Oftersheim

Bündnis 90/Grüne Stellungnahme und Kritik zum Artikel „Bei Lärm gibt‘s jetzt Platzverweis“

„Randalieren hat Gründe“

Archivartikel

Oftersheim.Zu unserem Artikel „Bei Lärm gibt‘s jetzt Platzverweis“ von Freitag, 25. Oktober, hat uns eine Stellungnahme des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen erreicht. Sprecher Patrick Alberti kritisiert darin die Aussage von Bürgermeister Jens Geiß, dass eine mobile Jugendarbeit in Oftersheim derzeit nicht geplant sei.

„So viel Geld ,wegen ein paar Leuten, die sich nicht vernünftig benehmen können?!‘. Diese Aussage von Bürgermeister Geiß irritiert und verkennt die Tatsachen und zugrundeliegenden Probleme“, schreibt Patrick Alberti wörtlich. Junge Menschen, die nachts auf öffentlichen Plätzen lärmen, Schäden verursachen und ihnen Müll liegenlassen, gebe es schon seit vielen Jahren. Dabei handele es sich nur um einen kleinen Prozentsatz der jungen Menschen der Hardtgemeinde. Richtig sei, dass es nicht alleine Jugendliche aus Oftersheim seien, sondern auch aus der Umgebung. Es werde allerdings nichts bringen, darauf zu warten, dass das Problem sich von selbst erledigt. „Denn wenn die eine Gruppe weg ist, kommt die nächste“, schreibt Alberti.

Gleiche Startmöglichkeiten nötig

Dieses Phänomen sei viel mehr als nur ein Ärgernis. Die Anwohner würden sich aus Sicht der Grünen zu Recht über den Lärm und Müll beschweren. Aber das Problem durch Androhung von Platzverweisen allein ordnungsrechtlich lösen zu wollen, sei der falsche Weg. Denn das Problem ist aus Sicht der Grünen vor allem auch ein gesellschaftliches: „Junge Leute benötigen einerseits Freiräume zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Sie benötigen aber auch Begleitung auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Beide Faktoren werden immer prekärer“, heißt es in der Mitteilung.

Aufgrund veränderter Familienstrukturen und steigender Belastungen wie Doppelerwerb und Angst vor Statusverlusten, würden Kinder, Jugendliche und ihre Familien zunehmend Verunsicherung und Haltlosigkeit erleben, so Patrick Alberti. Es könne darum nicht alleine in der Verantwortung der Familie stehen, was aus jungen Menschen wird. Vielmehr müsse es auch die Verantwortung der Gemeinschaft sein, dass jeder Mensch die gleichen Startmöglichkeiten habe. „Und hier kann eine mobile Jugendarbeit ansetzen, die den Menschen mit Wertschätzung und pädagogischen Kompetenzen begegnet“, heißt es in der Mitteilung der Grünen.

„Mal ehrlich: Was bringt es, mit den Achseln zu zucken und das Problem zu ignorieren oder kleinzureden? Glauben wir wirklich, dass es junge Menschen gibt, die einfach so randalieren, ohne Grund? Verhalten hat immer Gründe und die liegen nicht ausschließlich in der Person alleine, sondern entfalten sich im Austausch mit ihrer sozialen Umwelt“, schreibt Grünen-Sprecher Patrick Alberti. Und weiter: „Wenn wir die Sorgen und Probleme unserer Jugend ignorieren, statt sie ernst zu nehmen, dann schaden wir am Ende unserer Gemeinschaft. Denn gerade die Kindheit und Jugend ist die Zeit, in der sich die Verantwortung für das eigene Leben und für die Gemeinschaft entwickeln.“ Dazu würden Menschen Sicherheit, Empathie, Begegnung auf Augenhöhe und Respekt benötigen.

Bloße Platzverweise würden aus Sicht der Grünen nicht weiterhelfen, sondern würden die Jugendlichen bloß an verborgenere Orte verdrängen. „Aus den Augen – aus dem Sinn? Verbote lösen hier die zugrundeliegenden Probleme nicht“, schreibt Grünen-Sprecher Alberti.

Vorschnell Tatsachen geschaffen?

„Als Oftersheimer Grünen war und ist uns eine bedarfsgerechte und moderne Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit schon immer wichtig. Darum bedauern wir auch, dass Herr Geiß hier vorschnell Tatsachen über die Presse schaffen möchte, ohne das Ratsgremium zu beteiligen“, heißt es wörtlich in der Mitteilung.

Allein auf die Kosten zu schielen, halten die Oftersheimer Grünen für kurzsichtig. „Denn wie viel ist uns in Zeiten der gesellschaftlichen Unsicherheiten und Spaltung die Zukunft unserer Jugend wert? Müssen wir hier wirklich über Geld streiten? Wir sind überzeugt, dass in der heutigen Zeit niemand aufgegeben und abgehängt werden darf, wenn wir auch in einer Zukunft, in der immer weniger junge Menschen auf immer mehr alte Menschen kommen, solidarisch zusammenleben wollen“, schreibt Grünen-Sprecher Patrick Alberti. zg/beju

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