Oftersheim

Von Feigen und Wespen

Saskia Grössl weiß, welches Obst nichts für Vegetarier ist

Eine kleine Warnung vorweg: Wenn Sie gerne Feigen essen, dann lesen Sie jetzt besser nicht weiter. Manche Dinge lernt man ja erst spät im Leben – ich habe kürzlich erst erfahren, wie die Blüten des Feigenbaums befruchtet werden. Dafür braucht die Feige nämlich eine ganz bestimmt Wespenart. Die weibliche Feigenwespe kriecht – mit ordentlich Blütenstaub bedeckt – in die enge Röhre einer weiblichen Blüte der Feige. Dabei verliert sie zwar ihre Flügel, bestäubt aber die Blüte, aus der sich dann später die süße Frucht entwickelt. Die Wespe verendet und wird während des Reifeprozesses der Frucht komplett von Pflanzenenzymen abgebaut. Also befindet sich im Inneren einer jeden Feige sozusagen eine Wespe. Da ergeben sich ungeahnte Konsequenzen für Vegetarier und Veganer. Immerhin stirbt für jede Feige ein Tier! Nun bin ich keine Vegetarierin und esse daher trotzdem noch Feigen. Irgendetwas wird sich die Natur bei der ganzen Sache ja gedacht haben. Aber schlucken musste ich im ersten Moment schon. Wobei es da ja noch ganz andere Ekel-Kaliber gibt. Man muss sich nur gewisse Dokus anschauen, die diverse Tricks der Lebensmittelindustrie entlarven – womöglich noch beim Essen. Da vergeht einem garantiert der Appetit. Nicht nur, wenn man dabei erfährt, dass Fleischersatzprodukte mit demselben Stoff zusammengehalten werden, der Tapetenkleister kleben lässt. Sondern auch wenn man erfährt, dass Light-Butterprodukte nur normale Butter verdünnt mit Wasser ist – und man sich dann ausrechnet, welche Gewinnmargen die Unternehmen damit erreichen können. Dann bleibe ich doch lieber auf der natürlichen Seite und esse Feigen – auch wenn es heißt: Kann Spuren von Wespe enthalten.

 
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