Plankstadt

Geschäftsleben Frisch geernteter Hopfen sorgt für besonders spritziges Pils / Pandemie zwingt zu neuer Vorgehensweise / Bauer in Bayern erntet die Dolden

Einmal in die Hallertau und zurück in die Kurpfalz

Plankstadt.Der Hopfen hat eine Reise von Sandhausen bis in die Hallertau und von dort zurück nach Plankstadt hinter sich, als er am Dienstagnachmittag bei der Welde-Brauerei ankommt. Zwei große quaderförmige Säcke sind es, die für den ganz besonderen Genuss sorgen sollen. „So etwas muss man mal erlebt haben“, meint Albert Burkhardt, der als Hopfenbauer zwar schon öfter in der Hallertau war, für den dieser Vorgang rund um den Sandhäuser Hopfen für die Welde-Brauerei aber auch ein erstmaliges Erlebnis war.

Das Coronavirus hat dazu geführt. Denn normalerweise wird der Hopfen aus Sandhausen beim gemeinsamen „Hopfezopfe“ anlässlich eines Festes geerntet. Doch das musste dieses Jahr ausfallen. „Jung und alt zupfen in einem Zelt die Dolden von der Pflanze ab. Die Enge hätte in Zeiten einer Pandemie einfach zu viel Risiko bedeutet“, erklärt Susanne Schacht von der Welde-Brauerei.

Wertvolle Fracht

So wurden die Dolden dieses Jahr eben maschinell geerntet. Die engagierten Hopfenbauern, die hauptsächlich aus den Reihen des Männergesangvereins Germania kommen, haben einfach zu viel Arbeit in die Pflanzen gesteckt, als dass man den Hopfen hätte hängenlassen können, da waren sich alle einig.

Günther Köhler, Hauptamtsleiter der Gemeinde Sandhausen, ist also mit den Hopfenbauern und der wertvollen Fracht – die am Montag bereits um 6 Uhr morgens vorsichtig vom Gestänge getrennt wurde – in die Hallertau gefahren, wo der Hopfen von einem Hopfenbauern und seiner Maschine erst gezupft und schließlich noch getrocknet wurde. Am Dienstagmorgen ging es schließlich wieder zurück. „Diese Riesenhopfenfelder sind schon beeindruckend“, meinte Thomas Schneider, der die Tour wie alle Helfer genoss. 60 Kilo des getrockneten „grünen Goldes“ steckte dann in den beiden Säcken. „Das reicht für die nächste Woche“, meinte Braumeister Stephan Dück, der sich über die köstlich duftenden Dolden freute. „So frisch bekommen wir den Hopfen sonst nie.“ Rund 11 000 Kisten des Grünhopfenpils kommen dann gegen Mitte oder Ende Oktober in den Handel. Den ersten Kasten bekommt Sandhausens Bürgermeister Georg Kletti, der normalerweise am Kerwemontag ein Fass mit der Spezialität ansticht – auch das fällt in diesem Jahr Corona-bedingt aus.

Das Bier mit dem Sandhäuser Hopfen schmeckt etwas spritziger als das normale Welde Slow Beer Pils, meint Welde-Geschäftsführer Max Spielmann. Der frisch geerntete Hopfen gibt eben ein besonderes Aroma. Das soll auch bei einer digitalen Bierprobe am zweiten Donnerstag im November im Mittelpunkt stehen, wo mehrere Grünhopfenbiere im Vorfeld erworben und schließlich gemeinsam probiert werden können.

Die Sandhäuser Hopfenbauern gaben noch die ersten Dolden in den frisch angesetzten Sud, dann war das Abenteuer für sie erstmal zu Ende. Aber sie waren sich einig: Nächstes Jahr darf die Ernte gerne wieder mit Fest und allem drum und dran über die Bühne gehen – hoffentlich lassen es die Umstände zu.

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