Oftersheim

Umfrage Coronavirus ist das beherrschende Thema des vergangenen Jahres / Es gibt auch positive Nachrichten – Familie Geiß erwartet Nachwuchs / Gute Vorsätze bleiben häufig in der Schublade

Wunsch nach Normalität und persönlichen Treffen

Archivartikel

Oftersheim.Wenn die Kirchenglocken das neue Jahr einläuten, ist sie gekommen – die Zeit der guten Vorsätze und Wünsche. Und dieses Mal möchte man das alte Jahr mit dem Zwölf-Uhr-Schlag am liebsten vergessen. Doch so einfach ist das nicht – vermutlich wird uns das Coronavirus, das in unserer Umfrage natürlich das alles beherrschende Thema ist, noch eine Weile begleiten. Doch es gibt noch mehr.

Jens Geiß (Bürgermeister): Wir alle haben in diesem Jahr gemerkt, dass Gesundheit über allem steht. Das wünsche ich auch allen Bürgern.

Kommunalpolitisch freue ich mich über die bedeutende Entscheidung für Tempo 30 ganztags im Ortsgebiet, was ja durch den Lärmaktionsplan jetzt Realität wird. Aber das wird auch erst im Laufe des Jahres umgesetzt werden. Und auch die Eröffnung des gemeinsamen Domizils von Freiwilliger Feuerwehr und Rotem Kreuz ist ein sehr positives Ereignis – auch wenn sich die Eröffnung sicher anders darstellen wird, als wir uns das vorgestellt haben. Aber das Fest können wir ja nachholen, wenn es die Umstände wieder erlauben. Es ist auf jeden Fall toll für die Feuerwehr und das Rote Kreuz, wenn sie ihre Vorstellungen verwirklicht sehen.

Meine guten Vorsätze sind die Klassiker: Ich will mich mehr bewegen und auf mein Gewicht achten. Und in persönlicher Hinsicht steht uns im Juni ein freudiges Ereignis ins Haus: Bald sind wir zu fünft – Lilli und Lotta bekommen ein Geschwisterchen. Das wird natürlich das absolut beherrschende Thema in unserer Familie sein.

Michael Seidling (Fraktionschef der Freien Wähler): Mein größter Wunsch sind wieder normalere Zeiten als diese komischen im Moment. Die Hoffnung, dass sich die Welt als Folge der Pandemie entschleunigt, hat sich ja nicht bewahrheitet. Die Unvernunft der Menschen bewegt mich schon – wenn man sieht, was beispielsweise in den Skigebieten los ist oder wie eng die Kunden wieder vor den einzelnen Geschäften in der Schlange stehen. Auch von Partys, die die Polizei auflösen muss, liest man ja häufig. Von Abstand kann da in vielen Fällen keine Rede mehr sein.

Kommunalpolitisch ist es erfreulich, dass das gemeinsame Domizil von Freiwilliger Feuerwehr und Rotem Kreuz bald fertig wird und auch die Schimper-Gemeinschaftsschule auf der Zielgeraden ist.

Aber das Wichtigste, das haben wir in diesem Jahr gelernt, ist die Gesundheit.

Annette Dietl-Faude (CDU-Fraktionschefin): Mit den guten Vorsätzen ist das immer so eine Sache. Neujahr ist zwar ein neuralgisches Datum, aber man sollte doch im Laufe des Jahres immer wieder reflektieren, was man sich vorgenommen hat. 2020 war das für mich soweit in Ordnung, was meine Familie und mein Umfeld betrifft. Einzig der Sport ist zu kurz gekommen. Im Zuge von Corona hält man sich halt überwiegend daheim auf und das spüre ich in allen Knochen. Das will ich ändern.

Was die politische Arbeit angeht, versuche ich, ruhiger zu werden und weniger emotional zu sein, obwohl das ja ein Zeichen dafür ist, dass man mit Herzblut an eine Sache geht. Trotzdem habe ich mir mehr Gelassenheit vorgenommen. Mein Wunsch ist, dass sich die Pandemie-Situation entspannt, dass wir alle wieder mehr am Leben teilhaben können. Schön wäre es auch, wenn die Menschen mehr Durchhaltevermögen und mehr Vernunft zeigen und zur Einsicht kommen würden, dass sie sich einschränken müssen. Wir sollten demütiger werden und scheinbare Selbstverständlichkeiten, die das Leben ausmachen, nicht einfach als gegeben betrachten.

