Oftersheim

Typisierungsaktion Robert Karch hofft auf passenden Spender / Auch Oftersheimer Freunde unterstützen den 54-Jährigen bei Suche nach seinem genetischen Zwilling

Kampf gegen heimtückischen Knochenkrebs

Archivartikel

EPPELHEIM/Oftersheim.Robert Karch wirkt entspannt. Einige Tage „Tapetenwechsel“ liegen hinter ihm und seiner Familie. Der Kurztrip nach Hamburg war eine notwendige Erholung für alle drei, denn seit rund 18 Monaten müssen sie mit der Diagnose Krebs, „Multiples Myelom, aggressive Form“, für Robert Karch leben. Und mit allem, was dieser Schock nach sich zieht. Der 54-Jährige erzählt: „Es begann mit Rückenschmerzen im Skiurlaub, da denkt man sich noch nichts.“ Nach dem Urlaub ging er zum Orthopäden.

Dass die Rückenbeschwerden Ausdruck einer lebensbedrohenden, Knochen zerstörenden Krankheit sind, daran dachte niemand. Ein großes Blutbild, das der Hausarzt erstellen lässt, gibt darüber damals Aufschluss. Die Diagnose trifft den Familienvater, seine Frau Ulrike und den Sohn im Teenageralter ins Mark. Zurzeit gilt das Multiple Myelom als unheilbar, ist jedoch eine der häufigsten Knochenkrebsarten. „Es wird viel geforscht“, glimmt Hoffnung in Karchs Augen, dass es irgendwann Hilfe geben wird.

Nebenwirkungen der Chemo

Dass es im bundesweit führenden Myelomzentrum an der Universitätsklinik in Heidelberg sehr schnell mit der Chemotherapie losging erinnert sich Karch, der teils die „Chemo“ gut verträgt, teils mit allen Nebenwirkungen zu kämpfen hat. Er hat extrem abgenommen, wird seit Januar dieses Jahres mit Aufbaupräparaten über den Chemo-Port, den festen Venenzugang oberhalb der Brust, nachts versorgt, damit er wieder zu Kräften kommt. Weil die Knochen so instabil sind, trägt er ein Stützkorsett um die Körpermitte, langes Stehen geht nicht mehr. Früher war Karch sportlich sehr aktiv, ist gerne mit seiner 850er Yamaha gefahren. „Heute bin ich fast nur müde“, stellt er fest und irgendwie strahlt er trotz des ganzen Dilemmas Zuversicht aus.

Jede Infektion ist gefährlich, manchmal kann Karch nur mit Mundschutz raus. Seine Frau Ulrike ist beim Gespräch mit dabei, ihr steigen schon einmal die Tränen in die Augen, wenn es um die gesamte Situation geht – Normalität ist halt anders. Es ist ja nicht nur der Gedanke daran, den geliebten Menschen eventuell zu verlieren, der Sozialversicherungskaufmann kann seiner Arbeit nicht mehr nachgehen, das Krankengeld läuft aus, der Rentenantrag ist da, vorerst auf zwei Jahre beschränkt – die Familie hängt damit nicht nur psychisch in der Schwebe. Als dann auch noch die Eigenstammzell-Transplantation nicht den gewünschten Erfolg bringt, ist das ein erneuter Tiefschlag. „Bei etwa 80 Prozent der Fälle ist danach das Immunsystem wieder neu aufgesetzt, die Leute können dann manchmal viele Jahre mit Medikamenten und der Krankheit leben“, schildert der in Neuenheim geborene Karch, dass er wohl zu den übrigen 20 Prozent der Patienten zählt.

Das Erlebnis mit einer sehr hohen Dosis Chemo das eigene Immunsystem „plattgemacht“ zu bekommen, „diese zehn bis 15 Minuten werde ich nie mehr vergessen“ – und dann die Enttäuschung, dass der Versuch mit den eigenen Stammzellen nicht fruchtete, die Tumorwerte wieder hochschnellten.

Es ist klar, dass nur fremde Stammzellen Robert helfen können. In der weltweiten Datei ist aber niemand gefunden worden, ist der genetische Zwilling zu Roberts Bluteigenschaften noch nicht registriert. „Im Moment ist die Chemo erträglich“, sagt der 54-Jährige.

Was ihn immer wieder aufrichtet, sind die Familie und die Freunde, die zusammen mit dem Verein „Blut e.V.“ sehr aktiv sind, eine Typisierungsaktion in Eppelheim auf die Beine gestellt haben, Flugblätter verteilen und auf die Aktion aufmerksam machen.

Froh über gute Freunde

Zu ihnen zählt auch Marion Weber aus Oftersheim, die schon beim Backfischfest in Ketsch Flugblätter verteilt und Menschen angesprochen hat, „wir sind beide so froh, dass wir derart gute Freunde haben“, wissen Ulrike und Robert Karch kaum noch ihren Dank in Worte zu fassen. Ganz viele Sachspenden seien für eine große Tombola zusammengekommen, berichtet das Paar auch, dass eventuell ein Spieler des SV Sandhausen für eine Autogrammstunde vorbeischaut. „Kuchenspenden werden ab 13 Uhr sehr gerne im eigens eingerichteten „Café Blutplättchen“ (Belcanto) angenommen, denn auch das Kaffeetrinken und Kuchengenießen hilft an diesem Tag, weil jede Neutypisierung Kosten von 40 Euro aufwirft, die aus Spenden finanziert werden.

Von der Typisierungsaktion erhofft sich die Familie – mittlerweile ist Robert junior für ein gemeinsames Foto dazugekommen – natürlich einen geeigneten Spender. „Aber es dauert nach der Aktion noch etwa acht Wochen, bis die Laborauswertung da ist“, stellt Robert Karch sich schon auf die Wartezeit voller Hoffnung auf eine positive Nachricht ein.

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