Oftersheim

Diamantene Hochzeit Hilde und Horst Fritz haben vor 60 Jahren in der evangelischen Kirche geheiratet / Vier Kinder, acht Enkel und ein Urenkel komplettieren das Glück

Sie tanzen im gleichen Takt durchs Leben

Archivartikel

Oftersheim.„Er hat immer ganz toll getanzt. Das tut er immer noch“, schwärmt Hilde Fritz vom Taktgefühl, das ihr Horst nicht nur auf dem Parkett unter Beweis stellt. Das Ehepaar feiert heute seine Diamantene Hochzeit, vor 60 Jahren haben sie in der evangelischen Kirche „Ja“ zueinander gesagt. Ein Tag zuvor fand die standesamtliche Trauung statt.

Doch den 29. August 1958 verbindet die 83-Jährige immer mit Hektik: „Damals wurden gerade die letzten Handgriffe in unserer neuen gemeinsamen Wohnung gemacht. Meine Eltern haben die Schränke eingeräumt, meine Schwiegermutter kam mit einem Wägelchen vorbei und hat die Kleider von Horst einsortiert. So war das damals. Aber es ging eben alles ziemlich unruhig zu. Deshalb feiern wir unseren Hochzeitstag immer am 30. August.“

Wege kreuzen sich in der Jugend

Die Wege des Jubelpaares haben sich schon in der Jugend gekreuzt. Horst ist im Februar 1934 in Neckarzimmern geboren. Im gleichen Jahr sind seine Eltern mit ihm und den beiden älteren Geschwistern nach Plankstadt gezogen, weil der arbeitslose Vater eine Stelle im Ausbesserungswerk in Schwetzingen fand. Die vier jüngeren Geschwister kamen schon in der Kurpfalz zur Welt.

Über 1000 Kilometer entfernt erblickte Hilde Göttel im September desselben Jahres in Katsch (heute Serbien) das Licht der Welt. Im Jahr 1944 musste die Mutter mit ihr, der Schwester und dem erst neun Monate alten Bruder die Heimat verlassen. Der Vater war noch im Krieg, später fand die Familie wieder zusammen und hat sich 1946 in Oftersheim ein neues Zuhause aufgebaut.

Die Leidenschaft von Horst und Hilde war das Turnen. Viele jugendlichen Sportler trafen sich bei Gauturnfesten. „Wir Mädchen haben im ,Adler’ in Plankstadt, wo die TSG geturnt hat, die Jungs bewundert. Die waren alle so gut gebaut“, erinnert sich Hilde Fritz lächelnd. „Wir sind uns immer wieder über den Weg gelaufen, wir hatten ja durch den Sport den gleichen Freundeskreis.“ Gelegenheiten gab es genug: Kerwetanz im Gasthaus „Kronprinzen“ in Oftersheim, Tanztee im Schlosscafé in Schwetzingen und viele andere Veranstaltungen mehr. Offenbar hatte Horst bald ein Auge auf seine zukünftige Frau geworfen. „Meine Freundin hat mich oft angestupst und gesagt: Eben guckt er wieder, gleich holt er dich zum Tanzen“, denkt Hilde Fritz gern zurück.

Doch die beiden waren noch jung, jeder ging eine Zeit lang seiner eigenen Wege – aber nie haben sie sich ganz aus den Augen verloren. Als sie 21 Jahre waren, wurde dann eine feste Beziehung aus der Bekanntschaft. Beide hatten mittlerweile ihre Ausbildung abgeschlossen: Horst Fritz als Maschinenschlosser im Großkraftwerk (GKW) in Mannheim, wo er fast 48 Jahre – bis zu seinem Renteneintritt – beschäftigt war, später als Meister und als Ausbilder.

Hilde Göttel hat in der elterlichen Schneiderei ihr Handwerk gelernt. Selbstverständlich hat ihre Mutter auch das Hochzeitskleid genäht. Horsts Anzug für die Trauung hat ihr Vater geschneidert.

Nach der Lehre hat die junge Frau bis zur Geburt der ältesten Tochter Heidi (heute 58 Jahre) bei der Kleiderfabrik Rowin gearbeitet. Die Familie vergrößerten die Söhne Ralph (55) und Udo (51), Claudia (49) komplettierte das Glück. Die Zwei-Zimmer-Wohnung im Haus der Göttel-Eltern wurde nun zu klein, es folgte 1970 der Umzug in die Dürerstraße in eine Eigentumswohnung.

Bis heute ein Turner geblieben

Horst Fritz blieb seinem Hobby sein Leben lang treu. Bis heute startet der 84-Jährige bei Turnfesten für seinen Heimatverein TSG Eintracht in Plankstadt. Auch im GKW-Chor singt er nach wie vor mit. Ehefrau Hilde widmet sich in ihrer Freizeit mittlerweile ganz ihrer kleinen Nähstube. „Die Enkel kommen gerne vorbei, wenn etwas zu erledigen ist. Aber auch sonst besuchen sie uns oft“, sind die Großeltern dankbar.

Auch dafür, dass sich die Kinder liebvoll um ihre Eltern kümmern. Alle vier wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft. „So war mein Mann immer versorgt, wenn ich mal ins Krankenhaus wegen meines Herzens musste“, weiß Hilde Fritz ihren Horst in guten Händen.

Gefeiert wird die Diamantene Hochzeit mit mehr als 60 Gästen: den Freunden, den Söhnen und Töchtern, den Schwiegerkindern, und deren Familien, den acht Enkeln Sina (28 Jahre) und Britta (24), Tim (25) und Mona (23), Nico (18) und Robin (12) sowie Jane (20) und Maris (18). Jüngster Gratulant der Rasselbande ist Urenkel Oskar, der seit 13. Juli die Familie bereichert.

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