Glücklicherweise habe ich für meine Eltern und meine Schwiegermutter schon Impftermine bekommen. Es wäre schön, wenn wir eine große Akzeptanz für die Impfung bekommen, da Hochrisikogruppen wie Senioren und medizinisches Personal schnellstmöglich geschützt werden können. Und dann wünsche ich mir, dass die die Pfleger dauerhafte Wertschätzung – auch in finanzieller Hinsicht – erfahren.

Patrick Schönenberg (Grünen-Fraktionschef): Persönliche Begegnungen – das ist mein zentraler Wunsch für das Jahr 2021. Das meint für mich einerseits natürlich, dass wir der Pandemie durch klug genutzte Wissenschaftsexpertise und verantwortungsvolles Handeln als Gemeinschaft begegnen. So werden uns endlich wieder echte Begegnungen, vertrauensvolle Gesten in direkter Kommunikation und freundschaftliche Nähe möglich, auf die wir sehr lange verzichtet haben. Das meint aber auch persönliche Begegnungen, die auch bei unterschiedlichen Ansichten fruchtbare direkte Auseinandersetzungen ermöglichen, wodurch wieder mehr wechselseitiges Vertrauen und Gestaltungsraum entstehen. Für unsere Kinder und Lehrenden wünsche ich, dass mutige Konzepte entstehen, die alle Kinder lernförderlich unterstützen, ohne sie unnötig unter Druck zu setzen, Versäumtes im Eiltempo nachholen zu müssen und dass sie Schule wieder unbefangen als direkten Lern- und Begegnungsraum erleben dürfen.

Jens Rüttinger (SPD-Fraktionschef): Mein Wunsch für die Familie: Gesundheit und Zufriedenheit. Für Oftersheim: Dass viele Projekte, die schon angestoßen sind, auch umgesetzt werden. Für uns alle: Dass sich viele Menschen impfen lassen, damit wir das Virus in den Griff bekommen und schnell wieder zur Normalität zurückkehren. Dass es mehr Solidarität und Verteilungsgerechtigkeit gibt und dass wir aufeinander achtgeben. Und schließlich: Offenheit für Fremde, die die Kultur bereichern, aber wir dürfen darüber unsere Wurzeln nicht vergessen.

Ganz wichtig ist Frieden auf der Welt – aber auch in der Nachbarschaft. Man sieht, dass wir für den Frieden, der für Europa normal ist, kämpfen müssen. Machthaber und Regierungschefs in Diktaturen wie in Belarus und China, aber auch in Ländern wie Ungarn, Polen und der Türkei, schüren Angst.

Peter Pristl (FDP-Fraktionschef): Vorsätze habe ich keine. Ich bin ja seit zwei Jahren in Pension und da habe ich im vergangenen Jahr schon einige Dinge umgesetzt, die ich mir zuvor für diese Zeit vorgenommen hatte – ich habe mit dem Rauchen aufgehört und treibe zudem auch wieder mehr Sport. Ich wünsche mir, dass es mit diesem Sch . . .virus endlich ein Ende hat – obwohl ich keine Hoffnung habe, dass wir so bald ohne Maske auskommen werden. Bisher weiß ja keiner genau Bescheid, ob man nach dem Impfen immer noch infektiös sein kann. Solange da keine Sicherheit herrscht, werden wir auch ohne Mund-Nase-Bedeckung nicht auskommen. Mit macht das nichts aus. Was wir brauchen, ist Normalität, irgendwas zwischen Querdenken und Panik. Man sollte einfach seinem gesunden Menschenverstand folgen. Aber viele denken nur an sich.

Rüdiger Laser (Feuerwehr-Kommandant): Ich wünsche mir, dass Ruhe einkehrt und dass wir die Pandemie in den Griff kriegen, damit wieder zwischenmenschliche Begegnungen möglich sind. Das fehlt mir doch sehr – sowohl im privaten Umfeld als auch bei der Feuerwehr. Und dann ist es wichtig, dass wir alle gesund bleiben und zufrieden. Für gute Vorsätze bleiben leider kein Platz und keine Zeit, weil ich so viel zu tun habe. Im Geschäft (Heidelberger Druck; Anm. d. Red.) müssen wir uns gleich im neuen Jahr mit den Folgen des Brexit beschäftigen, da wird es zu großen Veränderungen kommen.

Ansonsten hoffe ich, dass die Wetterphänomene im kommenden Jahr nicht so heftig zuschlagen, damit sich die Natur ein bisschen erholen kann. Da sieht es im Moment ja nicht so gut aus.

