Oftersheim

Brauchtum Hans-Peter Sturm zeichnet Vorlagen für Blumenteppich an Fronleichnam / Franziska Wiltz kümmert sich um Blüten / Romreise der Ministranten als Inspiration

Papst Franziskus soll bunt erblühen

Archivartikel

Oftersheim.Viele Quadratmeter groß sind die Blumenteppiche, die anlässlich Fronleichnam die Wege vor Kircheneingängen zahlreicher katholischer Gemeinden zieren. In Oftersheim kümmert sich ein ganzes Team um den duftenden Blütenschmuck, der immer ein Bild mit Bezug zu aktuellen Kirchenjahrthemen abbildet.

Seit neun Jahren ist Hans-Peter Sturm mit dabei, wenn es um die Planung geht und ein Motiv gesucht wird. Ganz unterschiedlich fallen seine Skizzen dann aus, die von der Darstellung des Heiligen Geistes über die Kirchtürme der Seelsorgeeinheit bis hin zum aktuellen Bild mit Papst Franziskus und dem Petersdom in Rom. „In diesem Jahr beziehen wir uns auf die bevorstehende Reise der Ministranten der Seelsorgeeinheit im Juli nach Rom“, schildert Franziska Wiltz, „Blumensammlerin“, wie es zur Bildidee kam.

Im wöchentlichen Informationsblatt des Erzbistums Freiburg „Das Konradsblatt“ fand man in Ausgabe 40 ein Foto, das Franziskus im Profil zeigt, wobei er die rechte Hand ein wenig gewölbt nach oben hält. Bestens geeignet für Sturm daraus ein rundes Emblem zu zeichnen, das den Heiligen Vater quasi einladend mit der Hand zum Dom weisen lässt. Die Schrift „St. Kilian-Minis 2018 in Rom“ umgrenzt das Bild an der Außenkante.

Kaum ist die Vorlage fertig, sinniert Franziska Wiltz schon, wie man welche Fläche farblich akzentuieren kann. Sie meint: „Es hängt davon ab, welche Blumen uns gebracht werden und in welcher Menge.“ Basics wie den seit Wochen gesammelten Kaffeesatz, den Hans-Peter Sturm zum Feinzeichnen der Konturen und für Schattierungen einsetzt, der aber auch schon Grundfarbe hinter den filigran in Blüten gelegten Buchstaben war, oder Rasenkalk gibt es schon in der Wiltz’schen Garage. Rasenkalk ist mit seiner ganz hellen Beigetönung perfekt für Hautdarstellungen geeignet.

Rasenschnitt, ganz frisch vom Mittwochabend „ohne Unkraut“, wird spät von Helmut Kurz gebracht, das weiß die engagierte Franziska Wiltz schon. Federleicht eingehüllt in Gardinenstoff, der überall Luft durchlässt, wird das Grün angebracht. „Ich breite ihn dann in der Garage aus, damit er nicht zu gären anfängt, das geht nämlich ganz schnell bei dieser Witterung“, sagt Wiltz. Während schon vormittags und den gesamten Mittwoch über alle Oftersheimer Blumen aus den Gärten vorbeibringen können, treffen am Nachmittag die „Zupferinnen“ ein. Das sind die sechs bis acht Damen, die jedes Blütenblatt vom Kelch trennen und farblich vorsortieren. „Ganz gerne verwenden wir kleinblättrige Blüten aber auch große Blütenblätter von Pfingstrosen und Rosen überhaupt in allen Schattierungen von Weiß über Gelb bis Rot“, ist die Freude aufs Blumenmeer groß – und auch die Neugier darauf, mit welchen Farben man am Mittwochmorgen um 6.30 Uhr mit dem Kunstwerk beginnen kann.

Fast schon meditativ

„Gelb wäre für den Hintergrund auch schön“, malt sich Franziska Wiltz bereits das Bild im Geiste aus. Neutrale Bildteile werden mit Katzenstreu ausgefüllt, den Teppich in der Mitte des Weges gestalten die Pfadfinder, die von Annika Wothe organisiert auch früh am Morgen bereitstehen. Fast schon meditativ sitzen die (überwiegend) Mädchen, im Schneidersitz auf dem Boden und legen filigrane Bilder mit Mustern und Blumenmotiven. Noch darf das Auto von Familie Wiltz in der Garage stehen, am morgigen Mittwoch ist dort nur noch Raum für Blumen, die angeliefert werden.

„Mit einer Kaffee- und Kuchenpause klappen Zupfen und Sortieren nochmal so gut“, schildert Wiltz eine kleine Tradition am Vortag zu Fronleichnam. Für Hans-Peter Sturm geht es spät am Mittwochabend schon vor St. Kilian zu Werke, er zeichnet die Konturen des Bildes in Kreide auf, „das kann schonmal bis in die Dunkelheit dauern“, erklärt er. Das Pflaster vor der Kirche sei bestens geeignet, weil es bei der korrekten Ausrichtung des Großwerkes hilfreich ist. Das Motiv steht, die Organisation auch, jetzt braucht es nur noch die unzähligen gespendeten Blumen, damit auch 2018 ein vergängliches Kunstwerk auf den hohen Kirchenfeiertag hinweist.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional