Oftersheim

Geschäftsleben Heike Schottek stellt Mund-Nase-Masken her / Bürgermeister Jens Geiß unterstützt Gewerbe im Ort

„Wir nähen hier wie die Weltmeister“

Archivartikel

Oftersheim.Heike Schottek sitzt in ihrem Laden Näh-Paradies Schottek an der Nähmaschine. Wie viele andere Schneider, Privatpersonen und Stoffgeschäftsinhaber näht auch sie zur Zeit Mund-Nase-Masken. Mit der Hilfe ihrer Tochter, die die Baumwollstoffe zuschneidet und die Behelfsmasken vorrichtet, schafft sie rund 20 Stück pro Stunde. Bis spät in die Nacht sind die beiden bei der Arbeit, denn die Nachfrage ist riesig. Wenn Schottek morgens 60 bis 80 selbst genähte Stoffmasken zum Verkauf anbietet, sind sie innerhalb von zwei Stunden komplett vergriffen.

Angefangen hat alles mit einem Anruf aus der Klinik. Eine Mitarbeiterin fragte Schottek, ob sie 1000 Masken für das Klinikpersonal nähen könne. „Da habe ich gerne zugesagt“, meint sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Aus den 1000 Stück sind dann auf Anfrage 2000 geworden, die Schottek gemeinsam mit Petra Van Doorn, Bettina Möltgen und Nadja Albert-Neubert gefertigt und als Spende im GRN-Krankenhaus Schwetzingen abgegeben hat (wir berichteten). „Ich habe das gerne gemacht, weil ich den Krankenhäusern für Vieles sehr dankbar bin. Es freut mich, dass ich in der Krise diesen Beitrag leisten und helfen kann“, erklärt Schottek.

Inhaberin kommt kaum hinterher

Wenig später habe sie die Masken auch für Privatleute angeboten und jetzt komme sie mit dem Produzieren fast nicht mehr hinterher. „Wir sitzen lange da und nähen“, erklärt sie, dass sie den ganzen Tag bis spät in die Nacht im Laden verbringt. Dass die Masken so schnell verkauft werden, liegt auch am Preis. Die Schneiderin bietet sie für 5 Euro pro Stück an – nach dem Abzug von Steuern und Materialkosten bleibt da nicht mehr viel übrig. „Ich finde, dass sich jeder so eine Maske leisten können sollte – vor allem jetzt, da es Pflicht ist, sie zu tragen“, erklärt Schottek, warum sie die Mund-Nase-Masken so günstig anbietet.

„Wir nähen hier wie die Weltmeister. Beliebt sind alle Baumwollstoffe; besonders natürlich die mit bunten Motiven. Für den Verkauf nähe ich mit meiner Tochter alleine“, erzählt die Schneiderin. Wieder öffnen durfte sie ihr Geschäft, wie viele andere Inhaber kleinerer Läden, vergangene Woche. „Wir desinfizieren alles, haben auf dem Boden Abstandsmarkierungen eingezeichnet, einen Spritzschutz an der Kasse angebracht und Desinfektionsmittel an der Theke bereitgestellt“, nennt die Inhaberin einige der Maßnahmen, die getroffen werden mussten. Ob diese eingehalten werden, kontrolliert das Ordnungsamt regelmäßig.

Aber nicht nur die Mund-Nase-Masken erfreuen sich großer Beliebtheit, sondern auch Stoffe oder Gummis, die zum Nähen der Masken gebraucht werden, sind begehrte Waren. So hat Schottek innerhalb von zwei Tagen ganze 400 Meter Gummi verkauft. Unter normalen Umständen wären es in einer Woche gerade einmal 30 Meter gewesen. Ihre Preise hat die Schneiderin nicht erhöht. Zum Normalpreis gibt es Stoffe und Gummis – in der Krise ist das fast schon eine Seltenheit. Viele Geschäftsleute und Händler versuchen nämlich, aus dem steigenden Bedarf Profit zu schlagen.

„Wie unverschämt hoch die Preise sind, habe ich gemerkt, als wir Material für die Krankenhaus-Masken besorgt haben. Der Einkaufspreis pro einem Meter Gummi hat sich beispielsweise teilweise verdreifacht. Einige Händler sind aber glücklicherweise konstant geblieben“, erklärt sie, was für Auswirkungen die Krise auf den Markt hat. „Manche Kunden wollen auch große Massen an Gummi oder Stoff kaufen – das geht natürlich bei Privatpersonen nicht. Ich muss die Ware fair verteilen. Es ist schon Wahnsinn, was da los ist: Gummi und Baumwollstoffe sind der Renner“, fügt sie hinzu. Anleitungen für Masken gibt es im Internet überall, aber wenn ein blutiger Nähanfänger in den Laden kommt und um Rat fragt, setzt sich Schottek auch hin und gibt einen kleinen Schnell-Nähkurs.

Besonderer Kunde

Ein besonderer Kunde des Näh-Paradieses Schottek ist Bürgermeister Jens Geiß. „Er hat mich gefragt, ob ich Masken für die Gemeinde nähen kann – da habe ich natürlich ja gesagt. Ich finde es toll, dass der Bürgermeister das Gewerbe im Ort unterstützt und für die Gemeindeverwaltung 160 Masken bei mir bestellt hat“, erzählt Schottek.

Geiß bestehe darüber hinaus darauf, den vollen Preis für die Mund-Nase-Masken zu bezahlen. Für den Bürgermeister selbst hat Schottek eine ganz individuelle Behelfsmaske gefertigt: „Er ist mit einem Oftersheim-Brillenputztuch vorbeigekommen. Daraus habe ich dann eine Maske genäht und sie ihm geschenkt“, erinnert sie sich.

Bis sich die Situation etwas beruhigt hat, hat die Schneiderin weiterhin viel zu tun. Sie muss Stoffe, Gummis und andere Materialien bestellen und sitzt täglich viele Stunden an der Nähmaschine. „Ich bin aber sicher, dass ich da momentan nicht die Einzige bin“, sagt sie und schmunzelt.

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