Plankstadt

Kruuschd- und Krempelmarkt Einkäufer unterstützen die Notgemeinschaft / Alle Tische und Ständer im Gemeindezentrum sind voll

„Bürger bringen eine Wahnsinnsmenge“

Archivartikel

PLANKSTADT.Beim ersten Kruuschd- und Krempelmarkt im Gemeindezentrum gibt es Kurioses, Nützliches, was zum Hinschauen, Anziehen und Benutzen. Wer am heutigen Freitag ab 18 Uhr zum Einkaufen kommt, der unterstützt die Notgemeinschaft des Ortes.

Wir waren am Dienstag beim Abgabetag und haben echte „Schätzchen“ entdeckt und erfahren, warum die Leute ihre Sachen hergeben. Christina Wrhel schüttelt gerade eine Bluse aus, die ist schwarz und hat ein überwiegend rotes Fantasiemuster: „Die hatte ich mal gerne an, jetzt hängt sie schon lange im Schrank.“ Wrhel hat auch einige kleine und größere Blumenvasen dabei. „Die sind von Oma, haben immer in der Vitrine gestanden oder auf dem Tisch mit Blumen drin“, ein Exemplar aus weißem Porzellan ist mit dem Heidelberger Schloss als Malerei verziert: „Die sieht man nicht mehr oft“, meint Wrhel. Kleinere Väschen aus Kristallglas wandern zudem aus ihrer Tasche auf den Verkaufstisch: „Ich komme aus der Gegend zwischen Dresden und Leipzig und weiß, dass die echt alt sind.“

Aus der Abteilung „Kurioses“ sticht ein Hotelanhänger hervor, in leuchtendem Gelb, darauf steht vorn „Hotel Mama“, hinten die unmissverständliche Bitte aufzuräumen, weil das Wlan nicht mehr durchkommt. Was die Geberin dieses netten Exponats äußert? Nun ja, wenig begeistert hat sie den Anhänger als ehemaliges Geschenk an ihre Kinder im „Kruuschd“ daheim gefunden.

Zwischenzeitlich haben die fleißigen Sortierer alle Hände voll zu tun, wickeln Porzellan und Glas aus Zeitungspapier und stellen fest, dass einige Umzugskisten abgegeben wurden, in die schon länger keiner mehr hineingeschaut hat. Winfried Wolf gehört zum Team und amüsiert sich köstlich über manchen Fund, etwa aus der Elektro-Ecke, wo Mini-stereoanlagen neben Kaffee-, Brotschneidemaschinen und Faxgeräten auf Käufer warten.

Preise aus dem Internet

„Die Brürger bringen eine Wahnsinnsmenge“, sagt Wolf und räumt weiter aus: Motivteller mit Bildern von Menschen aus allen Ländern der Welt, ein Getränkeservice im Maiskolbenlook und das feine weiße Leinen mit Häkelspitze aus der Aussteuerkiste. Im Internet schaut er bei manchen Sachen nach, wie sie gehandelt werden, zum Beispiel die Minox-Kamera und die Zeiss Ikon, beide vollständig und funktionstüchtig, das hat Wolf geprüft.

Doris Etzler gehört zu den Organisatoren und bringt die Kleidungsstücke auf Bügel an die Ständer und sauber gefaltet auf den Tisch. Sie lobt: „Alle Sachen sind gewaschen, teilweise neuwertig“, das gelte auch für die Schuhe.

Till kommt mit Oma Margot Heinrich schon zum zweiten Mal – und wieder sind beide mit Taschen beladen. „Da sind einige Fehlkäufe dabei“, schildert Margot Heinrich, dass sie Schuhe gekauft habe, aber sie dann doch nicht getragen hat – drei Paar aus der Gattung Pumps und Co. packt sie aus, schwarz, rot und nude sind die Farben, Größe 40. Helles Aprikot schimmert aus einer der Taschen heraus, beim Auspacken wird ein Designerblazer von „Madeleine“ sichtbar. Dazu passt der anthrazitfarbene Hosenanzug, den hatdie ehemalige Lehrerin „fast täglich in der Schule getragen“.

„Wie werden eigentlich die Preise gemacht oder gibt jeder, was er mag?“, fragen wir Rita Wolf. „Alle Sachen erhalten einen Punkt, die jeweilige Punktfarbe ist einem Preis zugeordnet“, dabei liege die Spanne zwischen 1 und 60 Euro, je nachdem, was sich alles findet, sagt sie.

Ruth Sepetavc schleppt schwer an einem Pappkarton und spricht von der Bürotasse, die sie im Ruhestand nicht mehr haben möchte. Ein Teigschneider, Blumenvasen und Leinentischdecken aus der Aussteuerkiste steuert sie für den guten Zweck bei. „Und die Duftkerzen, mein Mann ist allergisch“, fügt sie an. Restbestände des Kruuschd- und Krempelmarkts gehen nach dem Verkauf am morgigen Freitag von 18 bis 22 Uhr übrigens an die Firma Findus in Schwetzingen, der Fundgrube mit Allerlei aus Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen.

Besuch lohnt sich doppelt

Um 19 Uhr schließen die Organisatoren den Raum und haben zu dem Zeitpunkt noch zahlreiche Kartons und Tüten nicht ausgepackt, wobei alle Tische bereits voll bestückt sind. Es ist klar, dass nichts mehr geht. „Wir danken schon jetzt allen, die etwas gebracht haben“, lädt Rita Wolf aus der Orga-Mannschaft zum Stöbern und Kaufen ein, hofft auf gute Einnahmen für die Notgemeinschaft, die seit 1983 hilfsbedürftigen Plankstädtern finanziell oder materiell unter die Arme greift. Wir sind der Meinung, ein Besuch beim Markt der bunten Vielfalt lohnt doppelt, denn jeder kann immer irgendetwas gebrauchen – hier hat man die Chance es zu finden und dabei anderen zu helfen.

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