Plankstadt

Im Interview: Bürgermeister Nils Drescher spricht über die Herausforderungen 2021 / Beim barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen wird Vollsperrung nötig

Bauen, bauen, bauen steht in Plankstadt auf dem Plan

Plankstadt.Trotz Corona hat sich 2020 einiges in der Gemeinde bewegt. Angefangen vom Umzug der Verwaltung in die Containeranlage, dem Abriss des Rathausanbaus bis hin zur wegweisenden Entscheidung rund um die Mehrzweckhalle ist einiges passiert. Wie sehen die Pläne für das neue Jahr 2021 aus? Was steht an, was muss erledigt werden, welche Entscheidungen könnten getroffen werden? In einem exklusiven Interview mit unserer Zeitung zum Jahresbeginn erklärt Bürgermeister Nils Drescher (Bild), wie es mit den einzelnen Projekten weitergeht, wie dabei die Finanzen aussehen, wie das Jubiläum geplant ist und was er sich persönlich für 2021 wünscht.

Herr Drescher, was sind Ihre Ziele für die Gemeinde im Jahr 2021?

Nils Drescher: Das kann man in der Corona-Krise ja gar nicht so richtig formulieren. Corona ist ein ganz großes Fragezeichen. Das Ziel ist, dass wir die Pandemie mit dem Lockdown und den begonnenen Impfungen wieder in den Griff bekommen, damit man sich überhaupt Ziele setzen kann.

Welche Herausforderungen muss die Gemeinde 2021 meistern?

Drescher: Bauen, bauen, bauen (lacht). Und das Jubiläum als großes Projekt. Wir haben auch 2020 wieder viel auf den Weg gebracht und das muss jetzt auch umgesetzt werden. Unser Bauamtsleiter Andreas Ernst wird durch einen zusätzlichen Techniker temporär verstärkt werden, der zum 1. März bei uns anfängt. Dabei geht es ja nicht nur um die großen Projekte wie Mehrzweckhalle, Rathaussanierung, Gewerbegebietserweiterung „A!real III“, Neubaugebiet Kantstraße-Nord, Ortseingang West oder das Umfeld des Rathauses, das neugestaltet werden soll. Es sind auch viele kleine Projekte wie der Parkplatz bei der Post, der Kreuzungsbereich von Waldpfad/Schwetzinger Straße, der Friedhof, das Archiv muss umgezogen werden und so weiter. Außerdem bleibt uns die Coronakrise als zusätzliche Aufgabe weiter erhalten.

Gibt es Themen, die aus Ihrer Sicht 2020 liegengeblieben sind wegen Corona?

Drescher: Nein. Das habe ich einer hervorragend funktionierenden Verwaltung zu verdanken. Dass fast nichts liegengeblieben ist, ging aber zulasten der Kolleginnen und Kollegen, die über die Belastungsgrenze hinaus gearbeitet haben. Davon war auch keiner ausgenommen, denn alle Abteilungen hatten mit Corona zu tun, beispielsweise auch die Kämmerei mit der Umsatzsteuersenkung oder den vielen Hilfsprogrammen. Hier sind wir erst in der Vorbereitung des Haushaltsplans 2021, weil wir da noch abwarten, bis wir genauer einschätzen können, wie sich die Zuweisungen und Umlagen entwickeln.

Ein großer Punkt 2020 war die Entscheidung rund um die Mehrzweckhalle. Wie geht es da jetzt weiter?

Drescher: Da ist vor wenigen Tagen die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen zu Ende gegangen. Jetzt sichten wir die eingegangenen Angebote. Ende Januar soll dann gemeinsam mit den Fraktionssprechern das Auswahlgespräch geführt werden, so dass ich davon ausgehe, dass wir im März oder spätestens im April im Gemeinderat die Planungsleistungen vergeben können. Bis sich konkret etwas tut, das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir brauchen ja auch für die Hallenumgebung einen stimmigen Bebauungsplan, das dauert einfach seine Zeit.

