Oftersheim

Evangelische Kirche Levental-Trio vereint auserlesene Kompositionen verschiedener Länder und Epochen / Musiker erzeugen Emotionalität in Vollendung

Sie legen harmonischen Klangteppich

Archivartikel

Oftersheim.Mit seinem engagierten partnerschaftlichen Spiel brachte das Levental-Trio die evangelische Kirche aufs Schönste zum Klingen. Für seinen Auftritt hat es ein besonderes Programm zusammengestellt, das auserlesene Kompositionen verschiedener Länder und Epochen vereinte. Gleichberechtigt standen hier Mozart neben Stücken von Mendelssohn Bartholdy im Wechsel mit Kompositionen des Tschechen Dvorak, der Italiener Antonio B. Bruni und Enrico Toselli, des Engländers Edward Elgar oder des Russen Dmitri Schostakowitsch.

Beseelt vom diskursiven Geist der Kammermusik und gleichzeitig betörend brillant spielte das Trio mit Alexander Levental (Klavier und Orgel), Susanne Phieler (Violine) und Stephanie Phieler-Gaidarow (Viola) all diese Stücke und begeisterte damit bis zum Schluss das Publikum. Dass dieses sich trotz der Hitze getraut habe, in die Kirche zu kommen, freute Pfarrerin Sibylle Rolf, „Sie werden es bestimmt nicht bereuen“, sagte sie in ihrer Begrüßung.

Mustergültige Interpretation

Und tatsächlich: Dort, im Schutz vor der sengenden Sonne, bekam es Musik geboten, deren mustergültige Interpretation allen ein besonderes Hörvergnügen bereitete. „So etwas außergewöhnlich Schönes hört man hier selten“, war die einhellige Reaktion der Besucher.

Der gefragte Organist, Cembalist und Pianist Alexander Levental, der seit 1997 als Kirchenmusiker im Rhein-Neckar-Raum tätig ist, fiel sofort mit seinem facettenreichen Spiel auf – sowohl als Solist an der Orgel, wo er auf der Empore zwei kurze „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) zu Gehör brachte, als auch als einfühlsamer Begleiter am Klavier. Wie wunderbar aufeinander eingespielt das Trio agierte, war schon eingangs bei der Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 bis 1791) Kirchensonaten (KV 245, 67 und 224) zu hören.

Alexander Levental breitete am Klavier den harmonischen Klangteppich aus, über den die Schwestern Susanne Phieler und Stephanie Phieler-Gaidarow an ihren Instrumenten die Streichermelodie legten. Dass auch sie hervorragende Musikerinnen sind, war auch an dem souveränen, virtuosen Spiel im „Duo Concertante“ für Violine und Viola von Antonio Bartolomeo Bruni (1757 bis 1821) zu erkennen.

In vollendetem Einklang erzeugten sie an ihren Instrumenten, Susanne Phieler spielt eine Violine des Geigenbauers Amati aus dem Jahre 1671, die Bratschistin Stephanie Phieler-Gaidarow eine Viola von Antonio Sgarbi von 1903, Momente von großer Emotionalität. Das ist nicht verwunderlich, denn beide treten oft neben dem Levental-Trio auch solistisch oder in Kammerensembles auf wie dem Lupot-Streichquartett oder dem PalatinaKlassik-Barockensemble. Zurzeit spielen sie im Orchester des Nationaltheaters Mannheim.

Ergreifende Melancholie

Wie das Trio den weiteren Verlauf des Konzerts mit der berühmten „Humoreske“ und der „Cavatine“ aus „Romantische Stücke“, Op. 75, von Antonin Dvorák (1841 bis 1904) zu formen verstand, welch Melancholie die Streichinstrumente über den schlank schwebenden Klavierton sie in Edgar Elgars (1857 bis 1934) „Salut d‘amour“ und in Enrico Tosellis (1883 bis 1926) „Rimpianto Serenade“ zu gestalten vermochten, war schlicht ergreifend.

Von Dmitri Schostakowitsch (1906 bis 1975) spielte das Trio zum Schluss ein Präludium, eine Gavotte, die Walzer Nr. 1 und Nr. 3 so profiliert, so hochexpressiv, dass man Lust auf mehr solcher Klangbilder bekam. Hingerissen lauschte das Publikum in der Kirche und bedankte sich, indem es aufstand und stürmisch applaudierte. Mit zwei Zugaben, darunter einer Polka, ebenfalls von Schostakowitsch, entließ das Levental-Trio die Zuhörer wieder in den heißen Sommerabend.

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