Oftersheim

Katholische Kirchengemeinde Räume sollen deutlich abgespeckt werden / Neue Vorschriften machen viereinhalb Jahre Planungen zunichte

Pfarrhaus muss unbedingt erhalten bleiben

OFTERSHEIM.Viereinhalb Jahre ehrenamtliche Arbeit für die Tonne? Diese Frage müssen sich derzeit die Aktiven um Carmen Kurz-Ketterer und Margareta Topalovic aus dem Pfarrgemeinderat stellen. Viereinhalb Jahre haben sie alle Vorgaben erfüllt, die der katholischen Kirchengemeinde und ihren zahlreichen Gruppen Räume für Begegnungen und Aktivität sichern sollten.

Hintergrund dafür ist, dass die Umstrukturierung der katholischen Kirche auch die Seelsorgeeinheit Schwetzingen betrifft, zu der die Pfarrgemeinde St. Kilian zählt. Das sogenannte pastorale Gebäudekonzept (PGK) greift auch hier. Der Bedarf der einzelnen Kirchengemeinden wird darin – abhängig unter anderem von der Anzahl der Katholiken im Bereich – bewertet. Da die Zukunftsprognosen zeigen, dass es weniger Katholiken geben wird, muss abgespeckt werden.

Für Oftersheim und St. Kilian bedeutet das, dass man von derzeit 1600 Quadratmetern Fläche der Räume auf 540 Quadratmeter reduzieren muss. Eine Steuerungsgruppe aus Ehrenamtlichen, zu denen Kurz-Ketterer und Topalovic gehören, befasst sich seit Jahren mit der Problematik, sammelte Ideen. Über Monate wurde eine Bestandsaufnahme spezifisch für jede Gruppierung innerhalb der Kirchengemeinde erstellt. Die Gebäude und Räume sind aufgelistet, dabei auch das seit einigen Jahren sanierungsbedürftige Josefshaus, Baujahr 1900. Die vielen Gemeinderäume dort und die Wohneinheit im ersten Stock sind sicher, aber seit geraumer Zeit durch etliche Stützbalken im Kellergeschoss abgefangen.

Die hölzernen Stützen werden regelmäßig kontrolliert, die Statik geprüft: „Ganz klar, das Haus ist dank dieser Maßnahmen derzeit sicher für die Nutzung“, so Kurz-Ketterer, die dennoch darauf hinweist, dass es bereits Beschränkungen in der Personenzahl bei Veranstaltungen sowie weitere Auflagen gibt. „Ein Wasserrohrbruch wie kürzlich ist ebenfalls wenig zuträglich und zeigt das ermüdete Material.“

Es gab sieben Varianten

Im Mittelpunkt bei allen Vorschlägen und Plänen stehen die Menschen, die sich innerhalb der Kirchengemeinde engagieren, denen man Raum für ihre Treffen und Aktionen bieten möchte: „Tut man das nicht, gehen die Gruppen auseinander, unwiederbringlich“, ist sich Kurz-Ketterer sicher.

Die entwickelten Vorschläge zur Veränderung der räumlichen Not hatte Kurz-Ketterer im vergangenen Jahr beim Basar der breiten Öffentlichkeit präsentiert (wir berichteten). Sieben Varianten gab es und viel Interesse an der Problematik. Ein Hoffnungsschimmer zeichnete sich ab: Dass man bei erneuten Gesprächen im Februar dieses Jahres endlich etwas bewegen könnte, es Zustimmung zu einem der Pläne geben würde. „Es gibt neue Vorschriften“, sagt Carmen Kurz-Ketterer jetzt in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Und wenn es nicht zum Weinen wäre, müssten sie und Margarete Topalovic laut lachen angesichts der Tatsache, dass sie mit einem Mal wieder an den Anfang ihrer Arbeit zurückkatapultiert wurden.

Ein Hemmschuh ist der nun attestierte „Ensembleschutz“ von Kirche und Pfarrhaus, wodurch jede Planung auf Basis des Abrisses des Pfarrhauses zunichtegemacht sind. Es muss dort, wo es steht, erhalten bleiben. Die Tatsache, dass es weder den Brandschutzvorgaben noch der Barrierefreiheit entspricht, bleibt – für eine weitere Nutzung müsste kostenintensiv nachgerüstet werden. Ein angedachter Bau vor der Kirche links mit einem großen möglichst transparent ausgeführten Gemeindesaal ist damit auch vom Tisch. Bliebe einzig die Möglichkeit, rechtsseitig zwischen Kirche und Pfarrhaus einen Neubau mit einem Saal im Erdgeschoss und Gruppenräumen im ersten Obergeschoss zu planen, er könnte direkt am Ufer des Leimbachs entstehen.

Josefshaus für externe Nutzung?

„Dann fällt der Außenbereich des Kindergartens extrem klein aus, hinter der Kirche würden Parkplätze geschaffen, die Kirche selbst müsste an den Fundamenten abgestützt werden“, schildert Kurz-Ketterer. Das Josefshaus – 1230 Quadratmeter, derzeit von vielen Gruppen regelmäßig genutzt – würde abgerissen und einer „externen Nutzung“ zugeführt, wie es in den Plänen heißt. Also für jede andere als eine kirchliche Nutzung.

Und wieder wird es ein Kirchenfest sein, der Kirchweihsonntag am 20. Oktober, an dem es nach dem Festgottesdienst, etwa ab 12 Uhr, dieses Mal im Josefshaus, die neuesten Informationen zum Thema „Raumsituation nach Reduzierung“ geben wird. Zeitlich ist diese Veranstaltung dann bereits mitten in der Aktionsphase zur Pfarrgemeinderatswahl im Frühjahr 2010 zu sehen „und die geplante weitere Zusammenlegung der Kirchengemeinden im Jahr 2030 macht auch schon Druck“, sagt Carmen Kurz-Ketterer.

Sie und Margareta Topalovic wünschen sich, dass weltliche und kirchliche Gemeinde endlich Tacheles reden, dass viele Interessierte kommen und sich die Situation erläutern lassen. „Wir müssen klären, wo der Weg hinführt“, sagen die beiden Frauen, die kopfschüttelnd den Berg Papier ansehen, der sich bis jetzt angehäuft hat.

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