Plankstadt

Geschäftsleben Für Getränke Streck bedeutet der Ausfall aller Veranstaltungen einen hohen Umsatzverlust / Lieferservice und einfallsreiches Sortiment als Standbeine

Das Problem mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Archivartikel

Plankstadt.Franz Streck ist schon lange im Geschäft – aber diese Situation hat der Getränkehändler auch noch nicht erlebt. Corona hat seinen Betrieb vollkommen verändert. Denn der so wichtige Bereich Gastronomie und Feste ist komplett weggebrochen, auch die Bestellungen seiner großen Firmenkunden. „Das zusammen macht die Hälfte des Umsatzes aus“, hat er überschlagen.

An Kunden im Markt im Gewerbering mangelt es nicht. „Der Laden läuft, die Leute sind ja daheim“, sagt der Chef der Getränkewelt und schätzt, das es zehn bis 20 Prozent mehr sind als sonst. „Aber damit kann man die Verluste nicht auffangen.“ Gerade jetzt hätte die heiße Phase der Veranstaltungen begonnen, die Streck nicht nur mit Getränken, sondern auch mit Gläsern, Krügen, Zapfanlagen, Bierzeltgarnituren, Stehtischen, Kühlschränken und -anhängern oder Sonnenschirmen versorgt. Der am 26. April geplante Spargellauf in Schwetzingen wäre für seine Firma das erste größere Event gewesen. Sein Kalender war voll. „Ich plane im Januar die ganzen Feste vor“, berichtet er. 170 Veranstaltungen seien abgesagt, dazu die ganzen Feiern in den Grillhütten.

Seine 22 Gastronomiebetriebe kann Franz Streck mit seinem Team nicht beliefern. Auch die Bestellungen der Großkunden sind weggefallen. „Die machen normalerweise jede zweite Woche Meetings mit über 100 Leuten.“ Fürs Homeoffice und die Videokonferenzen werden eben keine Getränke gebraucht.

Und so stellt sich ein nächstes Problem: „Das Mindesthaltbarkeitsdatum der Gastro-Ware läuft ab.“ Kein Privatkunde brauche für zu Hause ein 50-Liter-Bierfass oder die kleinen Wasser- und Colaflaschen. Die werden ausschließlich von Gaststätten, Kneipen, Firmen und für Veranstaltungen bestellt. „Allein zehn Fass Bier laufen im Juni ab, was macht man mit der Ware?“, berichtet Streck – danach kann er es wegschütten, wenn nicht die angekündigte langsame Öffnung der Gastronomie für eine kurzfristige Nachfrage sorgen wird. Das Minus in der Kasse wäre beträchtlich: „Zehn Fässer sind gleich ein Tausender.“

Vor über 60 Jahren angefangen

Ein bewährtes Standbein ist bei Getränke Streck der Lieferservice. „Das haben wir schon immer, mit dem haben wir angefangen“, erinnert Franz Streck an seinen Vater, der die Firma 1959 zusammen mit seiner Frau Theresia gegründet hat. Streck senior stellte damals im Keller weißes und gelbes Limo her, die Grundstoffe bekam er vom Eppelheimer Zick-Zack-Werk (heute Wild).

Seit Juni 1982 führt Franz Streck junior mit seiner Frau Elke und dem gesamten Team den Getränkehandel. Zunächst gab es den Abholmarkt in der Schubertstraße und dieser wurde dann durch den Laden in der Bismarckstraße erweitert, bis Streck junior im Gewerbegebiet neu investierte, um auch ausreichend Platz für das reichhaltige Angebot und Parkplätze direkt vor dem Abholmarkt bieten zu können.

Den Lieferservice gibt es immer noch – und in Zeiten von Corona hat er sogar noch an Bedeutung hinzugewonnen. „Es ist mehr geworden“, berichtet der Chef. Nach Plankstadt, Schwetzingen, Ketsch und Eppelheim werden die Getränke nach Hause gebracht – ab drei Kisten. Nach der telefonischen Bestellungen wird in der Regel noch am selben Tag ausgeliefert.

Pro Kiste kostet der Lieferservice 2 Euro. „Ich muss ja den Mitarbeiter bezahlen.“ Und der Fahrer sei für die Kunden – oft ältere Menschen – ja eine Bezugsperson und eine verlässliche Größe: „Es kommt immer derselbe.“

Oft hat der Lkw viele der besonderen Biere geladen, die Getränke Streck eigentlich schon immer im Sortiment hatte, aber in jüngster Zeit verstärkt anbietet. Vor allem Gerstensäfte von kleineren Brauereien aus Bayern und Franken wie Faust (Miltenberg), Flötzinger (Rosenheim), Ayinger (Oberbayern) oder Zötler und Meckatzer aus dem Allgäu, um nur einige zu nennen. Unter dem Label „Bierentdecker“ gibt es Sixpacks, gemischt aus vielen dieser wohlschmeckenden Brauprodukte. „Das wird gut angenommen“, freut sich Franz Streck. So hat mancher Kunde schon seine „Bierprobe dahoam“ vielfältig gestalten können.

Das ist ein kleiner Trost für die entgangenen Kneipenbesuche und Veranstaltungen. Franz Streck hat jedenfalls kaum Hoffnung, dass dieser wichtige Geschäftsbereich 2020 noch einmal in Schwung kommt: „Ich glaube nicht, dass dieses Jahr noch ein Fest stattfindet.“

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