Plankstadt

Tag des offenen Denkmals Hans-Peter Sturm erläuterte, was St. Kilian so besonders macht / Sakralbau ist im neugotischen Stil errichtet worden

Grünanlage um die Kirche war ein Novum

Oftersheim.Beim Tag des offenen Denkmals hatten Interessierte aus Oftersheim die Möglichkeit, Heimatgeschichte hautnah zu erleben. Wer bis dahin gedacht habe, er kenne zum Beispiel die Kirche St. Kilian wie seine eigene Westentasche, wurde eines Besseren belehrt. Denn Regionalhistoriker Hans-Peter Sturm, der auch in der Pfarrei St. Kilian und im Pfarrgemeinderat tätig ist, hat anhand einer Ausstellung zur Kirchengeschichte auf eine Reihe von Besonderheiten hingewiesen, die das vor 110 Jahren errichtete Gebäude charakterisieren.

Wer wusste schon, dass die Kirche ursprünglich im neugotischen Stil erbaut wurde und dass ihr Architekt Ludwig Maier hieß? Oder was eine „historisierende Bauweise“ bedeutet? All das und vieles mehr konnte eine überschaubare Gruppe, die an der Führung teilnahm, von ihm erfahren. Das diesjährige Motto des Tags des offenen Denkmals „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ passt für St. Kilian besonders gut, sagte er. Warum? „Das sehen Sie schon, wenn Sie einen Blick auf die Ausstellung werfen und erkennen, wie sehr sich der Kirchenraum mit der Zeit verändert hat“, so Sturm.

Und er führte die Zuhörer kurz durch die Jahrzehnte, beginnend mit der Weihe von 1909. Es war das Zeitalter des „Historismus“, das bedeutete, man ahmte Stile früherer Jahrhunderte wie Romanik, Gotik, Renaissance oder Barock nach. St. Kilian wurde im neugotischen Stil errichtet. Ludwig Maier war damals ein sehr gefragter Architekt, er hat im Erzbistum Freiburg mehr als hundert Kirchen erbaut, als prominente Beispiele erwähnte Sturm die Bonifatius-Kirche in Mannheim-Neckarstadt und die Kirche in Brühl.

Geschnitzte Relieftafeln

St. Kilian war ursprünglich ausgestattet mit drei Altären, Kanzel, Kommunionbank und dem seitlichen Kreuzweg, der aus großen geschnitzten Relieftafeln bestand. Als Besonderheit führte Sturm an, dass mit der Kirche auch das Pfarrhaus entstand. Außergewöhnlich war auch, dass drumherum eine Grünanlage eingerichtet wurde, was untypisch war für jene Zeit, wie Sturm informierte. „Man hat auch ein Platzreservoir geschaffen, sollte die Kirche mal erweitert werden müssen“, sagte er, „doch, wie wir wissen, war leider das Gegenteil der Fall.“

Dann zeigte der Historiker auf ein Bild von der Glockenweihe 1921. Es waren vier Glocken, von denen zwei noch im Turm vorhanden sind. „Betrachten Sie das Bild aber näher, sehen Sie, dass die Wände im Chorraum bemalt sind“, machte Sturm die Gruppe auf das aufgemalte Mauerwerk aufmerksam. „Wie wir es in der St. Nikolaus-Kirche in Plankstadt heute noch sehen können“, ergänzte ein Besucher. „Ja, genau“, meinte Sturm, „oder in St. Wendelin in Reilingen.“ 1936 war die erste große Innenrenovierung, dann wurde das gemalte Mauerwerk überstrichen, erklärte Sturm, und links und rechts vom Chorbogen wurden Gemälde angebracht, angefertigt von den Gebrüdern Hemberger, die auch das barocke Deckengemälde in St. Pankratius gestaltet haben.

Erste Reduzierungen

Leider hatten sie nicht lange Bestand, denn 1957 kam die nächste Renovierung, verdeutlichte Sturm, und zeigte auf ein Foto mit Baugerüst. Hier begannen schon die ersten Reduzierungen in der Ausgestaltung, die Seitenaltäre wurden abgenommen, „der Hochaltar blieb zwar bestehen, aber den Mittelteil, die Bekrönungen, hat man schon entfernt und auch die Fenster erneuert“. Ein Zuhörer wollte wissen, warum die Originalfenster entfernt wurden und ob angesichts solcher Änderungsmaßnahmen niemand dagegen protestiert habe. „Natürlich gab es Widerspruch“, erläuterte Sturm, „der hat sich aber im Stillen abgespielt. Die Fenstererneuerung geschah im Zuge des damaligen Zeitgeschmacks.“ Und Heidi Günther vom katholischen Pfarrgemeinderat, die ebenfalls an der Führung teilnahm, vermutete, „dass sie zum neuen Chorraum nicht mehr gepasst haben“.

Nach zwanzig Jahren, 1974, stand wieder eine Renovierung an. Der Kirchenraum wurde den Forderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) entsprechend angepasst und neu konzipiert. „Es sollte alles einheitlich werden und der Altar möglichst nahe beim Volk stehen.“ Bei der letzten Innenrenovierung 2008 wurden die Heiligenfiguren zurückgebracht, „und wer weiß, ob in Zukunft nicht jemand die Original-Deckenmalerei wieder zum Vorschein bringt“, sieht Sturm noch Raum für Neugestaltung. Doch machte er am Ende der Führung deutlich, dass trotz all der Veränderungen die St.-Kilian-Kirche ein bedeutendes Wahrzeichen der Gemeinde ist.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional