Oftersheim

Brauchtum Kerweborscht bereiten sich auf "Tour de Leiden" vor / Gut zwei Dutzend Gaststätten stehen auf dem Plan

Schönste Boygroup geht auf Tour

Archivartikel

Oftersheim."Es liegt ein Dörflein, sanft auf den Dünen, wohl an des Leimbachs Strand", dringt kräftiger Männergesang aus dem "Übungslokal" hinterm Haus von Manfred Müller. Die Ofdascha Kerweborscht proben den Ernstfall. Sprecher Hermann Dolezal, seit 1990 in der Runde dabei, hat das "Dörflein" damals geschrieben. Roger Hillengaß mit dem Schifferklavier und Manfred Rösch mit der "Deifelsgeig", beide seit über 20 Jahren an Bord, sorgen wie immer für die musikalische Begleitung.

Helmut Spieß, mit fast 35 Jahren Zugehörigkeit der Dienstälteste im Reigen, sowie Armin Wolf und Peter Hertlein, die erst letztes Jahr als neue Besetzung hinzu kamen, singen aus vollen Kehlen mit. Bis am Samstag, 14. Oktober, um 15 Uhr die Kerwe auf dem Schulhof der Friedrich-Ebert-Grundschule mit dem traditionellen Fassbieranstich eröffnet wird, muss alles perfekt sitzen.

Kutsche gegen Auto getauscht

Das "Dörflein" sei gerade bei älteren Mitbürgern sehr beliebt, sagt Dolezal. Aber auch das "Kerwelied", in dem die Kerweborscht "ä schäni Kerwe" versprechen, werde immer gerne gehört. Nicht zu vergessen die ganz besondere Ode an die Hardtwaldgemeinde: "Das ist der Oftersheimer Wind, er wird noch wehen, wenn wir längst nicht mehr sind." Rund 40 Lieder hat die "älteste, beliebteste, schönste Boygroup", jedes Jahr scheint ein weiteres Attribut hinzuzukommen, auf der Pfanne. "Drum grüß' ich dich mein Oftersheim" wird beispielsweise auf die Melodie des Badner Liedes gesungen und kommt auch bei der diesjährigen Kerwe wieder zu Gehör.

Ein ganz neues Werk ist dagegen "Heimweh nach Oftersheim" auf die Melodie von Freddy Quinns "Brennend heißer Wüstensand". Auch dieses Stück kommt bestimmt gut an, wenn sich die Kerweborscht auf ihre "Tour der Leiden" machen.

In ihren Beinkleidern aus Cord und mit Hosenträgern und karierten Hemden sowie der Datschkapp auf dem Kopf werden sie etwa zwei Dutzend Gaststätten ansteuern. Früher waren sie mit der Kutsche unterwegs, heute wird das Auto genommen. Manfred Müller chauffiert den Tour-Bus des wackeren Septetts. Nächste Woche kommen die Jungs noch einmal zum Proben zusammen, auch dann werden noch Witze gerissen und so einige Lachsalven rausgehauen. Am Kerwesamstag geht es zunächst ins Café von Kerwemutter Else Rösch.

Vor dem Auftritt bei der Eröffnung muss eine Stärkung her. Essen und Trinken halten schließlich Leib und Seele zusammen. Es gibt Rindfleischsuppe, am nächsten Morgen winkt ein deftiges Katerfrühstück. Bei der offiziellen Eröffnung werden Rosen an die Damen verteilt und Mohrenköpfe für die Kinder. Auch das beliebte Freibier fehlt nicht. Zum hoffentlich erfolgreichen Fassbieranstich durch Bürgermeister Jens Geiß tanzen die Böhmerwälder.

Besuch im Seniorenheim

Dann geht es vom Kerweplatz durch die Gassen, mit der Schlumpel in der Schees. Die Wirtschaften stehen auf dem Programm, am Sonntagvormittag sind noch die Clubhäuser der Sportvereine dran. Und überall bekommt die Wirtin "a poor Blumme fa ihr Fendschabrett". Die Frauen der Abteilung Brauchtum des Heimat- und Kulturkreises haben schöne Sträußchen gebunden.

Auch das ASB-Seniorenheim wird heuer wieder besucht. Am Kerwe-Montag werden wie immer auch der Ältestenkreis im Siegwald-Kehder-Haus und das Café "Vergissmeinnicht" bedacht. "Kommt näher, kommt näher ihr liewe Leit", heißt es in einem Lied, das für die Kerwebeerdigung am Dienstagabend im Hof von Mannheimer Straße 59 herhalten könnte. Dann geht die Schlumpel mit der Lokalpolitik ins Gericht und erzählt, was ihr übers Jahr alles sauer aufgestoßen ist. Bei der Predigt des Kerwepfarrers kann sich die Verwaltung immer wieder auf einiges gefasst machen.

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