Plankstadt

Öffentliches Bücherregal Was steht eigentlich drin? / Tim Willocks hat mit „Das Sakrament“ einen Roman rund um die Schlacht und Belagerung von Malta geschaffen

Tannhäuser ist die Inquisition auf den Fersen

Archivartikel

Plankstadt.Was steht eigentlich im öffentlichen Bücherregal? Spannende Romane oder uralte Schinken? Mit dem heutigen Buchtipp „Das Sakrament“ von Tim Willocks reisen wir lesend nach Malta, mitten in die Schlacht und Belagerung, die dort 1565 stattgefunden hat. Die Kreuzritter kämpfen gegen die türkische Armee, es geht um die Existenz des christlichen Malteserordens. Doch nicht nur die Schlacht steht im Fokus, das „normale“ Leben mit Liebe, Freundschaften und Hoffnung geht in den Wirren weiter.

Spannend skizziert Tim Willocks, der 1957 in Manchester geborene Autor, der schon seit seinem zehnten Lebensjahr schreibt, die Begebenheiten. Willocks hat Medizin und Psychologie studiert und bis 2003 als Psychologe, überwiegend für Drogenabhängige, praktiziert. Bis dahin hat er erfolgreich einige Thriller veröffentlicht, sich als Drehbuchautor und Regisseur (Bad City Blues) einen Namen gemacht. Dann kreuzte der Agent des Bestsellerautors Ken Follett seinen Weg und bot ihm seine Villa in Florida als Refugium an, einen historischen Roman – eben „Das Sakrament“ – zu schreiben.

Willocks lebt seither wechselnd in England und den USA. Das Zitat: „Einen Roman zu schreiben, heißt einem Traum zu folgen“ wird ihm zugeordnet. Natürlich gehört zu allem Historischen auch eine Geschichte, in die sich die Fakten einbetten. Im vorliegenden Werk ist es das Leben des Deutschen Mattias Tannhäuser, der als Zwölfjähriger miterleben muss, wie seine Mutter und Schwester von den Türken ermordet werden. Er selbst hatte sich zu der Zeit gerade einen Dolch geschmiedet und wehrt sich vehement damit – das beeindruckt die Türken, die ihn entführen.

Contessa Carla wird geschickt

Er wächst bei den Türken auf, erhält eine bilderbuchhafte Ausbildung. Also kennt Tannhäuser die Türken, ihre Waffen, ihr Denken, ihre Strategien und damit den Weg, sich gegen sie zu verteidigen. Kein Wunder, dass der Großmeister der Malteser alles daran setzt, ihn nach Malta zu holen, um den Orden zu retten. Er schickt die schöne Contessa Carla los nach Sizilien, wo Tannhäuser mit einem jüdischen Freund erfolgreich Handel treibt, ihn zu überzeugen. Natürlich schafft es die Schöne, den Deutschen zu überreden, mit ihr nach Malta zu reisen.

Kaum entschieden, wird Tannhäusers Haus zerstört, sein Freund gefoltert. Augenscheinlich ist die Inquisition Tannhäuser auf den Fersen. Inquisitor Ludovico weiß, wenn Tannhäuser nach Malta kommt, könnte er etwas entdecken, was den Untergang der Inquisition bedeuten würde. Ludovico versucht alles, Tannhäusers Reise zu verhindern. Doch auch Contessa Carla birgt ein Geheimnis: Sie hat ein gemeinsames Kind mit dem Inquisitor, das auf Malta lebt.

Grausame Gemetzel toben um die Festung St. Elmo, die die Malteser möglichst lange halten wollen. Ausgerechnet hier hält sich Orlandu auf, der Sohn der Contessa und Ludovico. Die Türken erobern die Burg… Auf 760 Seiten wird auf Malta gekämpft, geraten die Protagonisten auf alle möglichen Achterbahnen der Gefühle. Fesselnd geschrieben und lesenswert. zesa

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