Plankstadt

Kellerkino Nach den Senioren können jetzt auch Kinder das cineastische Sonderprogramm der Bücherei genießen / „Shaun das Schaf“ zur Premiere

Filmtitel bleiben bis zuletzt das große Geheimnis

Archivartikel

PLANKSTADT.Popcorn knabbern gehört zum Kinoerlebnis dazu – das weiß auch der Nachwuchs, der zum ersten Mal in den Genuss von „Kino vor der Haustür“, also im Keller des Gemeindezentrums, kam. „Wir haben erst einmal drei Vorstellungen geplant“, schildert Büchereileiterin Claudia Verclas zwischen der Ausgabe zweier Popcorntüten. Der Kinobesuch ist kostenfrei, Popcorn und ein Getränk kosten einen kleinen Obolus – das ist fair und bei den Senioren, die vor der Kindervorstellung schon zum zweiten Mal in den lokalen Filmgenuss kamen, absolut beliebt.

Wahrhaft überrannt wurden Verclas und Susanne Schwendner vom Büchereiteam mittags, als schnell mal 60 Senioren vor der Tür standen. Das hieß Dauerbetrieb für die Popcorn-Maschine und schnell Stühle nachstellen. Auf dem Rathausplatz sammelten sich die Senioren, bei denen euch einige aus Neulußheim waren, und tauschten sich schon rege über das kommende Erlebnis aus.

Von den Plankstadter Senioren hatten etliche bereits Heinz Rühmann in der „Feuerzangenbowle“ erlebt, die Vorfreude auf „Wiener Blut“, einen alten Schinken aus dem Jahr 1942 mit Willy Fritsch, Hans Moser und Theo Lingen, war riesig. Die Melodien konnten alle mitsingen, dem Wiener Schmäh verfielen die überwiegend weiblichen Gäste dann auch schnell.

Jetzt wird die besondere Lizenz, die es möglich macht, dass dort Filme öffentlich gezeigt werden können, wenn sie vorher nicht beworben werden und keine Filmtitel genannt werden, auch für die Kinder eingesetzt.

Spezielle Lizenz notwendig

Claudia Verclas hat diese Lizenzgebung entdeckt, als die Planung für die sehr erfolgreiche französische Woche im vergangenen Jahr begann. In deren Rahmen sollte ein französischer Kinofilm gezeigt werden, aber eben in den Räumen der Kommune und nicht in einem Kino, zu dem man noch hätte hinfahren müssen. Mit einer Mitgliedschaft der Bücherei bei der MPLC (Motion Picture Licensing Corporation) mit Sitz in Darmstadt ist das möglich. Für einen moderaten Jahresbeitrag wird dabei die Erlaubnis erworben, Filme aus dem Büchereibestand oder aus Privathand öffentlich vorzuführen.

Einzig Werbung in Medien darf es dann nicht geben. Somit bleibt der Filmtitel immer die große Unbekannte. Was läuft, bleibt geheim, bis der „Go“-Button aktiviert wird.

Erwartungsvoll sitzen die rund 30 Kinder auf den Stühlen, jeder hat seine Tüte Popcorn, es wird geknabbert und geschnattert, bis Verclas zur Begrüßung vor die Leinwand tritt. Dann geht es los mit dem Abenteuer rund um „Shaun das Schaf“.

Verclas erklärt, für die Premiere bewusst einen Film mit der FSK-Altersfreigabe „0“ ausgesucht zu haben, „Damit wirklich jeder kommen kann.“ Eltern bringen ihre Kinder, wenige gehen mit ins „Kino“, haben die kommenden 87 Minuten für sich Zeit.

In der Zeit erleben die Sechs- bis Zwölfjährigen die knetanimierten Figuren und deren Bemühen einmal einen freien Tag zu bekommen. Klar, lassen sie den Bauern Schäfchen zählen, damit der einschläft. Doch das Schicksal spielt nicht ganz mit bei dem Vorhaben einmal frei zu haben und der Wohnwagen, in dem der Bauer schläft, löst sich aus seiner Verankerung und saust in die Stadt, wo der Bauer durch den Aufprall sein Gedächtnis verliert. Das Vergnügen endet für die Hoftiere im Tierheim.

Die ulkigen Glubschaugenschafe sorgen mit ihrer Extremmimik für Lachsalven am Stück, die aus dem Raum schallen. Natürlich geht das Abenteuer gut aus und der Bauer besinnt sich auf seinen Job, gönnt den Tieren am Folgetag die ersehnte Ruhephase, womit der Alltag wieder harmonisch im Lot ist.

Viele Ideen gesammelt

Die jungen Kinogäste sind begeistert. Auch davon, dass sie auf einer Liste aufschreiben dürfen, welchen Film sie beim nächsten Mal gerne sehen würden. Der zehnjährige Julian schreibt „Ich unverbesserlich 3“ auf, weil der „cool“ sei. Ein Mädchen entscheidet sich für den Disney-Film „Vaiana“. „Pets“, „Ostwind“ und „Kindsköpfe“ stehen auch schon dort. „Was wir bringen, bleibt mal wieder die Überraschung“, sagt Verclas und lacht.

Dann wird auf jeden Fall wieder die Popcorn-Maschine im Nonstop-Einsatz sein, denn auch im Oktober kommen mittags die Senioren ins „Kellerkino“ und am Nachmittag ab 18 Uhr die Jugend. zesa

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