Oftersheim

Orgelfondsaktion Verkaufsstände bieten weihnachtliches Gebäck und Dekoartikel / Einnahmen fließen in die Sanierung des Kircheninstruments

Nach dem Register ist vor den Tremulanten

Oftersheim.Es gibt immer was zu tun. Dieser Satz trifft – wie für viele Objekte – auch für eine Kirchenorgel zu, die in die Jahre gekommen ist. Nachdem nun die Trompetenstimme für das Pedalwerk – die die Harmonisierung mit jener auf den Manualen ermöglicht – finanziert und eingebaut ist, steht eine weitere Anschaffung an. Dieses Mal sollen es zwei Tremulanten sein.

Doch weil der Haushalt einer Kirchengemeinde solche Extra-Ausgaben nicht hergibt, muss eine andere Lösung her. Und die heißt Orgelfondsaktion. Die Veranstaltung fand jetzt bereits zum 21. Mal statt, denn wie gesagt: Irgendwas ist immer.

„Sie wurde von engagierten Mitgliedern des Kirchenchors ins Leben gerufen, weil die Orgel, die vor 60 Jahren in die damals neue Christuskirche eingebaut wurde, von Beginn an erhebliche Mängel hatte“, erzählt Rainer Ruhland, seit 1981 Organist in der evangelischen Kirche und gleichzeitig der Leiter des Kirchenchors. „Das Instrument ist schwer zu spielen. Aber es war nie Geld da für ein neues. Und so entstand die Idee der Orgelfondsaktion.“

Das Angebot umfasste kulinarische Spezialitäten, an den kleinen Verkaufsständen wurden darüber hinaus selbst gekochte Marmeladen und Gelees in vielfältigen Geschmacksrichtungen angeboten und natürlich stand auch das Weihnachtsgebäck zum Verkauf. Zusätzlich zu den weihnachtlichen Bastelarbeiten fanden dieses Mal Taschen und Aufbewahrungskisten aus Stoff sowie kleine Miniaturgärten großen Absatz. Auch der weihnachtliche Schnäppchenmarkt erlebte eine Fortsetzung.

Teilweise neu belegt

Der Erlös aus den bisherigen Orgelfondsaktionen ermöglichte eine umfassende Generalüberholung des Instruments und so konnten parallel zur Kirchenrenovierung im Jahr 2008 auch neue Klänge ertönen – voller und schöner als in all den Jahren davor. Nicht zuletzt dank der Aktion, die bis zu jenem Zeitpunkt einen mittleren fünfstelligen Betrag einbrachte. Die örtliche Kirchengemeinde und die Landeskirche steuerten den Rest der rund 70 000 Euro teuren Reparatur bei, die die Firma Popp in Walldürn damals in ihrer Werkstatt über ein Jahr lang ausführte. „Die haben das richtig gut gemacht“, lobt Ruhland die Arbeit der Spezialisten aus dem Bauland.

„Es gab zwar Überlegungen, ob wir eine neue Orgel anschaffen sollen. Aber dafür war die alte dann noch zu gut. Wir haben uns für eine Sanierung entschieden.“ Erneuert wurden vor neun Jahren unter anderem der Spielschrank und die Spielanlage, die 29 Register wurden überarbeitet, neu intoniert und zum Teil sogar neu belegt, die Intonierlade musste gerichtet werden, weil die Abluft zu groß war.

Mit dem abgeschlossenen Kirchenumbau im Jahr 2008 hatte Ruhland zwar eine großflächig modifizierte und wieder gut bespielbare Orgel erhalten – sämtliche Erneuerungsschritte hatte man damals aber noch nicht unternehmen können.

Von Natur aus sehr starr

Es gibt gibt also nach wie vor Sanierungsbedarf, so dass die beliebte Orgelfondsaktion am ersten Advent weiterhin besteht. Vor zwei Jahren bekam das Instrument ein neues Manualregister für 7000 Euro, nun wird für neue Tremulanten gespart.

„Ein Orgelton“, erklärt Ruhland, „ist von Natur aus sehr starr. Tremulanten geben ihm Lebendigkeit. Die unsrigen sind aber recht laut. Man hört sie in der Kirche, wenn ich leise spiele. Das haben mir Gottesdienstbesucher schon berichtet.“

„Ich sage immer, was ich mir wünsche“, erzählt der Organist. „Und dann schauen wir, wie wir es finanzieren können. Aber es profitieren ja alle davon.“ Es gibt geräuschlose Tremulanten, 3000 Euro für zwei Stück. Das ist nun also das neue Ziel. „Vermutlich wird es bis dahin noch ein bisschen dauern“, meint Rainer Ruhland lachend. „Aber ich habe so lange darauf warten müssen, da kommt’s auf ein Jahr mehr oder weniger nicht an.“ az

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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