Oftersheim

Gemeindehaus Ausstellung und Vortrag zu Ahmadiyya-Gemeinde

Sind Muslime gegenüber unserem Staat loyal?

Archivartikel

Oftersheim.Sind Muslime loyal gegenüber einem demokratisch legitimierten Staat? Steht das Gesetz Gottes über dem Gesetz des jeweiligen Landes? Was sagt der Islam dazu? Antworten auf diese und andere Fragen gab es bei einer Veranstaltung der "Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde (AMJ)" im evangelischen Gemeindehaus. Zunächst konnten sich die überschaubare Zahl von Besuchern im Foyer anhand großer Informationstafeln über den Ursprung des Islams, seine heiligen Stätten, seine fünf Säulen sowie über die Glaubensgrundlagen der Ahmadiyya-Gemeinde informieren.

In seiner Begrüßungsansprache zeigte Ahmed Bhatti, Ansprechpartner in Oftersheim, auf, wie notwendig Aufklärung bei der derzeitigen Stimmung im Lande sei. "Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist in den letzten Jahren geringer geworden", sagte er, "das ist eine bedenkliche Situation, deshalb ist es wichtig, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft immer wieder begegnen, sich kennenlernen und ihre Ansichten austauschen." Es müsse, so Bhatti, deutlich zwischen friedlichen Muslimen und fanatischen Extremisten unterschieden werden. "Wir hoffen, dass wir mit dieser Veranstaltung dazu beitragen, Vorurteile und Ängste abzubauen. Sie soll helfen, den Mitbürgern zu vermitteln, dass die Ahmadi-Muslime zum Grundgesetz der Bundesrepublik stehen und sich loyal gegenüber dem Land verhalten."

Eintreten für ursprüngliche Werte

Danach gab er den Programmablauf bekannt, der nach der Begrüßung mit der Rezitation aus dem Heiligen Koran auf Arabisch mit deutscher Übersetzung fortgesetzt wurde. Bevor Bhatti zum Vortrag "Wir sind alle Deutschland" überleitete, stellte er ein kurzes Video der 1889 gegründeten Ahmadiyya-Gemeinde vor. Unter der Führung des rein spirituellen Khilafats tritt die Gemeinde ein für die ursprünglichen Werte des Islam, wobei schon das Wort "Islam" Frieden bedeute.

In seinem Vortrag "Wir sind alle Deutschland" behandelte der Imam und Theologe Safeer Nasir ein sehr heikles Thema, wie er sagte, und zwar, die Loyalität der Muslime gegenüber Deutschland, die immer wieder infrage gestellt wird. "Vermeintliche Beschützer des Islams und vermeintliche Beschützer des Abendlandes schaukeln sich gegenseitig hoch und drohen die Gesellschaft zu spalten." Dies leider mit Erfolg, denn jeder zweite sei der Meinung, dass vom Islam eine Gefahr ausgehe.

Ungerecht und gefährlich

"Die Extremisten beziehen sich auf eine spezielle Lesart des Islams", so der Imam, "aber diese als die einzig richtige zu bestätigen und Muslime unter Generalverdacht zu stellen, ist nicht nur eine ungerechte, sondern auch eine gefährliche Schlussfolgerung." Im weiteren Verlauf führte Nasir aus, dass sich die Ahmadiyya-Gemeinde loyal dem Land gegenüber verhält, unter dessen schützenden Schatten sie in Frieden lebt. Nicht nur, dass sie die Gesetze befolgt, sondern auch verschiedene Aktionen durchführt wie Straßensäuberungen zu Neujahr, Baumpflanzungen oder Blutspenden.

Bei der anschließenden Frage-Antwort-Runde wollte eine Besucherin wissen, ob Ahmadiyya-Gemeinde keinen Widerspruch darin sehe, dass sie einerseits behaupte, Deutschland gegenüber loyal zu sein, andererseits sich die Leitkultur nicht aufzwingen lasse. Imam Nasir erklärte darauf, dass es einen Unterschied gebe zwischen Integration und Assimilation. Sich zu integrieren, sagte er, bedeute nicht, seine Gewohnheiten, Traditionen, seine Identität aufzugeben. Die Gespräche wurden dann bei einem von der Ahmadiyya-Gemeinde vorbereiteten Buffet fortgesetzt. her

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