Plankstadt

Vertreibung sagt man nicht

Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Diese Binsenweisheit bewahrheitet sich bisweilen gerade dann, wenn man sie nicht erwartet. Beim Schreiben des Artikels über das Heimatmuseum zum Beispiel. Dort gibt es noch bis in den Sommer eine Ausstellung unter dem Thema „Flucht und Vertreibung“. Doch beim Schreiben des Artikels am Computer markiert plötzlich das weltweit meistverwendete Schreibprogramm „Word“ von Microsoft das Wort „Vertreibung“. Es erscheint ein Hinweis: „Problematische geo-politische Bezeichnung. Sie sollten den Ausdruck ersetzen.“

Da ist der Autor erst einmal baff. Nicht nur, dass mittlerweile schon Computerprogramme ein hypersensibles Gespür für politische Korrektheit einprogrammiert bekommen haben. Es stellt sich vor allem die Frage, wie wir bei so viel Realitätsvermeidung noch über wirkliche Probleme sprechen sollen. Dass Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden sind, dass bisweilen auch heute noch Menschen vor Vertreibung fliehen, darf nun nicht mehr gesagt werden? Und dadurch soll den Vertriebenen geholfen sein?

So bleibt dem Autor wohl nur das konsequente Ignorieren der Computerkritik am eigenen Text – auch wenn beim Schreiben dieser Glosse die vielen von Word erstellten braunen Markierungen des Wortes „Vertreibung“ durchaus etwas irritieren. Zum Glück sind diese in der gedruckten Zeitung nicht zu sehen. Aber vielleicht wird auch dieser Vorschlag noch eines Tages an uns herangetragen.

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