Plankstadt

Plankstadter Carneval-Club Närrische Streitmacht zwingt Bürgermeister beim Rathaussturm in die Knie / Jahresorden lobt Management bei Trinkwasserproblem

Das Dutzend bringt Drescher zur Aufgabe

Plankstadt.Nach 30 umkämpften Minuten, zwölf kraftvollen Paragrafen und mächtig Überzeugungsarbeit gibt sich Bürgermeister Nils Drescher dann doch noch geschlagen - der Plankstadter Carnevals-Club (PCC) jubiliert über den Sturm des Rathauses und ein bisschen ist sogar der geschasste Hausherr glücklich.

Dabei hatte das um 14.11 Uhr noch alles ganz anders ausgesehen. Um es der PCC-Streitmacht unter Führung von Präsident Norbert Reinmuth so schwer wie möglich zu machen, hatte sich Drescher nicht nur frech eine Mitgliedschaft im Traditionsverein erschlichen, sondern auch noch eine niederträchtige Mischung aus Wind, Kälte und Regen bestellt, um es den versammelten Narren so schwer wie irgend möglich machen. "Das wird er bereuen", sinnt Präsident Reinmuth im Gespräch mit unserer Zeitung schon nach Rache - und legt mit seiner Truppe auch sogleich los.

Nachwuchs blockiert Treppe

Wetterbedingt von vor dem Rathaus ins Innere verlegt, dringt das PCC-Team in blauer Robe bereits ins Rathaus ein und muss sich von der Ordnungsmacht nur an der Treppe noch abfangen lassen. Damit sich keiner der Gemeinderatsvertreter, die Drescher unterstützen, heimlich davonmachen kann, nimmt der karnevalistische Nachwuchs auf der Schwelle Platz und Norbert Reinmuth ist sich schon sicher: "Nach dem achten Paragrafen gibt der freiwillig auf!"

Doch so einfach sollte es für die Blau-Weißen nicht werden. Die ersten Paragrafen scheinen den Verwaltungsoberen jedenfalls wenig zu beeindrucken. Beim Literaturpreis "Goldener Blumepeter", der künftig für Stilblüten vergeben werden soll, die Gemeindeausgaben besonders kreativ beschreiben, kann der Hausherr jedenfalls nur ebenso müde gähnen wie bei Hobbykoch-Meisterschaften mit Ortsmittefest-Aussichten oder einem in Aussicht gestellten Frieden mit Eppelheim. "Das soll heut schon alles sein? Euch lass euch hier niemals rein!", schmettert der Bürgermeister gut vorbereitet zurück und harrt entspannt seiner Dinge. Da musste also schon noch ein bisschen mehr kommen. Und der PCC lieferte. Vom Tussi-Flohmarkt für junge Frauen über einen Fotowettbewerb unter dem Motto "Wo is Plankscht am schänschde?" für das Gemeindejubiläum bis hin zum Nachbarn-Oscar für besondere Verdienste, ließ sich der Präsident und Rathausstürmer vom Dienst so einiges einfallen.

"Seid ihr denn völlig in Träumen versunken?" schallte es da vom Kopf der Treppe hinunter und ein lachender Nils Drescher zog seine Wasserspritzpistole, um die kaum trockenen Narren auch in seinen vier Wänden tüchtig nass zu machen. Für kurze Zeit stand der Sieg damit wirklich auf der Kippe und fast hätte man befürchten müssen, dass die dezimierte Streitmacht dem Wunsch des Regenten wirklich nachkommt und den Abflug macht.

Doch ging es nun an die Paragrafen, die mächtig Pfeffer in sich trugen - und dem Bürgermeister auch tüchtig schmeichelten. Da er die Krise mit der Wasserverunreinigung so gut hinbekommen habe, könnte man doch über eine Freizeitanlage mit Schwimmteich nachdenken, die im Zweifel auch als Trinkwasserreservoir zur Verfügung stünde. Oder was wäre eigentlich mit einer Wetter-Webcam auf dem Wasserturm, die einem nicht nur des Petrus Willen, sondern vielleicht auch den den Heimweg des einen oder anderen Einwohners zu später Stunde offenbaren könnte?

Da wurde Nils Drescher schon schwach, ließ die Herzkonfetti-Kanonen schon in Stellung bringen und musste nur noch kurz warten. Man könne doch einen Rat der Weisen für Spezialfragen der Bürger einrichten - ein Gremium, ganz nah an der Gesellschaft. Da sah sich Drescher natürlich allzu gerne als Senator, ließ schon einmal Schnaps ausschenken - und musste sich schlussendlich dann doch geschlagen geben.

Getränkekosten übernehmen

Eine Forderung hatte Norbert Reinmuth indes noch: Selbstverständlich habe die Gemeinde nicht nur sämtliche PCC-Veranstaltungen, sondern auch die Getränkekosten der Mitglieder zu bezahlen, die dann als Reingewinn wieder in die Vereinskasse fließen - Backenbläser-Umzug inklusive! Na, wenn's sonst nichts ist, verriet das Grinsen von Nils Drescher, der gar nicht so traurig war, dass ihn das närrische Dutzend zur Aufgabe zwang.

"Der Bürgermeister ist eben doch für jeden Schabernack zu haben", freute sich Präsident Norbert Reinmuth, überreichte Drescher den ersten Jahresorden, der das Management des Bürgermeisters in der Trinkwasserkrise ausgiebig lobt, und wiederholte beim festlichen Empfang als grandiosen Auftakt zur neuen Kampagne: "Ihr liewe Leut, is des net schä, ab heut' regiert der PCC!"

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel