim entgegen, wo die ,Bergsteiger’ ein reichliches Mahl erwartete.

Am Dienstag brachte ein Bus die Erlebnishungrigen nach Basel in die Schweiz. Höhepunkt war der Besuch des Zoos. Wie staunten die Jüngeren, als sie vor den Tieren standen, die sie bisher nur im Film gesehen hatten. Von den in der Schweiz billigeren Erzeugnissen wie Schokolade oder Kaffee wurde natürlich tüchtig Gebrauch gemacht. Für die Eltern galt es, Andenken mitzubringen. Die Schokolade für die Eltern allerdings musste meist im Laufe der Woche daran glauben.

Am Mittwoch wurde es etwas gemütlicher: Der Besuch des Schwimmbads in Oberweiler stand an sowie die Besichtigung der 2000 Jahre alten Kurstadt Badenweiler, deren Kurpark durch seine Fülle von einheimischen wie subtropischen Pflanzen in der ganzen Welt bekannt ist. Zwischen Park, Wald und Gärten liegen die Hotels, Sanatorien und Villen mit über 2000 Fremdbetten.

Am Donnerstag war Ruhetag mit lustigen Spielen in Sehringen. Er diente dem Kräftesammeln für den Aufstieg auf den 1415 Meter hohen Belchen am Freitag vom Fuß des Berges aus. Leider war der Himmel nicht so klar wie an den vorangegangenen Tagen und die Aussicht nicht so gut. Der Heimweg führte über die Kälblescheuer, eine in 900 Metern Höhe gelegenen Alm. Hier wurde tüchtig gevespert, denn ein derartiges Schinkenbrot gab es in den Städten und Dörfern nicht.

Am Samstag gingen die meisten noch einmal nach Badenweiler. Sie bummelten durch die Straßen und kamen alle am Abend zu einem Kurkonzert zusammen.

Es war gut besucht, meist von den Kurgästen. Aber wie klein kamen sich die Oftersheimer vor unter fast lauter hochgestellten Persönlichkeiten. Ruhig saßen sie und verfolgten mit Spannung das Geschehen. Wieder zurück in ihrem Freizeitheim, entzündeten sie ein letztes Lagerfeuer. Lieder schallten durch die Nacht und die Gedanken gingen zurück in die verflossene Woche.

Am Sonntagmorgen regnete es, vielleicht ein Zeichen des Scheidens. Um 14 Uhr bestiegen sie den Bus und die Fahrt führte sie wieder zurück in die Heimat.

Während dieser Tage wirkten in der Küche erfahrene junge Kräfte, wenn auch einmal das Salz mit dem Zucker verwechselt wurde. Aber das Essen schmeckte ausgezeichnet und wie viele Schüsseln von 40 Mündern geleert wurden, braucht wohl nicht besonders beschrieben werden. Bereits in der Frühe beim Kaffeetrinken musste nach dem Waldlauf eine große Zahl Brote aufgetragen werden und immer war genügend vorhanden. Eine manche Mutter wäre glücklich, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter mit ebenso großem Appetit zu Hause an den Tisch käme.

Bettenmachen, Schuhputzen, Holzmachen und Kochen gehörten zu den täglichen Arbeiten. Aber sie wurden immer vortrefflich ausgeführt. Nach dem Frühstück traf man sich zu einer besinnlichen Stunde, Pfarrer Ding machte die Teilnehmer mit dem Lukasevangelium vertraut. Ein Liedersingen schloss sich an und ein jeder war ganz mit dabei an diesen lehrreichen Stunden.

Abschied fällt schwer

Vielen fiel der Abschied schwer, aus dieser Gegend, aus dieser Gemeinschaft, denn für die meisten hat am Montag wieder der graue Alltag begonnen. Aber diese Tage in Sehringen waren etwas ganz Besonderes und die Sehnsucht ging voraus auf eine weitere Freizeit im nächsten Jahr“, endet der Artikel in unserer Zeitung von 1954.

In diesem Jahr musste die Pfingst-Schnupperfreizeit coronabedingt ausfallen. „Wie die Zeiten sich seitdem gewandelt haben, haben sie auch diese Freizeiten gewandelt. Aber die Begeisterung für gemeinsam verbrachte Tage mit ihren ganz besonderen Erlebnissen ist nach wie vor groß“, findet Esther Kraus , die einige davon begleitet hat, abschließend.

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