Oftersheim

Vertragsunterzeichnung Caritas und Diakonie sind Partner bei Integrationsmanagement / Interkommunale Zusammenarbeit zwischen Oftersheim, Plankstadt und Eppelheim

Kein Sprint – eher ein Langstreckenlauf

Oftersheim/Plankstadt/Eppelheim.Die Eingliederung von Flüchtlingen stellt die Kommunen vor große Herausforderungen – in gesellschaftspolitischer Hinsicht, vor allem aber auch finanzieller Art. Mit dem „Pakt für Integration“ reagiert das Land langsam auf die Probleme, mit denen sich Städte und Gemeinden konfrontiert sehen. Sie können Fördermittel beantragen, wenn sie Fachkräfte einstellen.

Um dieses Integrationsmanagement, wie es bezeichnet wird, in die Wege zu leiten, kooperiert Oftersheim zukünftig mit Plankstadt und Eppelheim sowie dem Trägerverbund Diakonisches Werk/Caritasverband. Die Verträge haben die Bürgermeister Jens Geiß (Oftersheim), Nils Drescher (Plankstadt) und ihre Amtskollegin Patricia Rebmann (Eppelheim) gestern im Oftersheimer Rathaus unterschrieben.

Zwar hätte jede Kommune für sich die Möglichkeit gehabt, selbst nach geeigneten Fachkräften zu suchen, aber die jeweiligen Gemeinderäte haben sich für eine interkommunale Zusammenarbeit und für die Kooperation mit den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden entschieden. „Allein die rechtlichen Anforderungen in diesem Bereich sind viel zu komplex, um dafür eigene Mitarbeiter in der Verwaltung abzustellen“, begründete Jens Geiß die Entscheidung. Deshalb greift man auf den Erfahrungsschatz von Diakonie und Caritas zurück. Zumal bei der Lösung, die man jetzt gefunden hat, in jeder Kommune ein Ansprechpartner vor Ort ist.

„Allerdings können wir jetzt zusätzlich auf ein enormes Know-how im Hintergrund zurückgreifen“, meinte Geiß weiter. „Die Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind und zu uns kommen, müssen ihren Alltag zum Teil neu gestalten. Da ist es gut, dass wir die Kernkompetenzen von Caritas und Diakonischem Werk anzapfen können. Sie beschäftigen sich ja schon seit Jahrzehnten mit allen Belangen in Sozial- und Flüchtlingsfragen.“

Auch mit anderen möglichen Partnern haben die drei Verwaltungen Gespräche geführt, das Gesamtpaket von Diakonischem Werk und Caritasverband hat aber am besten zu den Anforderungen gepasst.

Nils Drescher meinte: „Uns waren die Kenntnisse, über die unsere Partner mit ihrer langjährigen Erfahrung verfügen, wichtig. Schließlich müssen sich die Integrationsmanager um Wohnungs-, Arbeits- und Bildungsbelange der Asylbewerber kümmern, aber auch Themen wie Rückführung oder Familiennachzug. Dafür braucht man profundes, systemisches Wissen.“

Patricia Rebmann freute sich über die gute Verständigung mit ihren Kollegen: „Die Zusammenarbeit der drei Kommunen erfüllt eine Vorbildfunktion. Sie macht deutlich, dass wir bei solchen Themen gut zusammenarbeiten können.“

Als Team verstehen

Die interkommunale Zusammenarbeit bietet außerdem den Nutzen von Synergieeffekten, betonten die drei Bürgermeister. So sollen sich die Integrationsmanager als Team verstehen, sich im Urlaub oder bei Krankheit gegenseitig vertreten, sie können sich austauschen und in ihrer Arbeit unterstützen – auf kurzem Weg und ohne Reibungsverluste.

Diese neue Stelle macht aber die Flüchtlingsbeauftragten in den Kommunen – Maria Theresia Tzschoppe, Doris Grossmann und Regina Eul – oder die ehrenamtliche Arbeit der Asylkreise nicht überflüssig. Vielmehr gibt es klare Abgrenzungen in den Aufgabenbereichen mit gemeinsamen Schnittstellen.

Die Partnerverbände sind nach Aussage von Siegmund Zimmermann, Leiter des Diakonischen Werkes, gerade dabei, geeignete Mitarbeiter zu akquirieren. Gesucht werde ein Team aus Frauen und Männern, Fachkräften mit und ohne Migrationshintergrund, die möglichst breite Sprachkompetenzen mitbringen. „Wir haben bei der Ausarbeitung des Kooperationsvertrags einen mühsamen Prozess hinter uns“, gestand er, „aber es war uns wichtig, schon im Vorfeld möglichst viele Details zu regeln. Bisher klappt alles sehr gut.“ Caritas und Diakonie sieht er als optimale Partner, weil die Flüchtlinge nicht nur die Sprache lernen müssten, sondern auch die Werte dieser Gesellschaft – „und für diese Werte stehen wir als Kirchen“. Er sieht in der Arbeit mit Asylbewerbern auch einen wichtigen Beitrag für den sozialen Frieden.

Frage nach der Zukunft

Caritas-Geschäftsführer Bernhard Martin mahnt die Politik: „Man hat gesehen, was Verbände und Kommunen gemeinsam leisten können. Aber Integration ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Die Stellen der Integrationsmanager sind auf zwei Jahre begrenzt. Deshalb müssen wir immer wieder nachfragen, wie es perspektivisch weitergeht.“

Dieser Kritik schloss sich Ursula Igel von der Diakonie an: „Die Politiker sprechen immer davon, dass sie die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen abschaffen wollen. Aber durch Vorgaben, wie wir sie bekommen, können wir immer nur kurzfristig planen. Da muss sich die Politik selbst hinterfragen.“

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel