Plankstadt

Öffentlicher Dienst Viele Mitarbeiter betreuen oft ein großes Aufgabengebiet im Hintergrund / Am Beispiel von Plankstadt mal über einen rein virtuellen Alltag nachgedacht

Eine Gemeinde – so ganz ohne Verwaltung?

Archivartikel

Plankstadt.Sommer, Sonnenschein und geöffnete Grenzen: Die Koffer sind gepackt, die Gießhilfe für den Garten organisiert – doch oh Schreck: Der Reisepass ist abgelaufen. Eigentlich kein Problem, denken Sie sich, ein Besuch im Rathaus sollte zumindest ein vorläufiges Exemplar zum Ergebnis haben.

Solche und andere, oft weitaus banalere Probleme löst der öffentliche Dienst. Oft unsichtbar im Hintergrund wirkend, nimmt man Erleichterungen, die einem eine funktionierende Gemeindeverwaltung beschert, kaum wahr. Darum wollen wir uns einmal überlegen, wie die Welt ganz ohne den öffentlichen Dienst aussähe? Deshalb malen wir mal ein fiktives Bild, wie das wäre.

Bleiben wir beim Beispiel – der Reisepass ist abgelaufen und Sie brauchen einen Ersatz. Der Heimunterricht für die Kinder muss dann eben bis später warten. Denn die Beiträge der Privatschule können Sie sich einfach nicht leisten. Sie stecken den abgelaufenen Reisepass und den Personalausweis in die Tasche, schnüren ihre Schuhe und verlassen das Haus. Sie haben beschlossen, zu Fuß zu gehen. In der kleinen Seitenstraße würden Sie mit dem Auto noch gut vorankommen, aber auf der Hauptstraße sind die Schlaglöcher mittlerweile so groß, dass Ihnen stellenweise gar das Radfahren schwierig erscheint. Auf halber Strecke passieren Sie den Spielplatz, auf dem Sie früher mit ihren Kindern herumgetobt sind. Die Schaukeln hängen nur an einem Seil und im Sandkasten verrichtet gerade ein Hund sein Geschäft.

Herr Maier aus der Nachbarschaft hat sich aus dem Baumarkt einige Bretter organisiert und versucht, das marode Klettergerüst zu reparieren. Sie erinnern sich, wie er im vergangenen Jahr versucht hat, einen Autoreifen zu wechseln, und beschließen, die Sirenen des Krankenwagens noch im Ohr, ihre Kinder nicht auf das Gerüst zu lassen. Nur gut, dass niemand den Rasen mäht, so ist wenigstens der Aufprall etwas gedämpft, denken Sie, als Sie die Straße überqueren.

Wo war der Zebrastreifen?

Unter Ihren Füßen schimmert noch blass die Farbe – dort, wo einmal der Zebrastreifen aufgemalt war. Sie queren die Fahrbahn an dieser Stelle aus Nostalgie, einen wirklichen Grund haben Sie dafür nicht mehr – welche Polizei sollte Sie aufhalten? Oder den ermitteln, der Sie anfährt? Auf der gegenüberliegenden Straßenseite bemerken Sie, dass ein schwerer SUV fast ganz an einer Hauswand parkt – ein Durchkommen als Fußgänger ist unmöglich. Eine entfernte Erinnerung schießt Ihnen in den Kopf. Damals haben Sie sich mit einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes wegen eines Zehn-Euro-Strafzettels gezofft. Dabei waren Sie nur fünf Minuten in der Apotheke! Die Absurdität bringt Sie zum Lachen, während Sie auf der Fahrbahn um das Auto herumlaufen. Sie erreichen schließlich den Rathausplatz. Schon wieder hat irgendein Rowdy die Straßenlaternen mit einem Stein kaputtgeschmissen. Gut, dass gerade Sommer ist und Sie nicht im Dunkeln stehen. Dafür stehen Sie jetzt kopfschüttelnd vor dem Gebäude, das mal das Rathaus war. Wie sollen Sie ohne das Bürgerbüro an einen neuen Reisepass kommen?

Diese freilich überspitzte Zukunftsvision der Gemeinde ohne den öffentlichen Dienst ist sicher unrealistisch. Dennoch macht sie deutlich, was alles von öffentlicher Hand geregelt wird und welche – zumindest für uns moderne Menschen – existenziellen Dinge fehlen würden. Wer im realen Plankstadt einen neuen Reisepass braucht, der landet bei Birgit Provost oder einer ihrer Kolleginnen im Bürgerbüro. „Ausweise und Pässe sind tatsächlich das, was wir am meisten bearbeiten“, sagt sie. Hinzu kommen Gewerbeanmeldungen, Bestätigung von Zeugnissen, das Ausstellen von Angelkarten und das Fundbüro. „Wir sind quasi die Zentrale und damit für die meisten der erste Weg“, erklärt Provost. Kann etwas nicht bearbeitet werden, verweisen sie weiter an das entsprechende Amt. „Wenn jemand zum Beispiel einen Bauplatz möchte, muss er definitiv ins Bauamt“, verdeutlicht Provost.

Weniger in der Öffentlichkeit stehen die Mitarbeiter des Bauhofs. Ihre Arbeit würde den meisten wahrscheinlich erst auffallen, wenn sie plötzlich nicht mehr erledigt würde. „Wir sorgen, vereinfacht gesagt, für Ordnung“, erklärt Jochen Bender, der stellvertretende Leiter. Die Gärtnertrupps kümmern sich um sämtliche Grünanlagen, mähen Rasen, schneiden Pflanzen zurück und sorgen sich gerade in trockenen Sommern um die Bewässerung.

Die Bautrupps reparieren derweil Straßenschäden und die Beschilderung, sorgen also für sicheres Vorankommen mit Fahrzeugen aller Art. „Zweimal in der Woche fahren wir zu allen Spielplätzen, um sie zu reinigen und die Müllbehälter zu leeren“, sagt Bender. Müll wird leider auch immer wieder in die Natur geworfen. Auch dafür ist der Bauhof zuständig. „Das geht teilweise so weit, dass wir schon eine komplette Wohnzimmereinrichtung am Straßenrand gefunden haben“, berichtet Bender kopfschüttelnd. Eine Aufgabe, die derzeit nicht auf dem Plan steht, ist der Auf- und Abbau bei Veranstaltungen der Gemeinde. Kurzum: Wenn Muskelkraft und handwerkliches Geschick gefragt sind, ist der Bauhof zur Stelle.

Aufgaben, wie das Aufstellen von Verkehrsschildern, müssen koordiniert werden. In Plankstadt ist dafür das Bürgeramt zuständig, das von Doris Grossmann geleitet wird. Neben dem Aufgabenbereich Ordnungswesen, der sich mit dem Straßenverkehr, der Ahndung von Verstößen und der Überwachung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung als Ortspolizeibehörde beschäftigt, koordiniert das Bürgeramt zudem die Arbeit des Bürgerbüros. Auch Wahlen, die Integration von Neubürgern und Flüchtlingen und der Katastrophenschutz fallen in Grossmanns Ressort. Ebenso die Ausstattung und Koordination der Feuerwehr.

Ob Parkverstöße und Geschwindigkeitsüberschreitungen oder die Abnahme von Baustellen im öffentlichen Raum – die Arbeitslast der Polizei würde ohne gemeindliches Ordnungswesen immens ansteigen. Wobei hier anzumerken ist, dass natürlich auch Polizeibeamte Angehörige des öffentlichen Dienstes sind.

Die Freiwillige Feuerwehr ist ein Beispiel dafür, wie Brand- und Katastrophenschutz auch von ehrenamtlichen Privatleuten sichergestellt werden können. Jedenfalls mit koordinatorischem Beistand und einer nicht unerheblichen öffentlichen Finanzierung. Die ist es auch, mit der eine Gemeindeverwaltung öffentliche Schulen und Kindergärten ermöglicht. Zuständig in Plankstadt ist dafür Hauptamtsleiter Stephan Frauenkron. „Bei der Kinderbetreuung arbeiten wir hauptsächlich mit konfessionellen oder freien Trägern zusammen“, erklärt er: „Die Kosten tragen wir aber zu annähernd 100 Prozent.“ Auch die Kernzeit- und Nachmittagsbetreuung wird von der Gemeinde geregelt. Für das Schulwesen selbst ist das Land verantwortlich – und die Lehrer, ob Beamter oder nicht, sind Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes.

In der Kinderbetreuung gibt es mit den Tagesmüttern bereits heute Alternativen, die ohne die öffentliche Hand auskommen – mit individuellen Angeboten, aber eben auch einem entsprechenden Preis. Im durch die Corona-Pandemie salonfähig gewordenen Homeschooling sieht Frauenkron ein ausbaufähiges Werkzeug für die Zukunft. Er findet aber auch: „Den Präsenzunterricht ersetzt es in keinster Weise – es kann aber die Qualität des Lernens sinnvoll ergänzen.“

Ebenfalls im Hauptamt angesiedelt sind Aufgaben wie Eheschließungen und Friedhofswesen. Zuständig dafür ist Standesbeamter Patrick Wiedemann. „Ohne Standesamt würde quasi die ganze Bandbreite des Lebens wegbrechen: Geburtsurkunden, Sterbeurkunden, natürlich Eheschließungen, aber auch Namensänderungen, Vaterschaftsanerkennungen oder Kirchenaustritte“, erklärt er und ergänzt: „Vielleicht würde das alles ohne uns wieder bei der Kirche landen, die hatte diese Aufgabe bis vor rund 150 Jahren ja übernommen.“

Auch kümmert sich Wiedemann darum, dass der Friedhof instand gehalten wird, neue Grabfelder angelegt und Angebote aktuell gehalten werden. „Momentan bewegt sich der Trend beispielsweise immer stärker zur Urnenbestattung“, erklärt er.

Nicht zu vernachlässigen ist in dieser Betrachtung das Bauamt, ohne dessen Arbeit sowohl Neubauten als auch der Erhalt der bestehenden Substanz kaum möglich wäre. Und natürlich auch die Kämmerei, denn alles, was das öffentliche Leben regelt, muss ja auch sinnvoll und nachvollziehbar finanziert werden.

Wenn Sie sich also das nächste Mal über einen Strafzettel ärgern oder der Reisepass im ungünstigsten Moment abgelaufen ist und Ihnen Unmuß verursacht, überlegen Sie einmal, wie die Welt ohne öffentlichen Dienst aussehen würde.

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