Plankstadt

Gemeindebücherei Beim literarisch-kulinarischen Leseduell zwischen Benjamin Kindervatter und Johannes Krätschell in der "Wärtschaft" gibt es nur Gewinner

Eine urkomische Männerfreundschaft

Plankstadt.Duell, das ist ein Zweikampf mit Waffen, der wegen Ehrenstreitigkeiten ausgetragen wird und meistens tödlich endet. Ein Leseduell ist ebenfalls ein Zweikampf, doch ballern die Kontrahenten nicht mit Pistolen um sich, sondern mit geistvoller Rhetorik, über die man sich höchstens totlachen kann. So geschehen in der "Wärtschaft".

Dort präsentierte Claudia Verclas, Leiterin der Gemeindebücherei, beste Unterhaltung mit zwei jungen Autoren, die sie zu einem literarisch-kulinarischen Abend eingeladen hatte: Benjamin Kindervatter und Johannes Krätschell. Seit 2012 sind die beiden mit ihrem Programm "Kindervatter vs. Krätschell - ein Leseduell" auf berühmten Bühnen Berlins, Leipzigs, Dresdens oder Dortmunds unterwegs, "und jetzt in Plankstadt, das ist eine Steigerung", stellten sie fest.

Auslöser des Streits waren direkte verbale Beleidigungen, die sich die beiden an den Kopf warfen. So sagte Krätschell, er sei lustiger als Kindervatter, dieser halte "Äußerlichkeiten den Spiegel vor und zerrt das Innere nur ans Licht, um es zu verlachen. Die banale Seichte seiner Geschichten peppt er mit prallem Humor auf", und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Eben dafür schätze ich ihn". Kindervatter kontert: "Krätschell ist Meister in Effekthascherei, er schafft es wie kein Zweiter, den Zuhörer auf eine Reise in die wabernde Weichheit eines Mannes mitzunehmen, der einem vor der Lesung noch so maskulin erschien. Ein feiner Kerl ist er trotzdem, sonst hätte er ja nicht so einen großartigen Freund wie mich."

"Amuse-Gueule kein Dorf"

Zwischen den Leseteilen tischte das Wärtschaft-Team den Gästen unter anderem "Burgunda-Broode mit Soß" auf. Ein Amuse-Gueule gab es in Form kleiner Heidelberger "Holzofebroat"-Schnitte mit "Lewwaworscht un Käs". In Romanform vermochten die Geschichten aus "Amuse-Gueule ist kein Dorf in Sachsen" ebenfalls zu überraschen.

Kindervatter nahm mit humorvollen Wortspielen, die oft auf Sächsisch herkamen, und surrealen Drehs, nicht nur Ost-West-Klischees aufs Korn, sondern auch die kleinen Gemeinheiten des Alltags, so dass die Gäste stets ausgiebig zum Lachen angeregt wurden.

Besonders mit den neuen Erzählungen "Meine goldenen Eltern" oder "Spermiogramm" begeisterte der Ostberliner mit sächsischen Wurzeln die Zuhörer, aber auch mit "Westbesuch" oder "TSK - eine wirklich wahre Geschichte", in denen es ums Kochen ging, um Eltern und das Zusammenleben mit seiner Pariser Freundin, wo es galt, kulturelle Unterschiede zu überwinden.

Der Ur-Pankower Krätschell gibt eine Schlüsselszene aus seinem ersten Roman "Herr Schlau-Schlau wird erwachsen" zum Besten. Darin lernen sich die beiden Hauptakteure, Hannes und Hupe, kennen. Kaum ist Hannes eingezogen in seine neue Wohnung, steht Hupe, sein Nachbar, vor der Tür.

Viel zu lachen

Obwohl er nicht versteht, warum jemand 4000 Bücher besitzt, hilft Hupe ihm, sie einzusortieren. Als um halb vier Uhr morgens alle Regale gefüllt sind, findet er dann aber doch: "Meine Fresse, dit hat wat. Die janzen Bücher so nebeneinander. Dit hat echt wat."

Und es gab viel zu lachen bei der Schilderung dieser urkomischen Männerfreundschaft, wobei die empfindsame Episode "Firenze" den Zuhörern eher Tränen der Rührung in die Augen trieb als vor Lachen. Auch von anderen Geschichten wie "Müsli am Stiel" oder wie jene über seine Freundin Franziska konnten die Zuhörer nicht genug bekommen, sie amüsierten sich prächtig und spendeten viel Beifall. Am Ende stimmte das Publikum mit Hilfe eines "Applausometers" ab, wer in den Kategorien, Humor, literarische Tiefe und, welchen von den beiden Autoren man zum besten Freund haben möchte, ab.

Publikum als Gewinner

Bei Punktgleichheit standen zum Schluss beide als Sieger fest. Der große Gewinner war aber das Publikum, ihm wurde ein überaus inhaltsreicher Abend geboten.

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