Oftersheim

Evangelische Kirchengemeinde Gedanken von Pfarrerin Sibylle Rolf zum Thema „Beten“

Innehalten und empfangen

Oftersheim.Rogate – betet! So hieß der vergangene Sonntag, der erste Sonntag, an dem wir wieder einen öffentlichen Gottesdienst gefeiert haben – nach einer Corona-Auszeit von neun Wochen. Wir haben gebetet und im Gebet an die gedacht, mit denen wir uns verbunden fühlen und die wir schon lange nicht mehr gesehen haben (wir berichteten).

Für mich war es eine beglückende Erfahrung, endlich wieder gemeinsam in unserer Kirche zu beten. Dass wir nicht singen durften (und dürfen), finde ich sehr schade. Das fehlt mir sehr. Aber unter den Umständen, die wir im Moment erleben, ist schon die Gemeinschaft mit Maske ein guter und wichtiger kleiner Schritt. Wir freuen uns, wenn in den kommenden Wochen noch etwas mehr Menschen unseren Gottesdienst besuchen. Es waren am Sonntag noch einige Plätze frei!

Pfarrer Tobias Habicht hat uns in seiner Ansprache zugesprochen, dass Gott schon – bevor wir beten – weiß, was wir brauchen. Eine wunderbare Zusage – gerade in diesen Zeiten. Der ausgedruckte Gottesdienst liegt in unserer Christuskirche aus. Wie in den vergangenen Wochen ist die Kirche täglich bis gegen 19 Uhr geöffnet. An den Werktagen ist von 12 bis 12.30 Uhr eine von uns hauptamtlichen Personen vor Ort.

Auch ein Balkon-Gottesdienst fand in der vergangenen Woche statt (wir berichteten ebenfalls). Wir dürfen das ASB-Heim nicht betreten – aber wir dürfen auf dem Vorplatz für die Bewohner einen Gottesdienst feiern. Nach einiger Vorbereitung hat das in der vergangenen Woche begonnen, und wir wollen es monatlich ökumenisch weiterführen. Der nächste Gottesdienst vor dem ASB-Heim wird am Donnerstag, 4. Juni, um 11 Uhr abgehalten.

Martin Luther hat in seiner Auslegung des Vaterunsers geschrieben, dass Beten bedeutet, „den Mantel weit auszubreiten“, um das zu empfangen, was Gott uns geben will. Für mich ist das ein schönes und berührendes Bild. Innehalten und empfangen. Loslassen und zum Himmel schauen und darüber staunen, was Gott für uns bereit hält. Beten. Sicherlich, wir bekommen viele Dinge, auch ohne dass wir beten. (Und manches, um das wir beten, bekommen wir nicht.) Beten heißt für mich wahrzunehmen, dass ich mir das Wesentliche nicht selbst geben kann. Beten lehrt mich Dankbarkeit und Gelassenheit. Und es hilft mir großzügig zu sein.

Großzügiger Gott

Wir haben einen großzügigen Gott, der uns gute Gaben schenkt – so kann ich großzügig auch mit anderen sein. Schließlich hilft das Beten mir, meine Zuversicht zu bewahren. Gott erfüllt nicht alle meine Wünsche, aber alle seine Verheißungen. So hat es Dietrich Bonhoeffer einmal ausgedrückt. Betend spüre ich Gottes Verheißungen nach. Seinem Trost, seiner Nähe, seiner Liebe. Ich spüre dabei die Verbindung zwischen mir und den Menschen, zwischen mir und Gott.

Vielleicht ist in diesen Wochen – und inzwischen Monaten – das Beten der wichtigste Dienst, den wir füreinander tun können. In unserer täglich geöffneten Kirche hängen an der Gebetswand viele Fürbitten. Auch am Kerzenständer sind immer wieder zahlreiche Kerzen entzündet. Menschen beten für sich, für andere, für die Welt und spüren, wie gut es tut, Gott die Sorgen anzuvertrauen.

Beten in diesen Zeiten, von denen niemand weiß, wie lange sie noch dauern werden. Auch wenn wieder einiges erlaubt ist – von einer Normalität sind wir weit entfernt und ich ertappe mich bei der Sorge darum, dass die Infektionszahlen wieder steigen und wir einer neuen Beschränkung entgegengehen. Das Leben in der Zeit mit Corona braucht einen langen Atem und viel Geduld. Unsere Landeskirche wies vor einigen Tagen auf eine Broschüre der Universität Eichstätt-Ingolstadt hin: Durchhalten trotz Corona-Krise. Darin sind zahlreiche gute Anregungen, ich gebe Ihnen den Hinweis gerne weiter. Man findet die Broschüre im Internet unter: https://www. ku.de/fileadmin/190302/KuZfG_ Corona.pdf

Durchhalten und so manches Mal auch Position beziehen müssen wir wohl im Moment auch im Umgang mit den zunehmenden Verschwörungsmythen, die uns im Internet begegnen. Für mich ist der Glaube an Jesus Christus und damit an die Leben schaffende gute Macht Gottes der Grund, der mich trägt und der mich den „Mythen“ der bösen, sich verschwörenden Mächte, die uns das Coronavirus eingebrockt haben, begegnen und entgegentreten lässt. Dass uns dieser Glaube hält und stärkt und uns klare, eindeutige Positionen finden lässt – dazu helfe uns allen Gott. In diesen Zeiten bleiben Sie zuversichtlich und behütet. Gott segne Sie! Archivbild: Habicht

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