Plankstadt

Jubiläum Dr. Lothar Gaa wird in einer Festzeremonie für seine 70-jährige Tätigkeit als Organist geehrt / „Das Instrument wurde mehr und mehr Teil meines Lebens“

„Er hat Wandel der Liturgie miterlebt“

Plankstadt.„Pfarrer kamen und gingen, Lothar Gaa blieb da“, traf es Dompfarrer Wolfgang Gaber in seiner gestrigen Festpredigt auf den Punkt. Denn die Zeitspanne, die der beliebte Organist und Ur-Plänkschter an dem wohl imposantesten Musikinstrument verbrachte, ist äußerst selten: 70 Jahre lang, umgerechnet an 3640 Sonntagen und fast ebenso häufig an Samstagen saß der 87-jährige Dr. Lothar Gaa an den Tasten der Pfarrei St. Nikolaus sowie im Caritas-Altenzentrum und in St. Kilian (Oftersheim), wo Gaa bereits am Abend zuvor in einem festlichen Gottesdienst geehrt wurde.

„Der Gottesdienst heute ist nicht nur aufgrund des ersten Advents und dem damit einhergehenden Beginn der Weihnachtszeit besonders“, sagte Pfarrer Friedbert Böser zu Beginn des gestrigen Festgottesdienstes in St. Nikolaus. „Es ist auch ein historischer Tag für die Gemeinde, weil ein Mann unter uns heute vor 70 Jahren, am ersten Advent 1948, das erste Mal hier an der Orgel gesessen hat.“

Gaa war damals 17 Jahre alt, ein Schüler des Hebel-Gymnasiums in Schwetzingen. In seiner Familie sei es damals unüblich gewesen ein Instrument zu erlernen, erzählte Gaa in seiner Dankesrede. „Nach dem Zweiten Weltkrieg bin ich jeden Mittwoch mit dem Fahrrad nach Heidelberg gefahren, wo ich das Orgelspielen lernte.“ Je länger er spielte, desto wichtiger und bedeutsamer wurde die Orgel. „Sie ist Teil meines Lebens“, sagte Gaa, „und ich danke Gott, dass er mir diese Gabe geschenkt hat.“ Sein musikalisches Talent habe er genetisch und aus Überzeugung an seine Kinder und Enkel weitergegeben, die nun allesamt ebenfalls Instrumente spielen würden.

Die Orgel sei ein königliches Instrument, dem der Organist das Leben einhaucht, formulierte es die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Maria Teubner, in ihren Grußworten treffend. „Die Musik, die dann erklingt, trifft mitten ins Herz. Dr. Gaa berührt und begleitet uns Menschen damit nun schon 70 Jahre lang und wir sind dankbar für seinen treuen und disziplinierten Dienst und seine Musik, die uns jedes Mal aufs Neue wieder ins Herz trifft“, drückte sie ihre Dankbarkeit aus.

Verbunden mit Heimatgemeinde

Auch Bürgermeister Nils Drescherfand schöne Worte für den Geehrten: „Es gibt viele Organisten, aber Sie ragen heraus“, betonte er. „Sie sind ein Mensch, der aus wertvollem Holz geschnitzt ist und zeichnen sich nicht nur durch Ihr kirchliches Engagement aus.“ Denn Gaa hat in Plankstadt auch ein politisches Erbe – er kämpfte jahrelang als „Abgeordneter für alle“ erfolgreich für die Selbstständigkeit der Gemeinde. Zum Ausdruck der Ehre, die er seiner Heimatgemeinde über 70 Jahre erwies, überreichte Drescher dem Geehrten die goldene Ehrenmedaille der Gemeinde. Gaa war überwältigt: „Ich bin über diese Auszeichnung äußerst überrascht und einfach glücklich, das zu erleben“, sagte er. „Ich fühle mich hier sehr wohl und auch, wenn ich schon lange in Schwetzingen wohne, habe ich mich über all die Jahre mit Plankstadt als meiner Heimatgemeinde verbunden gefühlt.“

Festprediger und Dompfarrer Wolfgang Gaber reiste aus Freiburg an, um Gaa seine Verbundenheit und Dankbarkeit zu zeigen. Er predigte über das Orgelspiel, die Bedeutung der verschiedenen Klänge und Register und über Gaas Verdienste an der Kirche: „Er hat den ganzen Wandel der Liturgie miterlebt“, versicherte er. Gaa bestätigte das: „In 70 Jahren hat sich viel verändert, der Gottesdienst ist sehr viel lebendiger geworden.“ Gaa habe alle Register gezogen, sagte Gaber – im wörtlichen Sinne gemeint. Denn die Orgel mit ihren 34 Registern gibt eine Bandbreite an Tönen und Klängen wieder, die sowohl Freude und Glauben, als auch Trauer, Elend, Vertrauen oder Verwurzelung bedeuten können. Welch einzigartige Rolle der Musik zukommt, beschrieb Gaber mit den Worten von Ludwig van Beethoven: „Kreuze im Leben sind wie Kreuze in der Musik – sie erhöhen.“ Lothar Gaa durfte sich gestern wohl noch eine andere Art von Kreuz setzen – das im Kalender am ersten Advent, als er für 70 Jahre Orgelspielen von Gemeinde und Kirche geehrt und ausgezeichnet wurde.

Urkunde von Papst Franziskus

Darüber hinaus gab es sogar eine Urkunde des römisch-katholischen Oberhauptes direkt aus Rom: „Papst Franziskus erteilte Dr. Lothar Gaa den Segen und ehrte ihn für den 70-jährigen Dienst an der Orgel.“ Mit diesen Worten überreichte Gaber dem Geehrten die eingerahmte Auszeichnung und die Kirchenbesucher hielt es nicht mehr auf ihren Bänken, so laut wurde applaudiert. Auch im Anschluss des Gottesdienstes, nachdem Pfarrer Böser die Gemeinde noch zu einem kleinen Umtrunk eingeladen hatte, nahmen sich die Plankstadter Zeit, Lothar Gaa zu beglückwünschen. Und ein Versprechen gab er mit auf den Weg: „Solange ich gesund bin, möchte ich beim Orgelspielen bleiben!“ Die Gemeinde kann also gespannt sein, ob auf das Gnadenjubiläum noch ein 75-jähriges Jubiläum folgen wird.

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