Plankstadt

Im Interview Murielle Rousseau liest in der nächsten Woche aus ihrem Buch „Savoir vivre“ / Rezepte aus ihrem Heimatland sind ihre Leidenschaft

„Franzosen suchen das Glück im Moment“

Archivartikel

Plankstadt.Ihr Herz schlägt für die französische Lebensart und ganz besonders für die französische Küche: Murielle Rousseau hat verschiedene Bücher geschrieben, in denen sie beides auf charmante Weise in Geschichten und Rezepte verwandelt. Anlässlich der französischen Woche kommt sie zur „Promenade Culi-naire et Culturelle“ nach Plankstadt. Dieser Abendspaziergang am Freitag, 20. April, 18 Uhr beginnt am Wasserturm, führt ins Heimatmuseum und endet in der „Wärtschaft“ mit einer Lesung der Französin samt leckerem Essen.

Was erwartet das Publikum bei Ihrer Lesung in Plankstadt?

Murielle Rousseau: Eine Reise nach Frankreich. Also wer gerade Lust hat auf Frankreich, der kriegt von mir etwas erzählt über die französische Lebensart und die Franzosen. Wie ist es auf einer Dorfhochzeit? Wie läuft ein Besuch beim Bäcker in Paris ab? Außerdem kommen die kleinen Eigenarten der Franzosen zur Sprache, wenn sie beispielsweise meckern.

Sie kennen ja sowohl die Franzosen als auch die Deutschen. Worin unterscheiden sich die Menschen beider Nationen am stärksten?

Rousseau: Oh, das ist eine schwierige Frage. Es ist interessant: Die Länder sind so nah beieinander und trotzdem weiß man wenig übereinander. Ich glaube, was in beiden Ländern sehr unterschiedlich ist, ist die Art, die Zeit zu verbringen. Damit meine ich, dass die Franzosen meiner Beobachtung nach mit der Zeit anders umgehen, dass sie eher im Moment leben. Sie machen sich zwar schon sehr stark Sorgen um die Zukunft, das Land ist politisch ja auch uneins und gebeutelt. Aber trotzdem schaffen es die Menschen, den Moment zu genießen und das Glück darin zu finden. Für jeden ist das natürlich etwas anderes. Für den einen ist es die Tasse Kaffee am Morgen, für den anderen ist es das Schwätzchen mit der Concièrge. Sehr oft ist dieser Glücksmoment für die Franzosen übrigens auch gutes Essen und Trinken. Wobei ich natürlich auch viele deutsche Freunde habe, die dieses Genießen auch gut können, also verallgemeinern kann man das nicht.

Und der Umkehrschluss: Was sind unsere Gemeinsamkeiten?

Rousseau: Leider muss man da in der heutigen Zeit gleich politisch werden. Ich glaube, die Sehnsucht nach Frieden vereint die beiden Länder. Und weil ich vorher von den Genussmomenten gesprochen habe: Da können die Franzosen auch von den Deutschen lernen, denn in Deutschland gibt es beispielsweise auch sehr gute Weine. Ich wohne ja in der Grenzregion, in Freiburg, und kenne viele, die auf die jeweils andere Rheinseite fahren, um zu genießen. Deutsche fahren nach Frankreich zum Einkaufen und Franzosen fahren nach Deutschland rüber.

Sie lesen aus Ihrem Buch „Savoir vivre – Leben wie eine Französin“. Wie lebt es sich denn als Französin?

Rousseau: Es lebt sich sehr gut (lacht). Man wird zwar öfter mit Vorurteilen konfrontiert, beispielsweise dem, dass Französinnen meist schlank, brünett und kokett sind. Diesem Vorurteil entspreche ich nicht so richtig. Aber es lebt sich leicht als Französin, denn überall in der Welt – das habe ich durch meine Reisen nach Asien, Afrika und Amerika gelernt – haben wir eigentlich einen guten Ruf. Ich möchte meine Nationalität jedenfalls nicht tauschen. Ich bin auf eine internationale Schule gegangen und habe mehrere Sprachen gelernt. Das bringt mit sich, dass man über seine Identität nachdenkt und darüber, was Frankreich ausmacht. Und ich habe für mich festgestellt, dass es eben diese Lebensart ist und ganz besonders das Essen. Für mich symbolisiert das, was man riecht und schmeckt auch die Kindheit. Da kommen Erinnerungen auf. Man ist, was man isst. Deshalb habe ich auch angefangen, Kochbücher zu schreiben, weil ich den Eindruck hatte, dass ich mich damit dem Thema am besten nähern kann. Bei der Lesung werde ich sicherlich auch von meinen Kochbüchern erzählen.

Was essen Sie denn am liebsten?

Rousseau: Mein Leibgericht ist „Bœuf bourguignon“, ein Rinderschmorbraten mit Champignons, Speck und Rotwein, also eher ein Gericht für kalte Tage. Das koche ich sehr gerne für Gäste.

Was würden Sie denn jemandem servieren, um ihm die französische Küche näherzubringen?

Rousseau: Es fängt damit an, dass ich ihm auf jeden Fall mehrere Gänge servieren würde – es müsste also eine Menü-Abfolge sein. Mit einer Vorspeise würde ich anfangen, bei der ich Trüffel verwenden würde. Dann würde ich eines meiner liebsten Fleischgerichte machen, also den besagten Rinderschmorbraten oder „Coq au vin“ (Hahn in Wein), dazu Gemüse. Schließlich würde ich zu Salat und Käse kommen. Dazu würde ich erzählen, was zu einer perfekten Käseplatte gehört und wie man in Frankreich den Käse schneidet. Der Käse käme idealerweise von einem Käsemacher, der die Laibe in seinem eigenen Keller reifen lässt. Als Abschluss gäbe es natürlich ein Dessert, wenn die Erdbeersaison startet beispielsweise „Fraises a la charentaise“, die aus der Gegend rund um Cognac kommen. Das Ganze würde ich natürlich mit verschiedenen Weinen begleiten.

Aber verraten Sie mir, wie man schlank bleibt, wenn man so viel isst?

Rousseau: Ich habe für mich das Laufen entdeckt, mache auch bei Marathons mit. Man muss einfach etwas für den Stoffwechsel tun. Ansonsten sei dazu gesagt: Es hört sich vielleicht nach viel zu essen an und die Franzosen servieren meist jeden Tag ein Menü, aber es gibt von jedem Gang immer nur ganz wenig, die Portionen sind kleiner und die Küche ist nicht unbedingt schwer, sondern besteht dann aus Salat oder Gemüsesuppe, die gar nicht so viel enthält.

Sie haben jetzt schon einige Kochbücher geschrieben, über die vegetarische Küche oder die bretonische Küche. Was haben Sie für die Zukunft noch geplant?

Rousseau: Ich schreibe gerade ein Buch über die provenzialische Küche, das im Frühjahr nächsten Jahres herauskommt. Meine Familie ist weit verzweigt und meine Tante hat ein Haus direkt an der Küste zwischen Marseille und Toulon, daher nehme ich dann meine Inspiration. Jetzt freue ich mich aber erstmal auf Plankstadt. Meine Mutter hat übrigens mal eine Zeit lang in der Region gewohnt und ich war als Kind auch schon öfter dort.

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