Ein Thema, von dem ich das Gefühl hatte, dass es etwas zu kurz kam wegen Corona, ist die Jugendbeteiligung. Es wurde zwar beschlossen, einen Jugendbeirat zu gründen. Gibt es da schon Interessenten?

Drescher: Wir versuchen, die zwölf Interessenten, die es gibt, bei Laune zu halten. Aber die Gründungsveranstaltung mussten wir schon mehrfach wegen Corona verschieben. Zuletzt wollten wir im November zusammenkommen. Dann haben wir die Veranstaltung für Ende Januar vorgesehen, aber auch da werden uns wahrscheinlich der Lockdown und die Infektionszahlen in die Quere kommen. Schade.

Ein weiteres Thema, dem Corona zu schaffen macht, ist die Kultur. Das Kulturforum wurde ja bis Ende 2021 auf Eis gelegt. Keiner kann sagen, wann Corona-bedingt wieder Veranstaltungen möglich sind. Was könnte da 2021 außer dem Jubiläum noch passieren?

Drescher: Das Jubiläum ist schon ein großes Event für uns. Wenn man als Gemeinde eine solche große Veranstaltung plant, muss man schauen, wo die Ressourcen dafür herkommen. Wir haben ja eine ganze Festwoche gestaltet, da kommen bekanntere Künstler nach Plankstadt, die hier normalerweise nicht auftreten. Daneben haben wir einige besondere Projekte. Danach wollen wir die ganz normale Arbeit mit Kulturprogramm in der Bücherei und Ausstellungen wieder starten, abhängig von der Infektionslage. Für Ende 2021 ist zusätzlich ein Konzert mit dem Knabenchor Dubna und der jungen Philharmonie des Rhein-Neckar-Kreises geplant. Statt der traditionellen werden 2021 also hoffentlich eher außergewöhnliche Events stattfinden.

Wie läuft der Rathausbetrieb in den Containern, der ja 2020 dorthin umgezogen ist und wie geht es mit der Sanierung des alten Rathauses voran?

Drescher: Ich bin glücklich mit meinem kleinen Raum und die Mitarbeiter sind auch zufrieden. Die Parksituation ist besser. Ich denke, dass sich das Arbeitsklima durch das Zusammenrücken noch verbessert hat. Beim Rathausneubau ist die Attika, also die Umrandung des Dachs, fertig gegossen. Der Dachdecker wird dann demnächst mit der Dachabdichtung beginnen können, sofern die Witterung das zulässt. Dann kommt der Innenausbau.

Wie läuft der Umbau beim alten Sparkassengebäude direkt gegenüber?

Drescher: Die Abbrucharbeiten haben schon stattgefunden, die Fassade ist weg, die Mauer am Eingang ebenfalls sowie die Holzverkleidungen innen, die ehemalige Schalterhalle ist entkernt. Im September soll die Eröffnung des neuen Bürgerbüros sein.

Stichwort Einkaufssituation: Der geplante Edeka-Markt mitsamt Rossmann-Drogerie wird kommen. Der Wochenmarkt wird gut angenommen. Was würden Sie sich noch wünschen?

Drescher: Die Baugenehmigung konnte ich noch vor Weihnachten an Edeka übergeben. Ich rechne, dass die beiden Märkte Anfang 2022 öffnen können. Für den Wochenmarkt wünsche ich mir weiterhin hohe Besuchszahlen. Es ist derzeit sicher richtig, im Freien einzukaufen. Zudem ist das Angebot auf dem Markt momentan sehr gut, ich wünsche mir nur, dass dies auch so bleibt.

Was für viele sichtbar ist, ist der Kreiselneubau. Was ist dort noch zu tun?

Drescher: Es ist nicht nur der Kreisel, der neu gebaut wird. Die Maßnahme ist wesentlich umfangreicher, es werden auch die Kanäle und Versorgungsleitungen sowie die Straßendecken im Umfeld erneuert. Die ersten zwei Abschnitte mit der Schönauer- und der Schubertstraße sind beendet. Momentan liegen wir etwas vor dem Zeitplan, die Arbeiten gehen jetzt weiter. Ab Mitte Januar wird eine Vollsperrung der Schwetzinger Straße notwendig werden, um die notwendigen Sicherheitsabstände für die Bauarbeiter gewährleisten zu können. Das hat aber den Vorteil, dass wir den Zeitplan noch einmal verkürzen können. Als Nächstes ist der barrierefreie Ausbau der Bushaltestellen dran. Wir gehen davon aus, dass wir bereits im Juni fertig sein könnten. Wie das Innere des Kreisels gestaltet wird, müssen wir allerdings erst noch entscheiden, da wird es noch einen Wettbewerb geben. Erst einmal werden wir ihn temporär nutzen, um auf unser Jubiläum 1250 Jahre Plankstadt aufmerksam zu machen.

Wie stehen die Finanzen bei all den Projekten und wie stark hat Corona darauf Einfluss?

Drescher: Corona hat 2020 wenig Auswirkungen gehabt, da Land und Bund ja eingesprungen sind für die Einnahmeausfälle. 2021 wird das anders sein, auch wenn Experten davon ausgehen, dass sich die Wirtschaft sehr schnell wieder erholen wird. Unsere Liquidität ist derzeit hoch, trotz der Investitionen. Wir haben im Gewerbegebiet eine hohe Nachfrage an Grundstücken, so dass dort wieder Einnahmen kommen, desgleichen auch im Neubaugebiet „Kantstraße Nord“. 2019 haben wir einen sehr hohen Überschuss erwirtschaftet. 2020 werden wir keine Verluste gemacht haben. 2021 wird sicherlich ein eher mageres Jahr und 2022 geht es dann aber hoffentlich wieder fast auf dem alten Niveau weiter.

Könnten beim öffentlichen Nahverkehr Verbesserungen kommen?

Drescher: Wir sind da in der Abstimmung mit allen anderen Gemeinden, die noch im Linienbündel sind. Wir haben die Beratungen abgeschlossen und für Plankstadt kann ich sagen, dass wir zufrieden sind mit den Plänen, die die relevanten Probleme in unserer Gemeinde lösen werden. Weiter äußern kann ich mich aber erst, wenn nach den Ausschreibungen auch der Zuschlag erteilt ist, damit kein Betreiber Vorteile hat.

2020 wurde eine erneute Erweiterung des Gewerbegebiets beschlossen. Ist damit Schluss?

Drescher: Nein, es gibt grundsätzlich noch zwei Hektar im Flächennutzungsplan. Aber für mich persönlich ist damit Schluss. Ich denke, wir haben jetzt genug getan. Es muss ja auch noch etwas für die nächsten Generationen zu tun geben. Aber der Bedarf ist schon da. Wir haben über 30 Bewerbungen für die neuen Grundstücke, die wir jetzt auswerten.

2021 stehen die Jubiläumsfeierlichkeiten an. Wie wird es gehandhabt, wenn Veranstaltungen wegen Corona nicht möglich sein werden?

Drescher: Wenn es keine Veranstaltungen geben darf, wird es keine Veranstaltungen geben. Wir haben alle Verträge mit einem Rücktrittsrecht abgeschlossen, so dass wir ruhigen Gewissens im April oder Mai entscheiden können, was wir tun. Wir haben auch einen Caterer gefunden, so dass soweit alles organisiert ist. Wir gehen nicht davon aus, dass die Veranstaltungen komplett ohne Hygieneregeln stattfinden können. Wir haben aber ein Sitzplatzkonzept und sind froh, dass wir ein Festzelt mit Biergarten haben. Es könnte sein, dass wir für die Veranstaltungen eine Zutrittsbeschränkung bekommen, dann müssen sich unsere Gäste auch bei den kostenfreien Events anmelden.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, der 2021 garantiert in Erfüllung ginge, was wäre das?

Drescher: Ich wünsche mir, dass in Plankstadt kein Corona-Opfer mehr dazukommt und wir das Jubiläum feiern können.

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