Plankstadt

Friedrichschule Unsere Reporterin begleitet Grundschüler beim Besuch im Rathaus / Mit Demokratie kennen sie sich schon gut aus / Gemeinderatssitzung nachgestellt

Kinder sind neugierig auf Tresorinhalt

Archivartikel

PLANKSTADT.Warum gibt es Gemeinden? Was machen die Menschen, die in der Gemeindeverwaltung arbeiten, eigentlich? Wofür gibt es einen Gemeinderat? Viele Fragen, deren Antworten die Dritt- und Viertklässler der Friedrichschule auf direkte Weise bekommen: Sie besuchen während der Atelierarbeit, die zum Thema „Den Heimatort kennenlernen“ auch an außerschulische Unterrichtsorte führt, unter anderem ins Rathaus und den Ratssaal im Gemeindezentrum.

Hauptamtsleiter Michael Thate nimmt die Schüler und ihre Lehrerin Jutta Hensing mit auf einen kurzen Rundgang durch das Verwaltungsgebäude: „Der Bürgermeister ist zu einem Termin unterwegs und nicht da“, zeigt er das leere Büro des Verwaltungsoberhaupts. Dass Plankstadt nicht nur aus den Häusern und Straßen besteht, sondern sich die Gemarkungsgrenzen weitläufig um die Bebauung ziehen, ist auf der entsprechenden Karte, die im Bürgermeisterbüro hängt, gut zu erkennen.

„Stellt mir viele Fragen“, ermuntert Thate. Welche Ämter im Rathaus untergebracht sind – das neue Bürgerbüro, das Haupt-, das Bau- und das Kämmereiamt, erfahren die Kinder. Ins Letztere führt der Weg vorbei an den Wappen der Partnergemeinde Castelnau-le-Lez und Plankstadts, die nebeneinander aufgehängt sind. Zeit, um kurz die Partnerschaft zu schildern, mit dem Austausch und vielen Begegnungen.

Ziel der Schüler ist jedoch der Tresor der Gemeinde, den wollen alle sehen. Melanie Zieher, Mitarbeiterin bei der Kasse öffnet den Tresor und lässt die Kinder die Bürgermeisterkette bewundern. Mit offenen Mündern schauen die Schüler das Geschmeide an: „Die ist bestimmt viel wert?“, meint einer. „Die Kette ist aus Edelmetall angefertigt, aber der weitaus größere Wert liegt im Ideellen, denn ganz viel Menschen haben dafür gesorgt, dass es diese Kette gibt“, betont Thate, dass das Schmuckstück für besondere Anlässe schon sehr lange der Gemeinde gehört.

König kann man nicht mehr sein

Zum Wissensausflug gehört auch zu erfahren, wie politische Entscheidungen auf demokratische Weise getroffen werde. Deshalb macht sich die Gruppe auf den Weg in den Ratssaal zum Gemeindezentrum gegenüber. „Kennt jemand diesen Mann“, fragt Thate auf der Treppe plötzlich laut. „Das ist der Bürgermeister“, tönt es vielfach. Nils Drescher kommt mit Bauamtsleiter Andreas Ernst von seinem Termin zurück und begrüßt die Schüler, zeigt einen Plan von einem Fußballplatz, der wohl instandgesetzt werden soll. Dann geht es für Drescher wieder ins Büro und an das Tagwerk. Im Ratssaal, der bereits für zwei kommende Vortragsabende gerichtet ist, stehen die Stühle in Reihen. „Das ist nicht so, wenn der Gemeinderat tagt“, dann gebe es eine große Tischrunde, an deren oberen Ende der Bürgermeister sitzt, zu beiden Seiten nehmen Vertreter der Parteien Platz, Raum für Besucher ist auch gegeben.

In den Reihen sitzend haben die Schüler bereits sehr differenzierte Antworten für den Hauptamtsleiter parat: „Wer hat denn früher bestimmt, was gemacht wird?“, fragt der. „Ein König“, lautet die Antwort. Ob er denn König von Plankstadt werden könne, fragte Thate nach. „Nee“, war die Antwort aus vielen Kehlen. Und weshalb, beschreibt Thate so: „Wir leben in einer Demokratie, was bedeutet, dass alle entscheiden. Dafür werden von allen Mitbürgern Vertreter gewählt, die im Gemeinderat sitzen.“ Die Parteien – CDU, SPD, Plankstadter Liste, Grüne Liste Plankstadt und Alternative Liste Plankstadt – zählt er auf und erklärt, dass 19 Leute im Gemeinderat in Plankstadt sitzen.

Verzwickte Abläufe

Schlagworte wie „Antrag“, „Antrag vorstellen“, „Diskussion“ und „Abstimmung“ fallen, bevor einmal Gemeinderat gespielt wird. Wunsch der Kinder ist ein neues Spielgerät für den Schulhof ihrer Grundschule, rein fiktiv natürlich. Eingeteilt in verschiedene „Parteien“ kommt nach der Vorstellung des Antrags fast jeder einmal zu Wort – auch die „Unentschlossenen“, die als „Zünglein an der Waage“ Gewicht bei der Abstimmung haben. Ziemlich verzwickte Abläufe, die kindgerecht verpackt serviert und in der nachfolgenden Unterrichtsstunde noch einmal besprochen werden, wie Lehrerin Jutta Hensing erklärt.

Dann stellt Thate den Viertklässlern noch den neuen „Kinder-Gemeinderat“ vor, der zeitnah gebildet werden soll. Aus allen vierten Klassen werden je zwei Kinder das neue Gremium bilden, das sogar ein eigenes Budget erhalten soll. „Mit dem Bürgermeister und mir trefft ihr euch dann, wir hören euch zu, was ihr in Plankstadt gut findet, wo ihr gerne etwas anderes hättet“, verrät Thate den Schülern.

Die gewählten Vertreter sollen dann eine Liste machen und entschieden, was höchste Priorität hat, damit es auch direkt in die Realisierung gehen kann. „Kommt, redet mit, bei dem, was hier im Ort passiert“, motiviert Thate, dass vielleicht auch mal ein Antrag, wie eben gespielt, bis in den „großen“ Gemeinderat vordringt. Bis die Viertklässler 14 Jahre alt sind können sie mitarbeiten, dann geht es weiter in die Jugendbeteiligung, die ebenfalls angestoßen werden soll.

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