Plankstadt

Karnevalistischer Tanzsport Ilaria Vitulano ist auf der deutschen Meisterschaft Elfte geworden / Schon als Fünfjährige hat sie beim PCC angefangen

Der Flickflack war ihr Kindheitstraum

Archivartikel

Plankstadt.„Ich bin immer aufgeregt vor einem Auftritt, aber nach dem ersten Schritt denkt man nicht mehr darüber nach“, meint Ilaria Vitulano. Die 18-Jährige aus Plankstadt ist als Tanzmariechen regelmäßig auf Turnieren unterwegs – zuletzt auf der deutschen Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport in Halle an der Saale.

Mindestens unter die besten Zwölf wollte Ilaria kommen (wir berichteten), Elfte ist sie geworden – ihr Ziel hat sie also erreicht. Bei der deutschen Meisterschaft messen sich die Besten dieses Sports. Acht Tanzmariechen aus Süddeutschland und acht aus Norddeutschland sind dabei – und in Ilarias Altersklasse Ü 15 wird nicht mehr abgestuft, so dass die Konkurrentinnen teilweise viel mehr Erfahrung haben als sie.

Die Leidenschaft für den karnevalistischen Tanz hat die sympathische 18-Jährige schon früh gepackt. „Ich habe als Fünfjährige eine Werbung im Fernsehen gesehen, wo ein Mädchen lauter Flickflacks gemacht hat, um ihre Klamotten in Windeseile aufzuräumen. Da habe ich direkt zu meiner Mutter gesagt, dass ich das auch können möchte“, erinnert sich Ilaria. Doch in der Turngruppe, bei der sie ihre Mutter Claudia anmeldete, wurde diese anspruchsvolle Übung natürlich noch nicht vermittelt. „Mit jeder Turnstunde wurde sie missmutiger, weil sie noch keinen Flickflack gelernt hatte“, berichtet Claudia Vitulano.

Start in drei Kategorien

Doch dann kam der Plankstadter Carneval Club mit einem Tanzmariechen in den Kindergarten – und Ilaria war ab sofort Mitglied im Verein. Später wechselte sie dann in die Tanzsportgarde. Mittlerweile tanzt sie bei der Großen Carnevalgesellschaft Feuerio in Mannheim. So fragen sich manche Fans aus der Heimatgemeinde manchmal, ob Ilaria dem Sport noch treu ist. Und wie! Bei Turnieren startet sie in den Kategorien „Weibliche Garde“, „Tanzmariechen“ und „Schautanz“. Dass das viel Zeit fürs Training kostet, scheint klar. „Ich trainiere vier- bis fünfmal die Woche“, verrät Ilaria. Zusätzlich gibt es noch ganze Trainingstage am Wochenende.

Starke Muskulatur

Neben Kraftübungen steht dabei auch Akrobatiktraining auf dem Programm – damit die Salti und Flickflacks auch klappen. „Vor allem die Rücken- und Bauchmuskulatur muss dafür stark genug sein“, meint Ilaria Vitulano. Zwei bis drei Stunden muss sie für eine Trainingseinheit veranschlagen – dafür muss sie auf einige Dinge verzichten.

„Ich gehe beispielsweise dann samstags nicht auf Partys, wenn ich weiß, dass ich für ein Turnier sonntags bereits um fünf Uhr aufstehen muss“, macht die Tanzsportlerin klar. Ihre Freunde sind schon daran gewöhnt und haben Verständnis. „Und schließlich gibt es ja auch noch den Freitagabend“, sagt Ilaria schmunzelnd.

Schule und das Tanzen unter einen Hut bekommen – geht das überhaupt? Für Hausaufgaben und Lernen ist nach dem Training meist erst spätabends Zeit. Aber die Disziplin, die für den Tanz notwendig ist, wirkt sich auch hier aus. Ilaria hängt sich rein und ist gut in der Schule. Jetzt steht ihr Abitur vor der Tür. Was sie danach machen möchte, weiß sie noch nicht genau. „Aber es wäre super, wenn ich hier in der Gegend bleiben könnte. Dann könnte ich mit dem Tanzen auf jeden Fall weitermachen“, verrät die junge Frau. „Alles plant sie im Hinblick auf das Tanzen“, meint Mutter Claudia – halb kopfschüttelnd, halb schmunzelnd.

Die ganze Familie steht hinter Ilarias Leidenschaft. Ihre Schwester Chiara hilft ihr sogar beim Entwerfen und Anfertigen des aufwendigen Kostüms. Diese Saison bestand es aus violettem Samt und wundervoll fein gearbeiteter Brautspitze – nur das Beste vom Besten. „Die Strasssteine hat meine Schwester einzeln auf die Weste geklebt“, erklärt Ilaria. Das sind dann locker bis zu 17 Stunden Arbeit.

Ihr Freund feuert sie an

Ihr Freund unterstützt die 18-Jährige auch bei ihrer Leidenschaft. Zur deutschen Meisterschaft ist er sogar mitgefahren, um sie anfeuern zu können. Das ist aber wohl auch gut so, denn ans Aufhören denkt Ilaria noch lange nicht. „Auf jeden Fall würde ich gerne noch mal auf die deutsche Meisterschaft und es dort unter die besten Zehn schaffen“, verrät sie ihr Ziel. Die persönliche Bestpunktzahl zu toppen, fände sie auch schön.

Wie schafft man es, sich für den Sport so zu motivieren? „Die Gruppe gibt einem einfach so viel zurück, denn über die Jahre hat man echt viele Freunde dazugewonnen“, freut sich Ilaria. Und ja – auch Fans hat die 18-Jährige mittlerweile, von denen sie auch aufmunternde Briefe bekommt. „Außerdem sind die drei Minuten, in denen man auf der Bühne steht und sein Bestes gibt, einfach unbeschreiblich.“ Bei der deutschen Meisterschaft waren es 12 000 Zuschauer, denen Ilaria flickflack-springend gezeigt hat, dass sie ihren Kindheitstraum verwirklicht hat.

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