Plankstadt

Im Interview Kabarettist Philipp Weber kommt mit seinem Programm „Durst“ in die Gemeindebücherei / Er nimmt die deutsche Trinkkultur unter die Lupe

„Ich will Denkblockaden einreißen“

Plankstadt.Vernünftiges Trinken will gelernt sein. Millionen Deutsche schlucken heute missbräuchlich Alkohol. Auch die Leistungsträger dieser Gesellschaft langen kräftig zu. Es gibt Krankenhäuser, da schwankt die Chefarztvisite als Polonaise ins Zimmer. Und im Flugzeug kann man nicht mehr sicher sein: Wer hat mehr getankt, die Maschine oder der Pilot? Droht Deutschland in seinem eigenen Durst zu ertrinken? Philipp Weber bringt Klarheit in die trüben Gewässer deutscher Trinkkultur und kommt am Donnerstag, 18. Januar, um 20 Uhr in den Ratssaal im Gemeindezentrum. Uns hat er verraten, wie er zum Verbraucherschützer wurde.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem Auftritt in Plankstadt?

Philipp Weber: Sehr, sehr viel Gelächter. Denn das ist mein Ziel: Mit dem bebenden Bauchfell Denkblockaden einreißen und die Bretter vor den Köpfen lockern. Und Thema des Abends ist der menschliche Durst in allen seinen Facetten: Ein weites, wichtiges und komisches Thema zugleich.

Wo bekommen Sie die Inspiration für Ihre Programme her?

Weber: Wenn ich ehrlich bin, ich wüsste auch gerne, wo meine Inspiration herkommt. Denn dann könnte ich sie suchen, wenn ich gerade keine habe. Doch bisher hat die Inspiration mich gefunden, wenn ich sie gebraucht habe. Und zwar meistens beim Zeitunglesen.

Sie nennen sich selbst „radikalster Verbraucherschützer Deutschlands“. Wie kam es dazu?

Weber: Verbraucherschutz ist einfach das perfekte Thema für mich. Zum einen bin ich mit einem breiten naturwissenschaftlichen Wissen gesegnet, zum anderen birgt das Thema sehr viel Komik. Und man kommt vom Verbraucherschutz leicht in viele andere spannende Themengebiete wie Politik, Gesellschaft und Abgründe des Lebens. Das Thema spricht mich also als Naturwissenschaftler und Kabarettist an! Und „radikal“ bin ich in der Wahl meiner Waffen: dem Humor. Mit der Spitze meiner Feder gegen den Irrsinn der Welt anschreiben. Darum geht es.

Wie sind Sie überhaupt als Kabarettist auf der Bühne gelandet - wo Sie doch studierter Chemiker und Biologe sind?

Weber: Ich bin 1999 in einen Poetry Slam reingeraten. Eine Art offene Bühne. Ich habe die Darsteller gesehen und gedacht: Das kann ich auch. Und schon beim meinem ersten Auftritt habe ich gewusst, dies ist die Geburtsstunde eines Traums. Als Chemiker und Biologe bin ich gut. Doch als Komiker werde ich noch besser sein.

Im Programm „Durst“, mit dem Sie nach Plankstadt kommen, geht es um die deutsche Trinkkultur. Wie schlecht ist es um uns bestellt?

Weber: Es gibt schon Dinge zum Haare raufen. Neulich habe ich zum ersten Mal Red Bull probiert. Wie kann man so was trinken? Das Zeug schmeckt wie der Morgenurin eines zuckerkranken Gummibärchens. Andere trinken Bio-Limo, weil sie glauben, dass Zucker aus „kontrolliertem Anbau“ irgendwie gesünder ist. Aber Zucker ist Zucker. Opium wird auch kontrolliert angebaut. Deswegen gibt es noch lange kein Bio-Haschisch. Von Bio-Zucker bekommt man auch nicht irgendwie nur Öko-Diabetes. Aber in diesem Programm geht es um viel mehr. Es geht um die Frage: Wonach dürstet der Mensch am meisten? Ich will nicht zu viel verraten. Diesen Durst löscht man nicht durch Trinken.

Wie sieht es eigentlich mit Ihren eigenen Trinkgewohnheiten aus...?

Weber: Ich bin bekennender Weintrinker. Dabei greife ich gerne zum Silvaner als die fränkischste aller Trauben. Ich bin überzeugter Europäer und Kosmopolit. Doch die Wahl des Weines ist ein Lokalpatriotismus, dem ich mich gelegentlich hingebe.

Im Pressetext steht, Sie wollen den Ministerposten für Verbraucherschutz. Wäre die Politik wirklich etwas für Sie?

Weber: Natürlich wäre es reizvoll für mich, mal im Parlament zu sprechen. Doch wenn ich mir dessen Zusammensetzung nach der letzten Bundestagswahl anschaue, hat die Qualität doch deutlich gelitten. Da spiele ich doch lieber in Plankstadt. Ich kenne die Menschen und weiß: Wir haben Spaß zusammen.

Was wünschen Sie der Welt für das neue Jahr?

Weber: Humor und gute Nerven!

Info: Ein Video finden Sie unter www.schwetzinger-zeitung.de

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel