Oftersheim

Naturspektakel Die zauberhafte Apfelplantagen-Eiswelt – eine kleine Freude in diesen Tagen für unsere Leserin Yvonne Wierer

Sie überleben vom Eise beschwert

Oftersheim.„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche. Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, im Tale grünet Hoffnungsglück.“ So beginnt Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Osterspaziergang“ aus seinem berühmten „Faust“.

Das Gegenteil passiert gerade bei den Apfelbäumen. Die warmen Temperaturen in der vergangenen Woche haben zwar auch dafür gesorgt, dass die Flora erwacht, ähnlich wie es der Dichterfürst beschreibt. Allerdings hat es sich die Natur dann doch wieder anders überlegt. Das Thermometer fällt in den Nächten wieder unter den Gefrierpunkt – und die Kälte gefährdet zarte Blüten, wie sie beispielsweise schon an den Apfelbäumen zu sprießen beginnen.

Um ein Absterben zu verhindern, besprühen die Landwirte die Zweige mit Wasser, das sich dann in der Kälte gefriert, sich wie ein schützender Mantel um die Blüten legt – und für einen wunderschönen Anblick sorgt, wenn die Szene von der Sonne beschienen wird. Das hat Yvonne Wierer beobachtet, als sie sich auf den Weg zu ihrem Garten im Oberen Wald gemacht hat – und gleich den Auslöser ihres Fotoapparats betätigt. „Diese Apfelpantagen-Eiswelt“, nennt sie es, „ist eine kleine Freude in diesen Tagen. Und hier schließt sich der Kreis: Bei Goethe ist das aufblühende Leben ein entscheidendes Motiv im „Osterspaziergang“, der ja – anders als im Gedicht – in diesem Jahr sehr wahrscheinlich dem Coronavirus zum Opfer fällt. In dem literarischen Werk hat das bunte Treiben nicht nur real – es hat auch eine übertragende Bedeutung: Plagte sich Faust soeben noch mit düsteren Gedanken, schöpft er aus diesen Beobachtungen neuen Lebensmut.

Er selbst ist aus seinen dumpfen Gemächern ans Licht getreten und sieht sich nun einer blühenden Natur gegenüber. Fast wie im richtigen Leben . . . az

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional