Plankstadt

Helm ist kein Panzer

Archivartikel

Es fühlte sich an wie eine wirklich sinnvolle Investition: Ich habe seit kurzer Zeit einen Fahrradhelm. Zwar muss ich meist nur kurze Strecken mit meinem Zweirad zurücklegen, aber aufgrund diverser negativer Erfahrungen mit den Überholvorgängen mancher Autofahrer fühle ich mich damit wesentlich sicherer. Allerdings könnte es durchaus sein, dass man sich mit einem Helm riskanter verhält als ohne – schließlich wähnt man sich ja geschützt. Auch Autofahrer könnten noch riskantere Überholmanöver wagen – denn dem Radfahrer kann wegen des Helms ja vermeintlich nichts passieren. Forscher der Universität Jena haben jetzt in einer Studie herausgefunden, dass ein Helm offenbar Sicherheit vorgaukelt und man sich tatsächlich riskanter verhält – selbst wenn man gar nicht im Sattel sitzt. Dazu haben sie ein Experiment mit zwei Gruppen gemacht. Alle Probanden mussten am Computer ein Kartenglücksspiel spielen, bei dem man sich zwischen einer risikoreichen und einer risikoärmeren Variante entscheiden musste. Vereinfacht ausgedrückt, wägten die Teilnehmer mit Helm ihre Entscheidungen weniger sorgfältig ab und waren dadurch risikofreudiger – offenbar verbanden die Probanden ein Gefühl der Sicherheit mit dem Helm. Sollte ich meinen neuen Helm also gleich wieder an den Haken hängen, weil ich ohne vielleicht vorsichtiger fahre? Keinesfalls, finde ich! Aber ein Bewusstsein dafür, dass man eben mit dem Kopfschutz nicht gepanzert und unverletzbar ist, sollte man dann doch haben – und im Straßenverkehr lieber einmal zu viel bremsen als zu wenig.

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