Ralf Lackner (Vorstandsmitglied des Förderkreises Wildgehege und Fotograf für unsere Zeitung): Vorsätze habe ich nicht, weil ich die nicht einhalte. Ich habe nur den Wunsch, wieder mit anderen Menschen zusammenzukommen, sobald die Fallzahlen das hergeben. Ich möchte auch bald wieder mit meiner Frau in den Urlaub nach Italien fahren. Ich schaue mir jeden Tag den Campingplatz, auf dem wir immer sind, auf der Webcam an.

Ich würde mir wünschen, dass die Impfdosen so flächendeckend zur Verfügung gestellt werden, wie Bedarf ist. Wenn wir aber über Einschränkungen für diejenigen reden, die noch nicht geimpft sind, obwohl sie das gerne möchten, finde ich das nicht in Ordnung. Ich befürchte, dass sich die Geimpften zu sorglos in der Öffentlichkeit bewegen, obwohl wir noch nicht wissen, ob sie trotz Immunität das Virus weiterverbreiten können.

Dimi Chrisafis (Jugendleiter der SGO): Im Bereich Sport wünsche ich mir, dass wir es durch die Impfungen schaffen, bis Mitte oder Ende des Jahres 2021 wieder einen geregelten Spielbetrieb ermöglichen zu können. Persönlich wünsche ich allen Bürgern und Mitmenschen Gesundheit und vor allem größtmögliche Vorsicht, weil bei diesem heimtückischen Virus keiner weiß, wie er oder sie selbst darauf reagiert, wenn man sich infiziert hat.

Da ich beruflich als Physiotherapeut auch auf einer Intensivstation arbeite, weiß ich um die aktuelle Lage und hoffe, dass die Fallzahlen bald wieder sinken und wir irgendwann wieder zu einer Normalität zurückkehren können.

Markus Lauff (Vorsitzender des TSV 1895 Oftersheim): Schön wäre es, wenn wir bald wieder zu einem normalen Vereinsgeschehen zurückkehren könnten. Ich meine damit nicht nur den Sport, sondern auch den gesellschaftlichen Aspekt des Vereinslebens, der fehlt. Das geht nicht nur mir so. Ich wünsche mir, dass die Solidarität, zu der wir privat und beim TSV gefunden haben, erhalten bleibt. Ich finde das sehr beeindruckend, wie viele Menschen sich beispielsweise bei unserer Aktion „TSV hilft“ engagieren und helfen wollen, obwohl sie keine Vereinsmitglieder sind. Ich selbst habe tatsächlich einen guten Vorsatz (lacht): Ich möchte wieder mehr Sport treiben und auch als Mitglied im Verein aktiv sein.

Isabel Schönfelder (Studentin der Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen und freie Mitarbeiterin unserer Zeitung): Dieser Jahreswechsel ist natürlich irgendwie etwas außergewöhnlich – für mich war 2020 ein turbulentes Jahr mit zahlreichen Erlebnissen, die ich mir niemals hätte vorstellen können (im positiven wie auch im negativen Sinne). Ich versuche trotzdem, diesen Jahreswechsel nicht so zu manifestieren, als würde jetzt schlagartig alles besser werden. Aber ich versuche, optimistisch ran zu gehen und mir vorzustellen, was vielleicht im Sommer schon wieder möglich sein könnte . . .

Ich wünsche mir mehr Leichtigkeit – und allem voran wieder meine Omas und Freunde richtig sehen und ganz fest umarmen zu dürfen! Wahrscheinlich warten wir alle auf das „Danach“, wenn wir wieder ohne die ständige Angst vor der Verbreitung des Virus leben werden, an einem lauen Sommerabend in großer Runde am See sitzen, Reisen, unsere Liebsten sehen und gemeinsam Dinge unternehmen können.

Ob das wohl 2021 schon kommt? Das können wir uns zumindest wünschen – mal schauen, ob es in Erfüllung gehen wird . . .

Yvonne Wierer (Leiterin des Arbeitskreises Volkskunde und Brauchtum beim Heimat- und Kulturkreis): Ich fasse nie Vorsätze, die werden ohnehin nicht eingehalten. Ich wünsche mir aber, auch für unseren Arbeitskreis, dass wir uns endlich wieder treffen können und etwas läuft. Gerade die Älteren vermissen die persönlichen Zusammenkünfte sehr. Wir halten zwar per E-Mail Kontakt, aber das ist eben doch nicht dasselbe.

Das Allerwichtigste ist aber, dass wir alle gesund bleiben. Sonst bin ich zufrieden mit allem. In der Familie ist alles in Ordnung – und das ist es doch, was zählt. Bilder: privat/Nowey

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional