Plankstadt

Vernissage Heinz Claßen zeigt „Querschnitte“ im Gewölberaum / Ausdrucksstarke Porträts und Gewalten der Natur / Farbstudien sorgen für Gesprächsstoff

Bilder aus jeder Schaffensphase des Künstlers

Archivartikel

OFTERSHEIM.Heinz Claßen stellte seine Kunst selbst vor, war sein eigener Laudator bei der Vernissage im Gewölberaum, die eine Ausstellung zeigt, wie sie der Brühler noch nicht bestückt hat. „Die Bilder stammen aus all meinen Schaffensphasen“, erzählte er den geneigten Zuhörern – Familie, Freunde, Weggefährten, Künstlerkollegen, sind gekommen.

„Der Ausstellungsraum gab es her, richtige Themenabschnitte zu hängen“, zeigte sich der Maler, der auch gerne experimentiert, begeistert. Die ersten Versuche in Öl auf Leinwand, die das erhoffte Idyll nach den Kriegen abbildet, schmücken einen der Bereiche, die der heute 82 Jahre alte ehemalige Maschinenbau-Ingenieur als Jugendlicher gemalt hat: „Sie hingen in der Wohnung meiner Mutter“, verriet er, dass diese Bilder nicht verkäuflich sind.

Symbol der Demenz

Das gilt auch für den Zyklus „Werden – Sein – Vergänglichkeit – Vergehen“, jene vier kleinformatigen Studien, die nur am Vernissage-Abend zu sehen waren. Die erste zeigt das Antlitz von Claßens Enkelin, das letzte das einer gealterten Frau, deren Blick ins Leere gerichtet ist: „Das symbolisiert die Demenz, das Vergessen“, erklärte Claßen. Neben den ausdrucksstarken Portraits sind es die Gewalten der Natur, denen sich der Künstler nicht entziehen kann. Dank der vielen Reisen: „Viele Leute wissen gar nicht, dass ich einmal ein Jahr lang Afrika mit dem Camperbus bereist habe“, plaudert Claßen darüber, dass er mal raus musste aus dem Alltagstrott.

Inspiriert von der Umwelt

Inspiriert habe ihn aber immer seine Umwelt, gleich, wo er sich gerade befand. Sein Job brachte ihm viele Auslandsreisen, aber auch privat zog es ihn immer an Orte, deren Natur, deren Menschen ihn begeisterten. Unzähliges Foto-Material gibt es im Hause Claßen, einige der Bilder sind mit Bleistift, Kohle oder Pinsel zu Hinguckern auf Leinwand geworden. „Vor Kurzem habe ich mit meiner Enkelin Osterhasen aus Holz gebastelt“, merkt der Kunstschaffende zu einem kunterbunten Objekt an. Das hölzerne Reststück der Bastelarbeit bot den ungleichförmigen Rahmen für die kleinen Holztäfelchen, die für den Farbauftrag, quasi als Paletten dienen. Scheinbar wahllos angeordnet ergeben sie eine Fülle an Farbe, an Klecksen, die das Anschauen lohnen und vorm geistigen Auge teils gar figürlich werden.

In den Bann ziehen zudem die schwarz-weiß in Tusche skizzierte „Nordsee“ oder die ins Auge springende „Lavaspalte in Island“. Sehr gerne erinnert er sich an die frühe Zeit seiner Reisen, an die 1950er Jahre, wo er „Venedig ohne diesen Extremtourismus“ entdecken konnte oder auch die unendliche Weite Alaskas. Derart vielschichtig geprägt, wurde ihm „Ölmalerei zu langweilig“, in der Acrylfarbe und Acryltechnik fand er eine Ausdrucksart, die ihn bis heute begeistert.

So sind es auch die zahlreichen Farbstudien, die sich in den Werken finden, die für Gesprächsstoff unter den Gästen sorgen, die die „Querschnitte“, wie die Ausstellung titelt, etappenweise genau unter die Lupe nehmen. „Eine Schau, die dem Kleinod Gewölberaum eine atmosphärische Note verleiht“, fasste Bürgermeister Jens Geiß treffend zusammen.

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