Oftersheim

Im Gespräch Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo spricht mit ihrem Sponsor Inter Versicherung im Urlaub in Thailand übers Meditieren, Rituale und Ziegenmilch

„Tauchen und einfach viel Spaß haben“

Oftersheim.Malaika Mihambo holte mit phänomenalen 7,30 Metern im Weitsprung in Doha WM-Gold für Deutschland. Danach flog sie direkt nach Thailand, um sich vier Wochen zu erholen. Vertreter der Inter Versicherungsgruppe aus Mannheim haben ihr jetzt persönlich gratuliert sie exklusiv ausgefragt, wie sie die WM erlebt hat, wie wichtig ihr eine gesunde Lebensweise ist und welche neuen Erfahrungen sie in Thailand sammeln möchte. Hier Auszüge aus dem Gespräch, das uns die Inter-Pressestelle zugesandt hat.

Ihre sportlichen Fähigkeiten sind immens. Wie wichtig ist Ihre mentale Stärke, um Ihr Potenzial genau auf dem Punkt abzurufen?

Mihambo: Die mentale Stärke ist eines der Dinge, die mich auszeichnen und gerade im Sport ist das entscheidend, weil man auch mal in Situationen kommt, wo es schwierig oder gar brenzlig ist – so wie am Sonntag beim Wettkampf. Ich lag nach einem schlechten und einem ungültigen Sprung auf dem 7. Platz und hatte nur noch einen Versuch, um in die Top acht zu kommen und weiter im Wettkampf dabei zu sein. Das muss man dann ausblenden – oder ummünzen, um daraus weitere Kraft zu ziehen und dann eben auch einen Sprung von 7,30 Metern zu machen.

Inwieweit hat Ihr Umfeld zu Ihrem Erfolg beigetragen?

Mihambo: Das Umfeld ist sehr wichtig. Ich weiß, dass ich von so vielen Menschen Rückhalt bekomme, sei es im Privaten als auch im Sport. Es gibt so viele, die für mich da sind, die mich nicht nur als Sportlerin sondern auch als Mensch wertschätzen. Ich bin sehr dankbar, sie in meinem Leben haben zu dürfen.

Apropos Doha: Welche Eindrücke haben Sie insgesamt gewonnen?

Mihambo: Doha war für mich ein sehr interessantes Erlebnis. Ich habe es noch nicht ganz verarbeiten und einordnen können. Es war sehr spannend zu sehen, wie so eine moderne Stadt einfach aus dem Nichts in der Wüste hochgezogen wird. Wir waren wirklich in einer City – nur Hochhäuser, so hab’ ich noch nirgendwo gewohnt. Bei mir zu Hause hat man immer viel Natur. Das mag ich lieber. Auch völlig konträr zu uns ist der Umgang mit Klimaanlagen. Alles ist stark klimatisiert. Da wird sogar bei stehenden Autos die Klimaanlage aufgedreht.

Die Kritik um den Austragungsort, die schwierigen klimatischen Bedingungen – wie sind Sie damit umgegangen?

Mihambo: Für mich waren die klimatischen Bedingungen nicht besonders schwer. Ich bin zwar mit leichten Halsschmerzen angereist, konnte diese aber vor Ort gut in den Griff bekommen. Ich bin später angereist und habe vor Ort nur drinnen trainiert. Sowohl das Stadion wie auch das Trainingsstadion waren klimatisiert, von Luftfeuchtigkeit und Hitze war nichts zu spüren. Von daher bin ich immer nur vom Hotel zum Bus oder vom Bus zum Stadion gelaufen.

Welche Feierlichkeiten standen dann in Doha noch an?

Mihambo: Es gab keine offizielle Abschlussfeier. Aber wir haben danach privat im Hotel gefeiert. Meine Mutter, sowie meine Trainingspartnerin und einige aus meinem Verein sind extra nach Doha gekommen. Das war großartig. Wir haben bis in die Morgenstunden zusammen mit Johannes Vetter gefeiert. Danach ging es direkt an den Flughafen. Es war also eine sehr kurzweilige Nacht, hat aber jede Menge Spaß gemacht.

Und jetzt in Thailand?

Mihambo: Ich freue mich sehr auf meinen Urlaub. So eine große Reise ist natürlich immer sehr aufregend. Auch zu wissen, dass man jetzt vier Wochen nicht mehr nach Hause kommt. Aber nichtsdestotrotz freue ich mich auf die neue Kultur, die neuen Eindrücke, die ich erleben werde und noch auf ganz viele schöne Momente, Begegnungen und Erinnerungen. Gerade diese Saison, in der die WM so spät war und die Olympischen Spiele vor der Tür stehen, ist es für mich wichtig, jetzt Energie und Kraft für die neue Saison zu tanken. Das habe ich letztes Jahr auch so gemacht und es hat wunderbar geklappt.

Sie sind Partnerin der Inter Versicherungsgruppe. Wie ist das für Sie?

Mihambo: Die Inter ist ein super Partner. Ich habe mich sehr über die unterstützenden Anzeigen gefreut. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit unserer noch jungen Partnerschaft.

Eishockey und die Adler sind in Ihrer Heimat beliebt. Haben Sie schon einmal ein Spiel in der SAP Arena gesehen? Oder sind Sie selbst auf Schlittschuhen gestanden?

