Oftersheim

Ferienprogramm Neun Kinder und Jugendliche planen und zimmern ein Insektenhotel / Projekt ist Abschluss der Naturwoche im Jugendzentrum

Sie sind Architekten und Handwerker

Oftersheim.In der Werkstatt des Jugendzentrums riecht es nach angekokeltem Holz. Die Kreissäge fräst sich laut kreischend durch das Naturmaterial. Aus einem großen Stück werden viele kleine Blöcke. Sägespäne wirbeln in der Luft umher.

Und auch im Raum nebenan ist es nicht leiser: Verblüffend große Hämmer lassen die Kinder auf die Nägel krachen, damit später an der Holzkonstruktion nichts mehr wackelt. So klingt er - der Bau eines Insektenhotels.

Ein paar Stunden zuvor ist noch alles ruhig in den Zimmern des Jugendzentrums. Man hört nur die dicken Regentropfen aus dem wolkenverhangenen Himmel aufs Dach prasseln. Sebastian Längerer, Sozialarbeiter und Hausleiter im Jugendzentrum, blickt besorgt aus dem Fenster. Er hofft, dass bei dem Wetter am Nachmittag genug Kinder kommen, um ein Insektenhotel zu bauen. Es ist ein Herzensprojekt von ihm und zugleich Abschluss der Naturwoche beim Ferienprogramm des Jugendzentrums. "Wir machen das heute zum ersten Mal. Wir haben es zwar schon mal angeboten, aber da gab es keine Anmeldungen", erzählt Längerer.

Vorfreude auf das Ergebnis

Diesmal haben sich 14 Kinder angemeldet. Zu viele sogar, der Sozialarbeiter musste einigen absagen. "Seit das Insektensterben bekannt wurde, ist natürlich die Aufmerksamkeit bei einem solchen Projekt viel höher. Und daraus machen wir etwas Gutes", sagt Längerer stolz. Pünktlich um 14 Uhr stürmen neun gut gelaunte Kinder zwischen sieben und 13 Jahren an Längerer vorbei. Voller Vorfreude blicken sie den nächsten Stunden entgegen. "Ich wollte immer schon mal was selber bauen", erzählt der neunjährige Florian den anderen Kindern im Raum. Jakob (7) freut sich am meisten aufs Hämmern, obwohl er sich einen Tag zuvor dabei schon auf den Finger gehauen hat. "Es macht mir trotzdem am meisten Spaß", sagt er und zeigt seinen lädierten, rot-blauen Fingernagel. Marvin (10) berichtet derweilen davon, wie er einmal eine Vogelspinne auf der Hand hatte. Es ist erstaunlich, aber keines der Kinder scheint Angst vor Insekten zu haben. Beste Voraussetzungen also für die angehenden Insekten-Hoteliers.

Zum Start bekommt jeder eine quadratische Holzplatte, die später dem Hotel als Rückwand dienen wird. Erst mal den eigenen Namen drauf schreiben, damit es später keine Verwechselungen gibt, lautet die erste Aufgabe. So weit, so gut. Als Nächstes müssen die Seitenwände her. Dafür sucht sich jeder ein längeres Stück Holz und misst die Kantenlängen ab.

Dann darf gesägt werden. Wer will, probiert es selbst mit der Handsäge - immer beaufsichtigt von Längerer oder David Anderle, Mitglied im Vorstand des Jugendzentrums und beim Bau zur Unterstützung dabei. Wem der Arm zu schwer wird, kann sich sein Stück von Längerer mit der Tischkreissäge zerteilen lassen. Das ist laut und viele Späne fliegen durch den Raum. Aber es spart Zeit und Kraft.

Nägel verbiegen sich

Während manche noch mit Sägen beschäftigt sind, haben andere schon einen großen Hammer in der Hand. Krachend werden die Nägel in das Holz getrieben, um Seitenteile und Rückwand fest zu verbinden. Die Schwierigkeit: Die Nägel verbiegen sich ziemlich oft. "Dabei haben die mich im Baumarkt extra noch beraten", ärgert sich Längerer ein wenig. Doch mit ein bisschen Geduld und ein paar Nägeln mehr klappt es dann doch und die Grundstruktur steht.

Bevor die Kinder mit dem nächsten Schritt beginnen können, müssen sie sich aber erst planen, wie der Innenraum ihres Hotels aussehen wird und vor allem, welche Insekten später darin leben sollen. Denn die Tiere sind mitunter ganz schön wählerisch, wenn es darum geht, einen geeigneten Platz zur Eiablage zu finden. Wer will, kann sich ein paar Stücke Hartholz nehmen und mit der Standbohrmaschine unterschiedlich große Löcher hineinbohren. Darin fühlen sich Wildbienen wie die Mauerbiene, die Wollbiene oder auch die große Holzbiene ziemlich wohl.

Wichtig ist, dass das Holz dabei nicht ausfranst und die Löcher von den jungen Handwerkern schön sauber gebohrt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Bienen in den Röhren steckenbleiben.

Florian ist beim Bohren besonders kreativ und hat am Ende drei Blöcke; hintereinandergestellt steht auf ihnen sein Spitzname in Großbuchstaben: FLO.

Wer den Bienen ein abwechslungsreiches Ambiente bieten möchte, nimmt sich dazu noch einen Bambusstock und sägt ihn zunächst mit der Handsäge in kleine Stücke. Die achtjährige Emilia ist dabei richtig fleißig und hat sich die meisten Stücke abgesägt. Damit die Insekten aber gut in die Bambusröhrchen hinein krabbeln können, muss das Mark im Inneren des Stocks entfernt werden. Besonders gut geht das mit einem dicken Nagel und Emilia hat den Dreh schnell raus. Mit Leim werden die Bambusröhrchen zusammen mit den angebohrten Holzklötzen eingeklebt.

Bevor das Insektenhotel am Ende mit einem Drahtgitter gegen Vögel gesichert wird, füllen die Kinder den Rest der Holzkonstruktion mit Tannenzapfen auf. In deren Zwischenräumen fühlen sich besonders Marienkäfer wohl und lassen dort ihre Larven aufwachsen. Aber auch Ohrenzwicker, Falter und Motten treiben sich gerne zwischen den einzelnen Zapfen umher.

Für den heimischen Garten

Als Anja Kundel ihre Tochter Emilia um 18 Uhr im Jugendzentrum abholt, ist sie begeistert: "Es ist toll, was die Kinder gebaut haben. Ein Angebot für handwerkliches Arbeiten gibt es nicht überall, das ist mal was ganz anderes. Ich finde das schön". Emilia weiß auch schon genau, wo sie ihr Insektenhotel aufhängen möchte. Es soll im Garten an einen Baum gehängt werden.

Wichtig ist dabei, dass die offene Seite immer möglichst viel Sonnenschein abbekommt. Denn auch Insekten wollen dort wohnen, wo es hell und freundlich ist.

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