Plankstadt

Brauchtum „Hopfezopfe“ und Festbetrieb in Sandhausen / Welde-Braumanufaktur benötigt den traditionell gewonnen Rohstoff für besondere Bierspezialität

Es ist Erntezeit für das „grüne Gold“ der Brauer

Archivartikel

Sandhausen/Plankstadt.Die Welde-Brauer waren mehrfach auf dem Hopfenfeld in Sandhausen und haben gemeinsam mit den Hopfenbauern die grünen Ranken und wachsenden Dolden begutachtet. Jetzt ist die Vorfreude auf das „grüne Gold“ bei Welde schon richtig groß, denn am ersten Septemberwochenende wird der Hopfen vom einzigen ehrenamtlich betriebenen Hopfenfeld in der Rhein-Neckar-Region von Hand geerntet.

Dann dreht sich in Sandhausen, der nordbadischen Hopfengemeinde, einmal mehr alles um Handwerk, Handarbeit und Tradition – und um Genuss. Bereits zum 15. Mal kommen ehemalige Hopfenbauern, die Mitglieder des örtlichen Männergesangvereins Germania und zahlreiche ehrenamtliche Helfer zu einem früher in der Region fest verwurzelten, aber heute seltenen Handwerk zusammen: zum „Hopfezopfe“, der Doldenernte von Hand.

Begleitet wird die Ernte vom Hopfenfest auf dem Sandhäuser Festplatz am Rathaus. Mit einem Fassbieranstich eröffnet Bürgermeister Georg Kletti das Fest am Samstag, 31. August, um 11.30 Uhr. Die Besucher sind eingeladen, dabei zu sein – und gern auch beim Abzupfen der Hopfendolden zu helfen.

„Das wird ein schöner Hopfen“, bestätigt der erfahrene Hopfenbauer Albert Burkhardt die Aussage der Welde-Brauer. Er und seine Kollegen hätten wieder viel wässern müssen, denn Hopfen habe heißes, trockenes Wetter nicht gern und brauche dann noch mehr Hege und Pflege, erläutert Burkhardt weiter.

Vorsichtiges Zupfen nötig

Auch Welde-Geschäftsführer Max Spielmann ist gespannt auf den Hopfenjahrgang: „Seit 15 Jahren bekommen wir exklusiv den guten Aromahopfen aus Sandhausen für unser ,Welde No1’-Slow-Beer-Pils. Hoffentlich können wir auch diesmal wieder ein echtes Grünhopfen-Pils brauen“. Das gehe nur, wenn die Dolden während der Ernte durch Regen nicht nass würden und dann im Welde-Kesselhaus komplett aufwendig getrocknet werden müssten, so Spielmann weiter.

Beim Hopfenfest werden bei Musik, Brotzeit und Weldebier die Hopfendolden vorsichtig von den langen Ranken abgezupft. Aber Achtung: Der kleine Stiel muss an der Dolde verbleiben. Sonst kann das feine Blütengebilde zerstört werden. Das Abzupfen der Hopfendolden erfordert deshalb viel Fingerspitzengefühl. Aus diesem Grund gilt in Sandhausen damals wie heute: „Hopfe zopfe, Schdiel draalosse, wers net koo, solls bleiwelosse“.

Das wissen die vielen Mitglieder des Männergesangverein Germania 1869 am besten, sind viele von ihnen doch selbst Hopfenbauern gewesen. Sie kümmern sich mit großem Engagement in Sandhausen um das vier Ar kleine Hopfenfeld. Die von Hand gezupften Dolden werden bei der Welde kurz nach der Ernte naturbelassen dem Biersud zugefügt. Rund um die Ernte und das Fest haben sich die vielen Sandhäuser Helfer einiges einfallen lassen. So gibt es am Samstag, 31. August, ab 12 Uhr einen Ochsen am Spieß, aber auch Steaks, Pommes und echte Hausmacher Bratwurst zum Bier und selbst gebackene Kuchen zum Kaffee. In der Oldtimer-Ausstellung lässt sich alte Fahrzeugtechnik bewundern, für die jungen Gäste sorgt das Jugendzentrum JUKIZ mit Spiel und Spaß für Unterhaltung. Am Samstagabend sind alle Helfer und Gäste ab 18 Uhr zum gemeinsamen Feiern bei Live-Musik und Tanz eingeladen.

Gottesdienst und Bier vom Fass

Das Programm am Sonntag beginnt um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Ernte-Gottesdienst auf dem Festplatz. Ab 10.30 Uhr sind wieder alle Getränke- und Essenstände geöffnet, während die Hopfezopfer bereits ab 9 Uhr aktiv sind. Die Ernte wird voraussichtlich bis 16 Uhr dauern.

Für die Kinder kommt ein Team aus der Plankstadter Welde-Bierwelt nach Sandhausen und erforscht mit den kleinen Besuchern, wie eigentlich eine Fassbrause entsteht. Die Fassbrauseforscher malen auch eigene Etiketten und legen selbst Hand an beim Mischen der verschiedenen Ingredienzien.

Rechtzeitig zur Sandhäuser Kerwe am zweiten Oktoberwochenende soll das „Welde No1“-Slow-Beer-Pils mit dem ortseigenen Hopfen fertig sein und nur dort vom Fass gezapft zur Verfügung stehen. Aber die Sandhäuser Hopfenernte wird auch rund 20 000 Kästen Pils ergeben, die ab Mitte Oktober im regionalen Handel verfügbar sind. zg

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