Plankstadt

Geburtstag Pater Dr. Fidelis Ruppert wird heute 80 Jahre alt / Der frühere Abt von Münsterschwarzach ist seiner Heimat bis heute verbunden

Ein Leben für Gott und das Kloster

Archivartikel

Plankstadt.Wer ihn trifft, hält es kaum für möglich, doch in der Abtei Münsterschwarzach am Main in Unterfranken begeht Pater Dr. Fidelis Ruppert OSB – lateinisch Ordo Sancti Benedicti für Orden des heiligen Benedikt – am heutigen Dienstag seinen 80. Geburtstag.

1938 als Gerhard Ruppert in Plankstadt geboren, wuchs er mit drei Brüdern und der Mutter auf – der Vater war 1944 als Soldat in Ungarn gefallen. Nach dem Abitur in Sasbach trat er 1959 in die große Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach in Unterfranken ein. 1960 legte er seine zeitlichen und 1963 seine ewigen Gelübde ab und band sich damit auf Lebenszeit an das Kloster.

1964 empfing er am 5. Juli die Priesterweihe durch den Würzburger Weihbischof Alfons Kempf und feierte am 12. Juli 1964 in Plankstadt seine Primiz mit seiner Heimatgemeinde. Danach studierte er an der Ordenshochschule St. Anselmo in Rom und wurde bei Professor Alfons Auer in Würzburg mit einer Dissertation über den Gehorsam bei den ägyptischen Mönchen des vierten Jahrhunderts promoviert. Um die Quellen aus dieser Zeit lesen zu können, musste er eigens die koptische Sprache erlernen. Die stete Beschäftigung mit der Ordensregel des Heiligen Benedikt sollte fortan sein ganzes Leben als Mönch durchziehen.

Früheres Ziel: Missionar

Missionarische Arbeit in Afrika zu leisten – das war sein ursprüngliches Ziel, aber sein Abt Bonifaz Vogel hatte anderes mit ihm vor. So war er zwei Jahre in der Erziehung und Ausbildung der Schüler am Egbert-Gymnasium der Abtei tätig, außerdem leitete er Exerzitien- und Meditationskurse, bevor ihn Abt Bonifaz Vogel 1979 zum Prior und damit zu seinem Stellvertreter ernannte. Am 5. November 1982 wählten ihn seine Mitbrüder nach dem altersbedingten Rücktritt von Abt Bonifaz zum 74. Abt von Münsterschwarzach und am 23. November 1982 erhielt er vom Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele die Abtsbenediktion. Zu diesem feierlichen Gottesdienst hatten sich auch viele Plankstadter, darunter Bürgermeister Werner Weick, auf den Weg in die Abtei gemacht.

Abt Fidelis übte weitere 24 Jahre die Tätigkeit als Oberer im Dienst der Gemeinschaft aus. Als Wahlspruch hatte er sich aus dem Matthäus-Evangelium den Satz „Omnes vos fratres – Ihr alle seid Brüder“ gewählt, womit er deutlich machen wollte, dass bei aller Autorität und Verantwortlichkeit der Abt auch Bruder unter Brüdern sein muss. Zugleich werden auch die Aufgaben der Abtei nach außen angesprochen, wonach die Mönche allen Menschen Brüder sein sollen.

Immer lagen ihm die Menschen in den Missionsgebieten am Herzen, was bis heute zu zahlreichen Reisen und Besuchen in Afrika, Indonesien, Lateinamerika, Korea und den Philippinen führte. Auch in Münsterschwarzach bestimmten die Rückbesinnung auf die Regel des heiligen Benedikt und ihre Umsetzung in heutiger Zeit sein Handeln.

Weiter voran gebracht

Die Abtei Münsterschwarzach entwickelte sich durch die Öffnung für spirituelle Anliegen der Menschen stets vorwärts – auch dank zahlreicher Weggefährten wie Pater Anselm Grün und Pater Meinrad Dufner. Die klösterlichen Betriebe florierten, zahlreiche Bauvorhaben wurden umgesetzt, das Gästehaus musste bis heute ständig erweitert werden und mit dem Bau des Recollectio-Hauses 1991, einem Ort für Priester und Ordensleute in Lebenskrisen, schuf er ein damals in Deutschland einzigartiges Zentrum unter psychologischer Leitung.

Auch die Klosterkirche wurde während seiner Amtszeit umfassend renoviert. Das zur Abtei gehörende Egbert-Gymnasium entwickelte sich prächtig und gehört zu den gefragtesten Schulen in der Umgebung. Unter Anleitung seines Sasbacher Schulfreundes Franz Alt, dem bekannten Journalisten und Buchautor, setzte er mit seinen Mitbrüdern ein Energiekonzept um, das einzigartig ist und für das die Abtei mehrfach ausgezeichnet wurde. Abt Fidelis selbst wurde für seine Verdienste, die weit über das Kloster hinausreichen, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und er ist Träger der Liborius-Wagner-Medaille der Diözese Würzburg. 2005 berief ihn Papst Benedikt XVI. in das Beratergremium der Bischofssynode in Rom, wo er spirituelle Aspekte des monastischen Lebens in die Diskussionen der Synode einbrachte.

Rücktritt nach 24 Jahren

Am 24. April 2006 trat er schließlich nach 24 Jahren zurück und übergab sein Amt Abt Michael Reepen. Pater Fidelis gilt bis heute als ein gefragter geistlicher Begleiter in Kursen und Exerzitien im Kloster und anderswo, auch im Ausland.

Anlässlich seines 80. Geburtstages ehrt ihn die Abtei mit einem Symposium zum Thema „Omnes vos fratres – Ihr alle seid Brüder – Aber ich zuerst!“. Es geht dabei um Egoismus und Solidarität. Und darüber werden zahlreiche Freunde und Weggefährten mit Pater Dr. Fidelis Ruppert zusammen diskutieren.

Info: Bilder aus Pater Fidelis Rupperts Leben gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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