Plankstadt

Im Interview Bürgermeister Nils Drescher ist seit vier Jahren im Amt und zieht Halbzeitbilanz / Dienstleistungsgebäude auf dem Adler-Areal ist ein Erfolgsbeispiel / Die Wiederwahl als sein Ziel

„Ich verstehe mich als Mediator und Umsetzer“

Plankstadt.Schon vier Jahre sind um von den acht seiner ersten Amtszeit. Nils Drescher ist am 11. Oktober 2016 in sein Amt eingeführt worden. Das haben wir zum Anlass für eine Zwischenbilanz genommen und wagen auch einen Ausblick auf die nächsten vier Jahre.

In vier Jahren erlebt man so einiges. Ist Bürgermeister immer noch Ihr Traumjob, wie Sie es einmal gesagt haben?

Drescher: Ja, das würde ich immer noch sagen. Vor allem hier in Plankstadt mit seinem großen Potenzial ist es ein Traumjob – wegen der Menschen und weil wir hier unglaublich viel bewegen konnten und können.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Drescher: Ich kann nichts anderes sagen, als dass ich sehr zufrieden bin. Wir haben in wichtigen Punkten für Plankstadt – und das ist nicht nur das Thema Infrastruktur – viel erreicht. Beispielsweise was den Zusammenhalt in der Gemeinde anbelangt – das habe ich im Wahlkampf auch immer als mein Ziel betont. Zusammenhalt auf der Basis eines stetigen Dialogs mit den Bürgern, unseren Vereinen, den Kirchen und den vielen anderen Akteuren, aber auch innerhalb des Gemeinderats. Denn der Bürgermeister kann ja nichts entscheiden. Alle wichtigen Entscheidungen sind im Gemeinderat gefällt worden – und oft auch überraschend einstimmig.

Sie würden also sagen, dass Sie die verhärteten Fronten, die es zu Beginn Ihrer Amtszeit ja durchaus gab, auflösen konnten.

Drescher: Fraktion bleibt Fraktion und deren Wille bleibt nun mal unterschiedlich – was ja auch gut ist. Denn nur so kann sich Plankstadt optimal weiterentwickeln, weil Themen von verschiedenen Seiten beleuchtet werden – unter ökonomischen, aber auch sozialen und ökologischen Aspekten. Das alles soll zusammenpassen und das Wichtigste ist, dass die Projekte auch auf Plankstadt zugeschnitten sind. Um ihre Frage aber zu beantworten. Ja, es ist dem Gemeinderat stets gelungen, gemeinsam und konstruktiv gute Lösungen zu finden.

Wobei bei manchen Themen schon noch Spannungen da zu sein scheinen, beispielsweise beim Rathausneubau…

Drescher: Die Meinung der SPD, worauf Sie anspielen, ist demokratisch berechtigt. Die SPD hätte gerne den Rathausanbau erhalten. Aber es sind zwei Gemeinderäte von 22, die gegen das Projekt sind. 20 Gemeinderäte sind für die getroffene Entscheidung der Rathaussanierung, die ja einen deutlichen Kompromiss zwischen den Plänen aus dem Jahr 2015 und den nun umgesetzten Plänen darstellt.

Entscheidungen, die der Rat fällt, hat der Bürgermeister umzusetzen, haben Sie im Wahlkampf gesagt. Welche Entscheidungen hätten Sie lieber anders umgesetzt?

Drescher: Es klingt vielleicht etwas seltsam, aber diese Entscheidung gibt es so nicht. Die Verwaltungsvorlagen gingen bisher in den allermeisten Fällen durch, da Sie im Vorfeld zumeist gut abgestimmt waren. Nur als es um die Umsetzung der Bürgerbefragungsergebnisse Sportstätten mit dem Neubaugebiet Kantstraße-Nord ging, war es damals sehr knapp.

Nextbike ging ja aber auch nicht durch…

Drescher: Von Nextbike bin ich persönlich und fachlich überzeugt, vielleicht auch, weil ich es damals beim Rhein-Neckar-Kreis als wichtige Ergänzung für die „letzte Meile“ in den Nahverkehrsplan aufgenommen habe. Aber wir müssen eben auch entscheiden, ob das System jetzt sofort bei den zugegeben hohen Kosten hier nach Plankstadt passt. Der Gemeinderat hat entschieden, dass das System noch nicht reif für Plankstadt ist. Da muss man dann Geduld haben und das fällt mir manchmal zugegeben etwas schwer. An dieser Eigenschaft von mir liest man ja auch Kritik, etwa in den Sommerinterviews mit den Fraktionen, gerade bei der SPD oder bei der CDU, die geäußert haben, dass wir vielleicht zu viele Themen angegangen sind. Aber gerade jetzt in der Rezession ist es ja auch wichtig zu investieren. Zumal die Finanzen der Gemeinde geordnet sind und wir keine Luxusprojekte auf den Weg gebracht haben, sondern nur absolut notwendige. Da erinnere ich an das Lehrschwimmbad, das nach 52 Jahren einfach saniert werden muss. Da ist die Zeit einfach gekommen, was leider für viele Infrastruktureinrichtungen in Plankstadt gilt.