Mihambo: Ich war 2010 bei den Weltmeisterschaften in Deutschland. Die fanden ja auch teilweise in der SAP Arena statt, da hab’ ich mir dann Eishockey zum ersten Mal angeschaut. Ich stand auch früher öfter auf Schlittschuhen. Mir macht es immer mehr Spaß selbst aktiv zu sein, als nur von außen zuzuschauen. Dennoch ist natürlich Schlittschuhlaufen auch immer mit Gefahren behaftet, dass man sich verletzt. Von daher bin ich jetzt schon seit Jahren nicht mehr Schlittschuh gefahren. Aber prinzipiell finde ich es schön, mal übers Eis zu gleiten.

Eine gesunde Lebensweise hilft jedem Menschen. Ausreichend Bewegung und Schlaf, Entspannung und ausgewogene Ernährung – gerade für Hochleistungssportler wie Sie sind das Schlüssel zum Erfolg. Worauf achten Sie bei der Ernährung?

Mihambo: Ich ernähre mich am liebsten vegetarisch und möglichst ausgewogen, also auch immer wieder tierische Produkte zu mir zu nehmen, wenn möglich in Bioqualität. Außerdem versuche ich, Kuhmilch zu reduzieren und setze stattdessen auf Schafs- oder Ziegenmilchprodukte. Was ich auf jeden Fall anfangen will, ist Saaten zu keimen, was ja auch sehr gesund sein soll. Daran, habe ich mich bisher aber noch nicht getraut. Ansonsten trinke ich natürlich viel Wasser oder Tee, esse Gemüse, am liebsten regional, biologisch und saisonal. Ich koche einfach, was mir schmeckt und lege auch gerne mal Detox-Zeiten ein, Das hilft mir, mich wieder an das gesunde Essen zu gewöhnen und es fällt mir auch leichter, dabei zu bleiben, wenn man seine Geschmacksnerven wieder auf gesunde Nahrungsmittel umtrainiert hat.

Das klingt sehr gesund, um die letzten Prozent Leistung herauszukitzeln. Wie sieht es denn an Wettkampftagen aus, ernähren Sie sich hier speziell? Haben Sie im Wettkampf besondere Rituale?

Mihambo: An Wettkampftagen ernähre ich mich immer vegetarisch, weil das einfach leichter im Magen liegt und mir ein besseres Gefühl gibt. Ansonsten esse ich nicht anders als an anderen Tagen. Wichtig ist nur, dass ich genug esse, damit ich nicht hungrig im Wettkampf stehe. Bestimmte Wettkampfrituale habe ich nicht. Ich meditiere gerne – im Schnitt fünfmal die Woche und immer vor dem Wettkampf. Zudem mache ich noch Chi-Gong-Übungen, um mich weiter zu fokussieren und die inneren Kräfte zu balancieren und auf den Punkt genau da zu sein. Ansonsten schau ich einfach, dass ich an den Tagen nur Dinge tue, die mir gute Laune bereiten, so dass ich mit einem guten Gefühl in den Wettkampf starten kann. Das mit dem Selbstabklatschen ist, um ein anderes Körpergefühl zu bekommen und mich selbst zu pushen. Ich schaue vor jedem Sprung, auch im Wettkampf, was ich jetzt gerade brauche. Bei der WM zum Beispiel war nach dem ersten Versuch mein Pulsschlag und meine Atmung sehr erhöht. Ich habe mich einfach kurz hingesetzt, Atemübungen gemacht, die Augen geschlossen und versucht, ganz kurz zu meditieren, einfach um wieder zurückzukommen – und das hat ja dann auch sehr gut geklappt.

In Ihrem Urlaub möchten Sie den Tauchschein machen. Sehen Sie dies auch als neue Erfahrung, um in eine völlig neue Welt der Entspannung „einzutauchen“?

Mihambo: Ich sehe generell jede neue Erfahrung als einen super Weg an, um sich selbst zu bereichern, den Horizont zu erweitern und noch mehr Lebensfreude zu gewinnen. Ich möchte an meinem Lebensende zurückblicken und sagen können, dass ich glücklich war und viele Dinge gemacht habe, die mich interessierten und mein Leben bereichert haben. Deshalb suche ich mir immer neue Erfahrungen, von denen ich glaube, dass sie mir gefallen könnten. Wichtig ist mir, sie zeitnah umzusetzen und nicht zu verschieben.

Von der fernöstlichen Lebensweise haben Sie ja aus Ihrem Indien-Urlaub die Meditation mitgenommen. Was möchten Sie nun in Thailand weiterentwickeln?

Mihambo: Das weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht. Ich habe gelesen, dass es dort andere Meditationstechniken gibt und mir einen entsprechenden Kurs schon rausgesucht. Grundsätzlich finde ich die Lebensweise sehr interessant und die Küche ist sehr lecker. Ich war jetzt hier in Bangkok auch in einem veganen Restaurant, das auf biologisch zertifizierte Ernährung Wert legt und keine Aromastoffe oder ähnliche künstliche Dinge zufügt. Das war so lecker. Es gibt dort glutenfreie Pancakes – die werd ich mal zum Frühstück probieren.

Info: Mehr Bilder von Malaika Mihambo in Thailand unter www.schwetzinger-zeitung.de

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