Oftersheim

Kindergarten „Sonnenschein“ Paula Jimenez und Isabel Gonzalez begeistern beim Projekt „Live Music Now“ / Die beiden Instrumentalisten erzählen Geschichte verbal und mit Klängen

In England klingelt’s mit feinem „Kliiing“

Archivartikel

OFTERSHEIM.Ganz dicke Backen macht Ella und versucht mit der komprimierten Luft dem Mundstück des Fagotts einen Ton abzuringen. Gar nicht so einfach. Fagottspielerin Paula Jimenez tröstet, dass man fürs Fagottspiel schon Übung braucht. Nebenan bläst Mattea in das Mundstück der Querflöte, der ein Ton entfleucht. Glücklich hört sie das Lob von Isabel Gonzalez, das hier wohl eine künftige Querflötistin am Werk sei. Die Probepusterei lockert das Konzert der beiden Instrumentalistinnen auf, holt die Kinder wieder zu mehr Konzentration zurück. Rund 80 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahre sitzen im Bewegungsraum des Kindergartens „Sonnenschein“ auf Matten und Bänken und erleben einen etwas anderen Weg, klassische Musik wahrzunehmen.

Paula und Isabel kommen nämlich über das Projekt „Live Music Now“ des weltbekannten Geigers Yehudi Menuhin (1919 bis 1999). Die heilende und entspannende Wirkung von Musik ist unumstritten. Menuhin gab Konzerte in Lazaretten nach dem Zweiten Weltkrieg, spielte für Überlebende von Konzentrationslagern, in Südafrika für schwarze Südafrikaner, denen der Zutritt zu Konzertsälen verwehrt war.

Die versöhnende, belebende und trötende Wirkung der Musik wurde dem Geiger dabei gegenwärtig. Yehudi Menuhin wollte junge Musiker fördern. 1977 entstand daraus die gemeinnützige Organisation „Live Music Now“. Fortan gingen Musiker überall dorthin, wo es Menschen gibt, die nicht in Konzerte gehen können.

Mit der Kommunikation klappt es auch bei Isabel und Paula, die den Kindern im „Sonnenschein“ eine Geschichte erzählen – verbal und in Klängen. „Stellt euch vor, wir beide haben uns vor zwölf Jahren in Frankreich kennengelernt“, plaudert Isabel los und deutet auf Paula. Miteinander reden war nicht einfach, aber die beiden hatten ja ihre Instrumente –Querflöte und Fagott – und spielen drauflos. Die Musik verbindet eben.

Paula verliert ihre Sprache

Aber Paula kann plötzlich überhaupt nicht mehr reden, was ist nur passiert? Isabel weiß Rat und schickt sie nach England, da gibt es Spezialisten für so etwas. Dumm nur, dass Isabel die falsche Adresse mitgibt und sie sich durchklingeln muss an vielen Häusern. Während hierzulande ein lautes „Driiing, driiing“ ertönt, wenn die Klingel gedrückt wird, erschallt in England ein feines „Kliiing“, wie ein Schlag auf die Triangel.

Weil sie ihre beiden Hände für ihr Instrument braucht, sucht Isabel einen Helfer, der den Triangelton spielt. Mattea macht das gerne. Aufmerksam hört sie zu und immer wenn Isabel sich während des Stücks „Tanz der Stunden“ aus der Oper La Gioconda von Amilcare Ponchielli zu ihr hin neigt, dann gibt Mattea der Triangel einen Schlag.

Das durch die Werbung für süße Kuchen aus der Tiefkühltruhe sehr bekannte Lied dringt dabei ins Gehör der Kids. Die jüngeren fangen an, sich im Takt zu drehen. Aber Paula fehlt die Stimme weiter. Sie besucht einen Magier, der mit schnellen und langsamen Tönen versucht, sie zu heilen. Er zaubert Paula aber weg: ohne Jacke an den Nordpol.

Paula ist müde, „Guten Abend, gut‘ Nacht“ von Johannes Brahms wird gespielt. Paula schläft ein. Als sie aufwacht, findet sie sich in China wieder, trifft in Arabien einen Schlangenbeschwörer und kommt letztlich rund um die Erde, bis sie wieder mit ihrer Freundin zusammentrifft und ihre Stimme wiederhat.

Spielerisch wird dabei die Fantasie der Kinder angeregt, die teilweise gebannt lauschen. Nebenbei erklingt klassische Musik vom Feinsten und eine bereichernde Geschichte von Freundschaft, helfen und wieder zueinanderfinden spielt sich ab.

Zweimal im Jahr kommen die Kinder im Oftersheimer Lebenshilfe-Kindergarten in den Genuss eines „Live Music Now“-Konzerts und sind sichtlich davon begeistert.

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