Was sind in Ihren Augen Ihre größten Erfolge in den vergangenen vier Jahren?

Drescher: Ich schreibe mir persönlich keine Erfolge zu. Meine Rolle würde ich wie die eines Fußballtrainers beschreiben, nur dass es nicht elf Spieler sind, sondern 22. Ich versuche, sie zu einem erfolgreichen Spielzug zu bewegen. Aber ich bin ja im Gegensatz zum Trainer nicht mal der, der die Mannschaft aufstellt. Das machen die Bürger durch die Gemeinderatswahl. Ich verstehe mich eher als Mediator und Umsetzer. Es sind die Bürger und unser gewählter Gemeinderat, die erfolgreiche Projekte ermöglichen. Es ist wichtig, dass jeder Einzelne begreift, dass er immer einen Beitrag für ein besseres Plankstadt leisten kann.

Dann frage ich anders: Was ist in diesen vier Jahren alles bewegt worden?

Drescher: Im Bereich Bildung und Jugend haben wir den Kindergarten St. Martin vergrößert und die Humboldtschule zur Ganztagesgrundschule umgebaut. Wir haben beide Grundschulen saniert und es sind zwei Tagespflegeeinrichtungen für unter Dreijährige neu entstanden. Wichtig ist mir auch die Jugendbeteiligung, da haben wir schon viele Ideen umgesetzt wie die „Plänkschda Lounge“. Die Angebote für die Senioren wurden deutlich ausgebaut, die Senioreninitiative gestärkt. Wir haben die Sportanlagen sowie einen Teil des Lehrschwimmbades und die Kegelhalle saniert. Wichtig ist dabei auch der einstimmige Grundsatzbeschluss zur Zukunft von Mehrzweck- und Dr.-Erwin-Senn-Halle. Im Bereich Gesundheit haben wir dem Hausarztmangel entgegengewirkt und es sind zwei ambulant betreute Wohneinheiten und eine Tagespflege neu entstanden. Mit dem Antoniusquartier haben wir Wohnraum geschaffen, auch bezahlbaren. Wir konnten neue Firmen ansiedeln – unter anderem auch einen Edeka und einen Drogeriemarkt. Die Biotopvernetzung wurde abgeschlossen, Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt, die öffentliche Ladeinfrastruktur für E-Autos ausgebaut und der Gemeindefuhrpark darauf umgestellt. Das Dienstleistungsgebäude auf dem Adler-Areal ist entstanden. Viele Investitionen sieht man auch nicht, wie etwa die Kanalsanierungen. Außerdem habe ich die Ämterstruktur im Rathaus geändert, um die Bürgerdienste zu stärken, gleichwohl sind wir am unteren Ende der Personalressourcen für Gemeinden unserer Größe. Aber das sind nur die größten Projekte, es ist ja noch einiges mehr passiert. Beispielsweise wurden in den vier Jahren im Haushalt der Gemeinde auch 2,4 Millionen Euro Schulden getilgt.

Ihre Schlüsselworte im Wahlkampf waren immer „Dialog“ und „Bürgerbeteiligung“. Bei welchen Themen hat das aus Ihrer Sicht gut funktioniert und bei welchen nicht?

Drescher: Ich glaube, dass es bei den Sportstätten und den Neubaugebieten besonders gut funktioniert hat. Aber im Moment ist mir auch kein Thema bekannt, das in der Gemeinde ähnlich kontrovers diskutiert wird. Wenn sich das ändert, sage ich den Bürgern stets ein Forum zu. Beim städtebaulichen Entwicklungskonzept „Plankstadt 2040“ hatten wir ja auch die Bürger einbezogen, das hat gut geklappt. Dort ist ja auch die Idee entstanden, ein Verkehrskonzept gemeinsam mit den Bürgern zu entwickeln.

