Plankstadt

Evangelisches Gemeindehaus Frauentreff stellt bedeutende Frauen der Reformation vor

Jede Einzelne war wertvoll

Plankstadt.Luthers Hammerschläge vor 500 Jahren waren ein Donnerschlag für die katholische Kirche und ein Aufruf zum Widerstand gegen ihre verkrustete Moral. Dass in der Verbreitung reformatorischer Ideen neben Männern wie Luther, Melanchthon, Zwingli oder Calvin auch Frauen eine bedeutende Rolle gespielt haben, wurde beim Abend, den der evangelische Frauentreff unter dem Motto "Mutig, klug und überzeugend" im Gemeindehaus organisiert hat, ganz besonders deutlich.

Ins Bewusstsein der zahlreichen Besucher rückten die Organisatorinnen ein anschauliches Bild von acht bedeutenden weiblichen Persönlichkeiten aus jener Zeit, die allesamt furchtlos und den Männern ebenbürtig nicht nur für ihre Glaubensüberzeugungen eintraten, sondern auch für eine neue Rolle in Ehe, Familie, Kirche und Gesellschaft. "Dass heißt aber nicht, dass es nur um Frauen geht, die sich dieser Bewegung angeschlossen haben", sagte in ihren einführenden Worten die Leiterin des Kreises Jutta Layer, die gemeinsam mit Patricia Gund-Ott durch den Abend führte, "darum wundern sie sich nicht, wenn hier auch von einer Nonne die Rede sein wird."

Um die Zuhörer in jene Zeit zurückzuversetzen, leuchtete Patricia Gund-Ott den historischen Rahmen aus und das Leben der Menschen, wie es damals war. Im 16. Jahrhundert gehörte der größte Teil Zentraleuropas zum "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation", sagte sie. Nach der Reformation wurde die Mehrheit des Reiches evangelisch. Die Ausbreitung des reformatorischen Gedankens wurde auch von Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks erleichtert. Das Leben der Menschen in der damaligen Zeit hing sehr davon ab, ob man auf dem Land oder in der Stadt lebte, so Gund-Ott, und in welche gesellschaftliche Schicht man hineingeboren wurde. Für Frauen war neben der Ehe und Familie auch ein Leben als Nonne im Kloster oder als Begine, eine selbstständige Frau, die weder heiraten noch Nonne werden wollte, im Konvent möglich.

Einige der vielen weiblichen Gesichter der Reformation stellten anschließend Svenja Brehmer, Birgit Dittmer, Christine Schlörholz, Eva Fries, Gitta Kistner, Ursula Richter, Ute Herlold und Silke Kestner dar. In historischen Kostümen gelang es ihnen durch Mimik, Gestik sehr authentisch in die Rolle der Nürnberger Nonne Barbara "Caritas" Pirckheimer (1467 - 1532), in die der bildungshungrigen Felicitas von Selmenitz (1488 - 1558), der Vormundschaftsregentin Gräfin Barbara von Wertheim (1500 - 1561), des weiblichen Wunderkindes Olympia Fulvia Morata (1526 - 1555), der Seelsorgerin und ersten Pfarrfrau Katharina Zell (1497 - 1562) aus Straßburg, der Leinenhändlerin Margarete Blarer (1493 - 1541) aus Konstanz, der ersten Ehefrau Martin Butzers Elisabeth Silbereisen (1495 - 1541) aus Straßburg wie auch das turbulente Leben von Wibrandis Rosenblatt (1504 - 1564) mit ihren vier Männern und elf Kindern zu schlüpfen und sie lebendig werden zu lassen.

Gesungen und gegessen

Sie zeigten auf, wie wertvoll jede Einzelne von ihnen war, wie viel die Frauen der Reformation erlebt, getan und geleistet haben. Reformation ist viel mehr als das, was die Reformatoren in Gang gesetzt haben, sie geht weiter und dauert bis heute an - auch das machte die Präsentation deutlich. Silke Kester hat zudem eine große Tafel vorbereitet, auf der die Besucher die unterschiedlichen Orte des damaligen Geschehens nachverfolgen konnten sowie jene Orte, die auch die Verbindungen der Frauen untereinander aufzeigten.

Um diese Zeit mit allen Sinnen nachspüren zu können, wurde auch gemeinsam gesungen und gegessen. Das Team um Otto Hammelmann, zu dem auch Hans Kolb und Harald Schuhmacher gehören, hat ein mittelalterliches Gericht vorbereitet, das aus drei Gängen bestand. Als Vorspeise wurde Holzofenbrot mit Kräuterquark serviert, als Hauptgang, Gemüseeintopf, aus dem natürlich die Kartoffeln fehlten, da zu Luthers Zeiten diese noch nicht bekannt waren, zum Nachtisch gab es Grießschnitt mit Kompott. Die Reaktionen der Gäste auf die Veranstaltung waren eindeutig positiv. "Was für ein interessanter Abend", sagte am Ende Margitta Kronberger gegenüber unserer Zeitung, "die Darstellungen der Frauen vom Kirchenkreis war sehr eindrucksvoll."

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