Schaffung von Wohnraum war ein Thema für Sie im Wahlkampf, vor allem innerorts. Jetzt sind es doch viele Neubaugebiete am Ortsrand geworden…

Drescher: Naja, der Einwohnerzuwachs von 10 173 auf 10 382, den wir in den vier Jahren hatten, ist hauptsächlich innerorts passiert. Aber die Erkenntnis ist auch, dass der Bedarf nach Wohnraum enorm ist. Gerade in unserem Nachbarschaftsverband fehlt eine immense Zahl an Wohnungen. Die großen Städte Heidelberg und Mannheim können den Bedarf alleine nicht decken und sind darauf angewiesen, dass das Umland sich mit entwickelt. Wir hätten im Antoniusquartier jedes Haus drei- oder viermal verkaufen können. Das Gebiet Kanstraße Nord ist einfach der logische Schluss daraus gewesen, dass das Antoniusquartier bei Weitem nicht reicht. Nach wie vor schauen wir auch nach Potenzialen innerorts, aber davon gibt es wenige. Zudem verhindern oft Eigentums-, Erschließungs-, Nachbarschafts- oder Verkehrsprobleme eine Nachverdichtung.

Sie mussten und müssen sich mit einem Investitionsstau auseinandersetzen. Was steht da in den nächsten vier Jahren noch an?

Drescher: Mein Versprechen ist auf jeden Fall: Die Menschen in Plankstadt stehen an erster Stelle, nicht die Investitionen. Bei den Grundschulen gilt es, den Rechtsanspruch auf einen Ganztagesplatz zu gewährleisten und das vorhandene Raumproblem an der Friedrichschule zu lösen. Dies am besten gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde. Das Lehrschwimmbad muss zeitnah fertig saniert werden. Es stehen die Ersatzneubauten für die Sporthallen an und dann sind weitere Straßen- und Kanalsanierungen dringend notwendig. Daneben sollen neue Projekte das Leben und Arbeiten und die Ökologie in Plankstadt weiter verbessern. Das Gewerbegebiet soll weiter vergrößert und auch mit dem Nahverkehr besser angebunden werden. Der Radschnellweg zwischen Schwetzingen und Heidelberg wird über unsere Gemarkung führen. Und den Glasfaserausbau möchte ich hier noch nennen. Klimaschutz ist ein weiteres wichtiges Thema. Doch die Liste ist natürlich nicht komplett, eigentlich haben wir alle Projekte im städtebaulichen Entwicklungskonzept beschrieben und priorisiert.

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Drescher: Wo ich selbst ein bisschen enttäuscht bin, ist der Fortschritt beim Thema Digitalisierung. Das geht mir viel zu langsam und fällt uns in der Corona-Krise jetzt auf die Füße. Ich hoffe, dass die E-Government-Strategie des Landes es uns irgendwann ermöglicht, alle Prozesse zu digitalisieren. So könnten Bürger ihren Personalausweis vom Sofa aus beantragen, es wäre schön, wir könnten das in Plankstadt bald zusätzlich anbieten.

Woraus schöpfen Sie Ihre Motivation für die nächsten vier Jahre?

Drescher: Ich bin nicht der Typ, der sich aufs Sofa legt und mit allem zufrieden ist. Es liegt einfach in meiner Natur, dass ich vieles, was ich beobachte, auch bewegen und verbessern will – insofern brauche ich kaum Motivation von außen.

Reicht die Motivation auch noch für eine zweite Amtszeit?

Drescher: Natürlich. Man sieht ja, dass die meisten Projekte nur halb fertig sind (lacht). Die Ideen für Plankstadt gehen mir nicht aus. Die Wiederwahl ist mein Ziel.

Was wünschen Sie sich von den Bürgern?

Drescher: Ich sehe, dass die sozialen Medien eine große Rolle in der Gesellschaft einnehmen und das empfinde ich als Herausforderung. Ich habe schon darüber nachgedacht, meinen Facebook-Account zu löschen. Ich wünsche mir, dass die Leute diese Medien verantwortungsvoller nutzen und mit recherchierten Fakten fundierte Informationen posten, anstatt nur Einzelmeinungen, die dann vielleicht auch gar nicht mehr hinterfragt, sondern hoffähig werden. Ich hoffe sehr, dass sich die Gesellschaft durch die Neuen Medien nicht weiter spaltet wie aktuell in den USA.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Bürgermeister in den vergangenen vier Jahren?

Drescher: Das waren so viele – ich habe eigentlich meist schöne Erlebnisse, wenn ich mit Menschen in Kontakt komme. Besonders schätze ich da die Weisheit alter Menschen, bei der ich manchmal ins Grübeln komme, die mich aber immer berührt. Da lernt man, dass man sich über manche Dinge oft zu viele Sorgen macht und dass Zufriedenheit mit dem, was man hat, eigentlich das Wichtigste ist.

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